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Kirmes in Flerzheim: Vereine sammeln Geld für ihren Ort

Kirmes in Flerzheim : Vereine sammeln Geld für ihren Ort

Der Paias ist schuld, wenn derzeit in Flerzheim Dinge geschehen, die eigentlich nicht geschehen dürften. Wenn etwa Ehemänner nach dem Kirmes-Frühschoppen betrunken nach Hause kommen oder vom Kirmesplatz zu laute Musik erschallt. Der Paias, die Symbolfigur der Flerzheimer Kirmes, hing am Samstagmittag in seinem abgetragenen Anzug und mit einer Zigarettenkippe im Plastikmund an der Windschutzscheibe des Feuerwehrautos.

Nachdem die Vorsitzende des Ortsausschusses, Karola Baldus, den Fassanstich vorgenommen hatte, wurde der Paias im traditionellen "Köttzug" mit Blaulicht durch die Straßen gefahren. Währenddessen klingelten Vertreter der örtlichen Vereine bei den Bewohnern und baten um Spenden. Einige warteten bereits mit ihrem Obolus hinter der Tür und füllten die Sammelbeutel mit knappen Bemerkungen wie "Alles klar" oder "Da seid Ihr ja". Vorne musizierte das Fanfarenkorps Rot-Weiß, verstärkt durch eine Kinder-Trommelgruppe, die die Sammler ankündigten.

Etwa 3000 Euro waren sonst zusammengekommen, diesmal waren es wegen der Schulferien "nur" 2325 Euro, wie Ortsausschuss-Mitglied Hubert Martini berichtete. Das Geld wird für Belange des Ortes ausgegeben. Etwa 1500 Euro kostet laut Martini allein der Martinsumzug mit Wecken für Kinder und Senioren sowie für Musik. Auch die Geschenke zum Altenabend vor Weihnachten werden davon bezahlt.

Die Kirmes-Bräuche dienen laut Baldus auch dazu, ein "neues Geflecht" im Ort zu etablieren und junge Familien aus dem Neubaugebiet zu integrieren. Vom Gesangverein über die Sportler, die Freiwillige Feuerwehr, den Karnevalsverein bis zu den Junggesellen beteiligten sich alle, wie es hieß. Der Samstag endete mit dem Kirmesball. Gestern Morgen folgte ein Festhochamt mit anschließender Kranzniederlegung am Ehrenmal.

Noch bis morgen dreht sich auf dem Dorfplatz das Kinderkarussell von Otto Hündgen. Eine antike Schiffschaukel aus Holz und Metall, ein Autoscooter und einige Verkaufswagen ergänzen den Rummel. Beim Reibekuchenbacken auf dem "Plönche" (Dienstag ab 15 Uhr) braucht niemand Hunger zu leiden, während die Kinder sich ab 16 Uhr auf Freifahrten freuen dürfen.

Der Junggesellenverein ist bei der Kirmes besonders gefordert. "Gut aussehen", antwortete Ingo Schüller auf die Frage nach der Aufgabe seiner Gruppe. Das ist aber nicht alles: Es soll schon vorgekommen sein, dass der Paias entführt wurde. Die Junggesellen müssten ihn dann aufspüren und in sichere Verwahrung bringen. Denn der Paias muss am letzten Tag für alles büßen: Er wird auf dem "Plönche" verbrannt.