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Durchfahrtverbot für Lkw: Wormersdorf wehrt sich gegen den Verkehr

Durchfahrtverbot für Lkw : Wormersdorf wehrt sich gegen den Verkehr

Bei Staus auf der A 61 schlängeln sich Autos und Lkw unablässig durch den kleinen Voreifelort Wormersdorf. Die Polizei sagt, ihr fehle das Personal, um das Durchfahrtverbot für Laster zu kontrollieren.

Neue Zusatz-Schilder zum Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen sind derzeit das Einzige, was die Behörden gegen den lästigen Ausweichverkehr von der Autobahn 61 Richtung Wormersdorf tun können. Das wurde jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung: Umwelt, Planung und Verkehr des Rheinbacher Stadtparlaments klar. Statt „Anlieger frei“ steht dort bald: „Lieferverkehr frei“. Schon am Ende der Autobahnausfahrt sollen deutliche Schilder dem Schwerverkehr anzeigen, dass die Umleitung Nummer 80 Richtung Meckenheim führt und Wormersdorf gesperrt ist.

Der Leiter der Rheinbacher Polizeiwache Karl-Heinz Hennigs konnte dem Ausschuss aber wenig Hoffnung auf eine effektive Überwachung machen. Derzeit binden Wohnungseinbrüche in Wachtberg-Villip nach Worten von Hennigs viele Kräfte der Polizei. Das Grundsatzproblem bildet laut Hennigs die A 61 als meist frequentierte Nord-Süd-Achse für den Verkehr zwischen den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Luxemburg und Belgien. Die Großbaustellen hinter dem Kreuz Meckenheim behinderten den Verkehrsfluss ebenfalls. In Ferienzeiten werde die parallele A 3 sogar für Laster gesperrt.

Staus entstehen auf der A 61 meist nachmittags oder an Wochenenden. Dann aber ereignen sich auch die meisten Unfälle, was die Kräfte der Polizei zusätzlich beschäftigt, so der Beamte. Oft weicht der Verkehr schon ab Miel aus, in Oberdrees sei das Problem deshalb noch manifester. Die Reserven der Bonner Polizei reichten nicht aus, um das alles zu bewältigen. Ein „taktisches Problem“ kommt bei Kontrollen hinzu, so Hennigs. Leite man nämlich Lastwagen am Kreisel der B 266 Richtung L 471 zurück, „kommt der gesamte Verkehr Richtung Wormersdorf zum Erliegen“.

Ortsvorsteher beklagt Ohnmacht und aggressives Verhalten

Und wollten die Polizisten die Lkw-Fahrer auf die Vorschriften hinweisen, stünden sie meist vor Sprachproblemen. Die meisten kämen aus Weißrussland, Polen, Bulgarien oder Rumänien. 100 Euro Bußgeld und ein Punkt ein Flensburg schrecke deutsche Fahrer. Ausländer verstünden oft gar nichts mehr, zumal Flensburg für sie nicht zuständig sei.

Die SPD-Rätin Ute Krupp wies darauf hin, dass Navigationsgeräte Verkehrsvorschriften berücksichtigen. Doch viele Lkw-Fahrer folgten nur Schildern. Nils Lenke von den Grünen beklagte, dass Regeln ohne Überwachung nicht wirken. Hennigs bestätigte das. Nur durch „saftige Bußgelder“ lernten die Leute nachhaltig. Derzeit konzentriere sich die Polizei auf Geschwindigkeits- und Abstandsgebote sowie das Handyverbot am Steuer. Georg Wilmers (SPD) fragte, ob nicht eine Radarkamera-Attrappe schon abschrecke. Die Polizei NRW habe bereits viele Versuche gemacht. Selbst demonstrativ abgestellte Polizeiautos wirkten nicht, berichtete Hennigs.

Der Wormersdorfer Ortsvorsteher Klaus Jürgen Beer (CDU) fand es erschreckend, dass man „quasi ohnmächtig“ sei. Noch mehr Sorge bereite ihm das „zunehmend aggressive Verhalten“ vieler Verkehrsteilnehmer. Dazu trage der Zeitdruck bei, unter dem Fernfahrer stünden. Neben den Fahrern würden bei Verstößen auch Unternehmer angezeigt, sagte Hennigs auf eine Frage von Ute Seiffert-Schollmeyer (Grüne). Lenke beklagte, dass Städte und Dörfer zunehmend den Autos überlassen worden seien. Er fragte, wie man diese durch Zurückdrängen des Verkehrs wieder lebenswerter machen könnte.