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Gedenken in Rheinbach: Verwaltung will Stolpersteine

Gedenken in Rheinbach : Verwaltung will Stolpersteine

Auch die Fraktionsvorsitzenden befürworten den Beschlussvorschlag. Bürgermeister Stefan Raetz soll um Zustimmung werben.

Es scheint, als komme doch noch Bewegung in die seit Jahren währende Diskussion um die Verlegung von Stolpersteinen in Rheinbach. Diese in die Bürgersteige vor den früheren Häusern der Juden eingelassenen, mit Messing überzogenen Steine erinnern an die Schicksale der ermordeten Mitbürger.

Bisher fand diese Form des Gedenkens in Rheinbach keine Mehrheit, denn CDU und FDP im Rat sprachen sich mit dem Hinweis auf die heutigen Hausbewohner dagegen aus.

Jetzt liegt ein neuer Bürgerantrag vor, den die Stadtverwaltung befürwortet. Der Künstler Günter Demnig könnte also doch noch in Rheinbach tätig werden. Am 22. April hatte der Stadtrat den Bürgerantrag der Initiative ‚Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger für Stolpersteine‘ noch abgelehnt, für 34 ermordete jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger Stolpersteine in Rheinbach zu verlegen. Mit 18 Ja-Stimmen, 18 Nein-Stimmen und einer Enthaltung fand der Bürgerantrag seinerzeit keine Mehrheit.

Nun liegt ein neuer Bürgerantrag vor, mit dem Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger den Rat bitten, sich erneut mit der Verlegung von Stolpersteinen in Rheinbach zu befassen. Inzwischen sind 36 Namen ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger bekannt, an die erinnert werden soll.

SPD will dem Vorschlag zustimmen

„Die SPD Rheinbach begrüßt den neuen Antrag und wird dem unter den Fraktionsvorsitzenden abgestimmten Beschlussvorschlag zustimmen“, erklären übereinstimmend Dietmar Danz, Vorsitzender der SPD Rheinbach, und Martina Koch, Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion. In der Fachausschusssitzung am Donnerstag, 25. August, wird das Thema behandelt und zur Abstimmung gestellt. Die abschließende Beratung ist für die Sitzung des Rates am Montag, 12. September, vorgesehen.

„Wir hoffen darauf, dass der Rat der Stadt in seiner Zusammensetzung nach der Kommunalwahl 2014 den Weg frei macht, auch in Rheinbach Stolpersteine verlegen zu können“, so Dietmar Danz und Martina Koch. Mit den Steinen vor den Häusern werde die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst in Rheinbach lebten und arbeiteten.

CDU will sich noch beraten

CDU-Fraktionschef Bernd Beißel, der sich bisher gegen die Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen hatte, sagte gestern, es gebe gute Argumente dafür und gute dagegen, aber keine neuen. Am Mittwoch werde sich die CDU-Fraktion mit dem Thema befassen.

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung lautet: „Der Rat der Stadt Rheinbach stimmt der Verlegung von Stolpersteinen vor den Häusern ermordeter Juden zu. Die Verlegung soll zunächst nur vor den Häusern durchgeführt werden, deren Eigentümer einer Verlegung zustimmen. Bei Häusern, deren Eigentümer Bedenken gegen eine Verlegung haben, soll durch den Bürgermeister im persönlichen Gespräch um eine Zustimmung geworben werden.“

Weiter heißt es, der Rat erkenne alle Gedenkformen an die Opfer der Judenverfolgung im Nationalsozialismus als eigenständige und wertvolle Erinnerungsform an. Dazu zählten die jüdische Gedenkstätte im Rathaus, die Erinnerungstafel vor der ehemaligen Synagoge in der Schweigelstraße sowie der Schweigegang am 9. November und die Veranstaltungen anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar. Gleichwohl werde anerkannt, dass auch die verschiedentlich vorgebrachten Bedenken gegen die Verlegung von Stolpersteinen Respekt verdienen.