Lustige Anekdoten und rheinische Mundart Wo in Swisttal ein Geister-Schäfer sein Unwesen treiben soll

Swisttal-Morenhoven · Beim „Dörpsverzäll“ sorgte der Verein „Lück für os Heematsproch“ vor vollem Haus im Dorfsaal in Morenhoven für gute Stimmung und reichlich Kopfzerbrechen zu rheinischen Redewendungen. Doch auch über Geistergeschichten und Hexensagen aus Swisttal wurde gesprochen.

Laut Ortsüberlieferungen soll es auf dem Waldweg zwischen Miel und Morenhoven spuken. Ein einst im Sumpf verunglückter Schäfer treibe dort mit seiner Herde sein Unwesen.

Laut Ortsüberlieferungen soll es auf dem Waldweg zwischen Miel und Morenhoven spuken. Ein einst im Sumpf verunglückter Schäfer treibe dort mit seiner Herde sein Unwesen.

Foto: Wolfgang Henry

Lange Zeit sah es danach aus, dass die rheinische Mundart aussterben würde. Doch mittlerweile ist Platt wieder im Kommen, was auch mit engagierten Dialektsprechern wie dem Verein „Lück für os Heematsproch“ zu tun hat. Neben Informationsveranstaltungen setzt der Verein auf lockere, gesellige Treffen, wo gebürtige Rheinländer und Zugezogene gepflegt Rheinisch „schwätze“ und „kalle“ können – dem Dörpsverzäll. Das jüngste Treffen fand im Dorfsaal in Morenhoven statt und überraschte selbst die Veranstalter mit regem Zulauf, der die Kapazitäten der Räumlichkeiten zu sprengen drohte.

Dank der Werbung und guter Kritiken der vorausgegangenen Treffen war es eben auch „Muurehovve“ nicht verborgen geblieben, dass es beim Dörpsverzäll neben Wissenswertem um das Rheinische ebenso witzige Anekdoten und gute Musik geben würde. Diese Erwartungen wurden mehr als erfüllt: Während Ortsvorsteher Norbert Sauren den Wirt gab, sorgte das Trio „Nohbere 3.0“ mit Udo Ellmer, Jörg Kaster und Manfred Huth immer wieder für musikalische Unterhaltung zum Mitsingen.

 Die Band „Nobhere 3.0“ mit Jörg Kaster, Udo Elmer und Manfred Huth spielte rheinische Lieder.

Die Band „Nobhere 3.0“ mit Jörg Kaster, Udo Elmer und Manfred Huth spielte rheinische Lieder.

Foto: Chantal Dötsch

Kopfzerbrechen beim Redensartquiz

Während Klassiker wie – passend zur Kulisse – „Drink doch ene mit“ von den Bläck Fööss nicht fehlen durften, zeigte das Trio auch bei selbstkomponierten und umgeschriebenen Liedern nicht nur Songwriter-Qualitäten, sondern auch den typisch Rheinischen Humor. So wurde aus dem Folkklassiker „The Star of the County Down“ ganz einfach „Dä Star vum Vürjebirsch“, wo „dat Schmitze Marie“ allen Männern zwischen Eifel und Rhein den Kopf verdreht.

Für das ein oder andere Kopfzerbrechen sorgte allerdings auch Moderator Jörg Manhold mit seinem Redensartenquiz. Während das berüchtigte „Tschöö mit ö“ oder auch Ausdrücke des Missfallens wie „Wat ene Driss“ durchaus bekannt waren, ist die Bezeichnung „Hennesjetheater mache“ für „sich nicht so anstellen“ weniger geläufig. Ebenso im Standarddeutschen unbekannt ist die Redewendung „nobere jonn" - zum Nachbarn auf ein Schwätzchen und gern auch ein Bier vorbeischauen.

Auch ungewöhnliche Wörter und Bezeichnungen aus Morenhoven kamen zur Sprache. So scheint es in Swisttal zwischen den Dörfern keine Einigkeit zu geben, wie denn nun die Stachelbeere heißt. In Muurehovve ist es jedenfalls die „Knurschel“ und wer im Herbst gerne seinen Drachen steigen lässt, greift zum „Pattefuul“. Trotzdem ist das Rheinische durchaus immer noch in der Alltagssprache verwurzelt, wie ein Besucher in Bezug auf die Grillstation bemerkte: „Dat schmeck wie zo Kölle“, so sein Lob. Übersetzt: Das Essen kann es mit den exklusiven Speisen der Rheinmetropole aufnehmen.

Gruselgeschichten aus Swisttal

Allerdings gab es nicht nur Grund zum Lachen. Moderator Manhold lehrte das Publikum auch mit historischen Anekdoten und Sagen das Fürchten, denn Morenhoven hat offensichtlich die ein oder andere schaurige Leiche im Keller: So erzählen Ortsüberlieferungen, dass es auf dem Waldweg zwischen Miel und Morenhoven spuken soll. Ein einst im Sumpf verunglückter Schäfer treibe dort mit seiner Herde sein Unwesen. Ihm leisten angeblich auch Feuermänner, Irrlichter und Hexen Gesellschaft, denn Morenhoven war wohl einst auch bei magischen Wesen begehrt.

Eine Hexe soll einst alle Kühe der Morenhovener verzaubert haben, sodass diese rote Milch gaben. Damit sei erst Schluss gewesen, als die Ollheimer die Hexe verjagen konnten. Wie die zu der Geschichte stehen, kann sich sicher bald klären, denn der Dörpsverzäll in Muurehovve war lange nicht der Letzte, was auch Ortsvorsteher Sauren freut: „Brauchtum ist nicht nur einmal in der Session Karnevalslieder singen, sondern auch ein Lebensgefühl“, hielt er fest.