Fachkräftemangel Warum Rheinbacher Unternehmer Azubi-Marketing lernen sollten

Rheinbach · Den Fachkräftemangel bemerken auch kleine und mittelständische Unternehmen in Rheinbach. Ideal wäre, künftige Mitarbeiter schon als Auszubildende aus der Region in die Betriebe zu bekommen. Doch dazu sind neue Wege gefragt, die die Wirtschaftsförderung aufzeigen möchte.

Joachim Rasch und Ann-Kathrin Schäfer von der Rheinbacher Wirtschaftsförderung (Wfeg) planen Veranstaltungen, die Unternehmen bei der Suche nach Auszubildenden helfen sollen.

Joachim Rasch und Ann-Kathrin Schäfer von der Rheinbacher Wirtschaftsförderung (Wfeg) planen Veranstaltungen, die Unternehmen bei der Suche nach Auszubildenden helfen sollen.

Foto: Juliane Hornstein

Auf der einen Seite: Jugendliche, die den Job fürs Leben suchen. Auf der anderen Seite: Unternehmen, die dringend Fachkräfte benötigen. Was perfekt zusammenpassen sollte, findet aber nicht immer auch zueinander. Die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach (Wfeg) möchte da nachhelfen. Unter anderem lädt sie zum Workshop in „Azubi-Marketing“, damit kleine und mittlere Unternehmen im „Kampf um Talente“ mithalten können.

Bestehen gegen die „Big Player“

Man habe eigens die Expertin Felicia Ulrich engagiert, beschreibt Wfeg-Mitarbeiterin Ann-Kathrin Schäfer das Angebot in einem Gespräch mit dem GA vorab. Die Veranstaltung am 18. April verspricht „praxisnahe Tipps und Insights“, so die Werbung der Wfeg, um gegen „Big Player“ bestehen zu können. Was dahinter steckt: Gerade wenn es um die Suche nach Auszubildenden geht, haben große Unternehmen oft mehr Erfolg. Unter anderem eben, weil sie „Azubi-Marketing“, die gezielte Werbung, schon länger auf dem Schirm haben. „Die haben auch die Leute dafür“, ordnet Wfeg-Geschäftführer Joachim Rasch ein. Bei kleineren Betrieben, bei denen Inhaber neben dem Tagesgeschäft hin und wieder Bewerbungen bearbeiten, fehlt dann Wissen, nicht unbedingt das Engagement. Zum Beispiel darüber, wie ein guter Stand auf einer Ausbildungsmesse funktioniert: mit etwas, das die Besucher anfassen oder ausprobieren können. Oder wie über unterschiedliche Kanäle der sozialen Medien Jugendliche angesprochen werden. „Wenn man seit 30 Jahren im Job ist, bekommt man das nicht unbedingt mit“, so Schäfer.

Wissen über Generationsunterschiede fehlt

 Alles passt perfekt: Das sollte auch zwischen Auszubildenden und Betrieb gelten. Hilfen dazu gibt es nun von der Rheinbacher Wirtschaftsförderung.

Alles passt perfekt: Das sollte auch zwischen Auszubildenden und Betrieb gelten. Hilfen dazu gibt es nun von der Rheinbacher Wirtschaftsförderung.

Foto: dpa/Felix Kästle

Denn: Ein Betrieb müsse heute etwas bieten und herausstechen, beschreibt es Rasch. Eben sich um oder bei potenziellen Mitarbeitenden bewerben. Am besten aus der Region, denn in Konkurrenz mit größeren Städten fällt es Rheinbach schwerer, Externe anzulocken.

Liegt das auch an den Klischees über die Generationen: Verwöhnte Jugendliche treffen alteingesessene Chefs? Hier dementieren die Wirtschaftsförderer. Es fehle allenfalls an Wissen über die Generationsunterschiede. Und auch da soll die Veranstaltung zum Azubi-Marketing weiterhelfen.

„Die Wfeg möchte Jugendlichen den Standort Rheinbach schmackhaft machen“, sagt Rasch klar. Schließlich ist auch das Wirtschaftsförderung, vor allem wenn aus Jugendlichen Erwachsene werden, die in Rheinbach weiterhin ihren Lebensmittelpunkt haben.

Angebote kommen bei Jugendlichen nicht an

Als Ansatzpunkte sieht die Wfeg: Schulen und lokale Unternehmen sollen enger vernetzt sein. Zwar gebe es zahlreiche Angebote rund um mögliche Ausbildungen wie die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ aber: „Bei den Jugendlichen kommt das meist nicht an“, ist Raschs Erfahrung. Daher möchte man „im Schulalltag auf die Vielfalt der Arbeitswelt hinweisen“, wie Schäfer es beschreibt. Darauf, dass man gar nicht unbedingt Abitur braucht, um zu studieren, sondern das teils auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung darf. Und vor allem darauf, wie weit gestreut schon in Rheinbach die Berufsfelder sind.

Diese Vielfalt vor Ort sei vielen jungen Menschen in der Berufswahl nicht bewusst. Dabei habe die Ausbildung gerade in kleinen Betrieben auch Vorteile wie eine persönlichere Betreuung. Und: „Auch in kleinen Unternehmen kann man genug Geld verdienen“, so Rasch. Die Auftragsbücher seien teils über Jahre voll. Was auch gute Übernahme-Chancen biete: „Der Betrieb möchte nicht, dass ein Auszubildender nach drei Jahren geht.“ „Es herrscht Mitarbeitermangel“, ergänzt Schäfer. Auch in Rheinbach würden die Unternehmen das mitteilen. Und die Zukunft könne sogar noch mehr bringen: „Der Fachkräftemangel ist erst am Anfang.“

Ausbildungsmesse und Vernetzung

Dafür müssen halt nur die zusammenkommen, die zusammengehören. „Praxiseinblicke in Rheinbach! Gemeinsam Miteinander Lernern“ ist daher eine weitere Initiative auf der Agenda der Wirtschaftsförderung. Am 7. Mai sollen dabei Betriebe und Bildungseinrichtungen vernetzt werden.

Im Idealfall sehen sich dann alle gut vorbereitet bei der Rheinbacher Ausbildungsmesse am 21. September. Mit mehr als 100 Ausstellern und 3000 Besuchern sei es eine der größten Karrieremessen in der Region Bonn/Rhein-Sieg, so die Wfeg. Was sich aber noch herumsprechen muss. In der Vergangenheit kollidierte dieser Termin schon mit anderen Veranstaltungen der Schulen, was Jugendlichen den Besuch erschwerte. Es kann also noch einiges verbessert werden – bei Unternehmen und potentiellen Auszubildenden.