Entscheidung steht kurz bevor Streit um Infozentrum zum Rheinbacher Steinzeitschützen „Wolbi“

Rheinbach · Der Fund eines Jungsteinzeit-Skelettes bei Rheinbach war eine Sensation, die in der Stadt auch angemessen präsentiert werden sollte. Einen Prüfauftrag für ein mögliches Info-Zentrum stellten CDU und Grüne bereits 2022.

 So könnte die Bestattung von „Wolbi“ ausgesehen haben - zumindest nach der Vorstellung von Samson Götze.

So könnte die Bestattung von „Wolbi“ ausgesehen haben - zumindest nach der Vorstellung von Samson Götze.

Foto: Foto/Repro Schoenebeck

Bekommt der als „Wolbi“ bekannte Bogenschütze von Rheinbach noch einen Ausstellungsort in der Stadt, in der er gefunden wurde? Dafür sieht es derzeit schlecht aus. CDU und Grüne hatten 2022 den Antrag „Archäologische Funde aus dem Wolbersacker erlebbar machen“ gestellt, nach dem die Stadtverwaltung mögliche Standorte für ein Museum oder Info-Zentrum prüfen sollte. Nun steht das Ergebnis auf der Tagesordnung beim Ausschuss für Standortförderung und Feuerwehr am 29. Februar. Empfohlen wird dort, das Thema nicht weiter zu verfolgen.

Eine „kulturgeschichtliche Verantwortung“

Der Fund eines Skelettes auf der Fläche des Wolbersackers war 2018 eine Sensation. Wie Archäologen unterdessen herausgefunden haben, handelt es sich um die Überreste eines Mannes, der vor rund 4500 Jahren in der Rheinbacher Region gelebt hat. Er gebrauchte häufig einen Bogen – daher die Bezeichnung als „Bogenschütze von Rheinbach“. Dass die Originale in Rheinbach dauerhaft ausgestellt werden – egal wo – ist allerdings derzeit ausgeschlossen. Sie sind unterdessen Bestandteil der Dauerausstellung im LVR-Landesmuseum in Bonn. Auf dem Wolbersacker fanden sich zudem Spuren einer großen Siedlung mit bis zu 50 Häusern, die ältesten Funde stammten aus der Zeit zwischen 5300 und 5000 Jahren vor Christi Geburt.

„Rheinbach hat durch die Funde im Wolbersacker eine kulturgeschichtliche Verantwortung wahrzunehmen und gleichzeitig die einmalige Chance, sein touristisches Profil zu erweitern und prähistorische Geschichte erlebbar zu machen“, hieß es daher im Antrag von 2022. Geprüft werden sollten zwei Standorte für ein Museum oder Info-Zentrum: das Jugendheim der Grundschule Bachstraße an der Rheinbacher Burg, die frei werden könnten, wenn die OGS neue Räume bekäme, und die ehemalige Albert-Schweitzer-Schule, in die dann auch das Archiv umziehen könnte. Beiden Vorschlägen erteilt die Verwaltung jetzt eine Absage.

Grundsätzlich sinnvolle Idee

Über eine weitere Nutzung des Jugendheims sei im Konzept für die räumliche Entwicklung der Grundschule zwar noch nichts definiert. Es gebe aber seitens der Schule Wünsche, wie diese Räume genutzt werden sollten. Die Idee, die Wolbersacker-Funde im Rahmen der Archiv-Tätigkeit zu präsentieren, vielleicht im Sinne eines „Haus der Stadtgeschichte“, erscheine der Verwaltung dagegen grundsätzlich sinnvoll. Allerdings müssten dafür genutzte Räume barrierefrei zugänglich sowie unterschiedlich klimatisiert werden. Das Gebäude der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule komme dafür nicht infrage. Der Antrag von Grünen und CDU umfasste auch die Prüfung von Fördermöglichkeiten beispielsweise über die NRW-Stiftung. Die sei, so die Sitzungsvorlage, für Kommunen nicht möglich.

Fraktionen sehen noch Redebedarf

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Nils Lenke ist damit nicht zufrieden. „Dafür, dass sie anderthalb Jahre daran gearbeitet haben, ist das wenig“, meint er. Es gehe ja darum, noch Ideen zu entwickeln. Vor der Ausschusssitzung werden die Fraktion noch einmal darüber sprechen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Projekt beerdigt“, so Lenke.

Joachim Schneider, Fraktionsvorsitzender der CDU, hat eine schriftliche Stellungnahme an den GA geschickt. Darin bedauert die Fraktion die „grundweg ablehnende Stellungnahme der Stadtverwaltung“. Unter anderem heißt es: „Die Verwaltung verkennt aus Sicht der CDU komplett die historische Bedeutung der archäologischen Funde und die Möglichkeiten für die Stadt Rheinbach und die ganze Region.“

Die Sitzung des Ausschusses für Standortförderung und Feuerwehr ist am Donnerstag, 29. Februar, im Ratsaal im Glasmuseum, Himmeroder Hof. Beginn ist um 18 Uhr. Über den Antrag wird im öffentlichen Teil gesprochen.

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