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Wie haben Menschen in Rheinbach Ostern gefeiert?

Ostern in Corona-Zeiten : Eiersuche im engsten Kreis

Wie haben die Menschen das zweite Osterfest unter Corona-Bedingungen verbracht? Der General-Anzeiger hat Spaziergänger im Rheinbacher Stadtwald gefragt.

Es war das zweite Osterfest in Zeiten der Corona-Pandemie. Manche Ostertraditionen, wie der Spaziergang in der Natur, sind geblieben. Andere wurden auch von den Menschen in der Region vermisst. Vor allem fehlte an diesen Feiertagen vielen die Gemeinschaft. Einige Osterspaziergänger waren am Sonntagmittag rund um die Rheinbacher Waldkappelle unterwegs.

„Man macht das Beste daraus“, fasste dort Florian Lamm sein Osterfest zusammen. Für ihn gehört zu den Ostertagen ein Besuch am Grab der Großeltern. Der war immerhin auch dieses Jahr möglich. Doch eine Feier habe es nur im kleinen Kreis gegeben. „Es fehlt die ganz große Familienzusammenkunft“, bedauerte der Swisttaler, der gerne Verwandte aus Hamburg gesehen hätte.

Wenige Plätze für Gottesdienste

Auch Familie Peters aus Rheinbach berichtete von einem Osterfest „im engsten Kreis“, natürlich mit Eiersuche und dem traditionellen Spaziergang. In anderen Jahren gehörte auch ein Kirchenbesuch dazu. „Es gab zu Ostern immer ein Konzert in der Kirche vor der Osternachtsfeier“, erinnerten sie sich. Beides fehle ihnen, „und, dass die ganze Familie zusammen ist“.

Nach dem Rundgang durch den Wald stand immerhin der Besuch des Großvaters an. Dieser hat bereits beide Corona-Impfungen bekommen und darf daher aus dem Seniorenheim zu einer kleinen Feier abgeholt werden. „Eine große Erleichterung“, so die Familie.

 Ostern ohne Großeltern: (von links) Stefan und Christiane Proff aus Meckenheim mit den Kindern Nele und Niklas.
Ostern ohne Großeltern: (von links) Stefan und Christiane Proff aus Meckenheim mit den Kindern Nele und Niklas. Foto: Axel Vogel

Generell waren wenig Kirchenbesuche möglich. Auch das bedauerten andere Wanderer an diesem Ostersonntag. „Die Gottesdienste waren früh ausgebucht“, berichtete Anna Hoch, die mit ihrem Mann Hermann Hoch aus Pulheim angereist war, um eine Runde um die Tomburg zu wandern. Doch selbst wenn ein Platz gefunden worden wäre, seien Gottesdienste derzeit nicht wie früher. „Mit nur ein paar Menschen in der Kirche fehlt die Atmosphäre“, meinte Anna Hoch. Sie beschränkten sich daher auf die Wanderung, zu der sie sich mit ihrer Schwägerin Maria Zimmer getroffen hatten. Ohne Familientreffen und Kirche scheint es gar kein Fest zu sein. „Wir feiern gar kein Ostern“, so Hermann Hoch über dieses Jahr.

„Ostergeschenk“ für den Großvater

Ganz so weit ging es bei Familie Proff aus Meckenheim nicht, sie verbrachten die Tage zu viert. Und dieses Mal eben mit einer kleinen Wanderung durch den Rheinbacher Wald. Ans Spazierengehen habe er sich im Homeoffice ohnehin gewöhnt, erzählte Stefan Proff. Für eine Eiersuche seien die Kinder Nele und Niklas Proff aber zu alt. Und auf den traditionellen Besuch der Osternachtsfeier habe die Familie verzichtet. Ebenfalls anders in diesem Jahr: Bei der Kaffeerunde hätten in anderen Jahren die Großeltern mit am Tisch gesessen. Für die gebe es aber ein „Ostergeschenk“, der Großvater habe einen Impftermin.

Keine Familie, keine Freunde: Immer wieder nennen die Spaziergänger diese als größten Unterschied zu den üblichen Osterfesten. Und selbst wenn: Wie gemütlich seien Treffen, bei denen man ständig auf den Mindestabstand achten und immer daran denken müsse, dass ein Fenster offen sei, meinte Thea Plinta. „Wir besuchen keine Familie“, sagte sie bedauernd vor dem Aufbruch zu einer Tour rund um Wormersdorf. Nur auf ein gutes Essen mochte sie mit ihrem Partner Christoph Plinta nicht verzichten: Ente.

Gottesdienst an der Waldkapelle

Während das Paar auf eine von einer Wander-Smartphone-App geführten Route in den Wald aufbrach, kamen an der Kapelle einige Eltern mit Kindern an. Sie hatten Instrumente und Klappstühle dabei. Für die Band „S.MarTeens“ stand ein ungewöhnlicher Auftritt an: Die Jugendband der Gemeinde St. Martin gestaltete den Familiengottesdienst an der Waldkappelle mit. In kleinerer Besetzung und wie eine Begleiterin betonte: „Ganz ohne Probe.“ Gemeinsames Musizieren war vorher nicht möglich. Jeder hatte seine Noten nach Hause bekommen, um sich alleine vorzubereiten.

Während des Aufbaus berichtete eine Mutter vom Osterfest bei ihnen: vom privaten Osterfeuer im Garten und einem Stationenweg, den die Katholische junge Gemeinde ausgearbeitet hatte.

Statt Osternacht nun der Freiluftgottesdienst. Die Besucher standen familienweise zusammen, Steine am Boden markierten die Abstände. Auch dort war alles anders, während die ersten Übungstöne die Wanderer im Wald aufhorchen ließen.

Kontakte fehlen

Hündchen Idefix, das gerade mit Georg und Ute Hoffmann aus dem Auto stieg, störte das allerdings nicht. Ein Spaziergang sei für sie alle nichts Besonderes, bemerkte Ute Hoffmann mit Blick auf den Hund. Sie gingen ja oft spazieren. Doch die Kontakte zu anderen Menschen fehlten ihnen nicht nur über das Osterfest.

Dieses habe man sich daheim so schön wie möglich gemacht, erzählte das Paar. „Wir haben Osternester gestaltet mit Hasen und vielen bunten Eiern“, so Georg Hoffmann. Und die passende Dekoration stehe ebenfalls, inklusive einer Hasenfigur neben der Haustür und Osterschmuck innen. Denn auch das gehöre zum Osterfest.