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Rheinbacher Feuerwehrchef zieht Bilanz

Bilanz Feuerwehr Rheinbach : Klimawandel fordert die Feuerwehr

Nicht nur die Corona-Krise forderte die Rheinbacher Feuerwehr im vergangenen Jahr. Die Zahl der Einsätze stieg, auch wegen der vielen Unwetterschäden. Wehrleiter Laurenz Kreuser zieht Bilanz.

„Ein Jahr, an das wir uns noch nach Jahrzehnten erinnern werden“: Gleich der einleitende Satz von Laurenz Kreuser, Leiter der Rheinbacher Feuerwehr, anlässlich seines obligatorischen Jahresrückblicks stellte klar, dass 2020 kaum etwas so war wie sonst. Die Corona-Krise stellte auch den Alltag der Rheinbacher Feuerwehr vor ganz neue Herausforderungen – und das bei einer gestiegenen Zahl von Einsätzen. Zu den Widrigkeiten der Pandemie passte: Erstmals hielt Kreuser seinen Jahresrückblick nicht vor vielen Zuhörern in der Rheinbacher Stadthalle, sondern alleine digital per Videobotschaft.

Eigentlich hatte das Jahr mit guten Nachrichten für die Rheinbacher Wehr begonnen. Denn am 14. Februar bekam die Stadt offiziell die Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung, weiterhin auf eine rein freiwillige Feuerwehr setzen zu dürfen. In einer mittleren kreisangehörigen Stadt in NRW wie Rheinbach ist eine ständig besetzte Feuerwache mit hauptamtlichen Kräften zu leisten. Davon kann laut Kreuser abgewichen werden, wenn die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr auch mit rein freiwilligen, also ehrenamtlichen Kräften nachgewiesen werde. Diese Leistungsfähigkeit werde alle fünf Jahre durch die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde überprüft. Die Kommune spare sich durch eine solche Ausnahmegenehmigung viel Geld, weil entsprechende Personal- und Sachkosten entfallen.

Bis dahin hatte man laut Kreuser noch „kaum einen Gedanken an Corona verschwendet“. Doch das sollte sich Ende Februar grundlegend ändern. Die üblichen Unterrichtseinheiten und Lehrgänge zur Aus- und Fortbildung der Wehrleute liefen zwar wie geplant an, doch dann folgte abrupt die Zäsur: Der Lehrgang sowie alle Ausbildungen und Übungsdienste wurden abgesagt – wegen Corona.

Zudem sei es nun darum gegangen, so viele Kontakte wie möglich zu vermeiden, „um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden und die Ausbreitung des neuen Virus einzudämmen“, bringt es Kreuser auf den Punkt: „Anfangs gab es wenig belastbare Fakten.“ Viele Entscheidungen habe man auf Basis ungesicherter Informationen treffen müssen.

Schließlich sei im Frühjahr noch wenig über das Virus bekannt gewesen. Was trotzdem Maßgabe für die Feuerwehr blieb: „Unter allen Umständen galt es, die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten“, erklärte Rheinbachs Wehrleiter. Um das zu erreichen, habe man auf strikte Kontaktreduktion und „das Aussetzen aller vermeidbaren, realen Zusammenkünfte wie Übungsdienste und Besprechungen gesetzt“.

Dann passierte etwas, was es vorher in Rheinbach noch nicht gab, und was sich selbst Kreuser noch zwei Wochen vorher nicht hätte vorstellen können: „Es wurde eine Tagschicht auf der Feuerwache eingerichtet.“ Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte seien für diese Schichtdienste von ihrem Arbeitgeber freigestellt worden. Ab Mitte März seien tagsüber von Montag bis Samstag zwei Schichten mit je sieben Einsatzkräften im Wechsel im Feuerwehrhaus am Brucknerweg in Bereitschaft gewesen. „Dadurch konnten kleinere Einsätze, die wenig Personal zur Abarbeitung brauchen, von einer festen Mannschaft erledigt werden“, erklärt er. Hierdurch sei auch nochmals der Kontakt zwischen den Einsatzkräften reduziert worden.

„Da in Rheinbach die Einsatzfrequenz glücklicherweise nicht so hoch ist, dass ständig Einsätze gefahren werden, wurde durch die Tagschicht viel an zusätzlichen vorbereitenden Aufgaben in dieser Phase der Pandemie wahrgenommen“, führte Laurenz Kreuser aus. Neben den Maßnahmen zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft sei aber auch viel kreative Kraft freigeworden, „um die ganzen unschönen Effekte der Situation zu reduzieren“.

Als sich die Infektionszahlen zum Mai hin reduzierten, konnte der Schichtdienst aufgehoben werden, und auch der Feuerwehralltag entspannte sich leicht. Erste Übungsdienste fanden unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte statt, Lehrgänge konnten wieder geplant werden. Doch die Freude darüber währte nur bis Ende Sommer. Dann stiegen die Infektionszahlen wieder. Es folgte die logische Konsequenz: striktere Maßnahmen, nicht nur mit Blick auf den Ausbildungsbetrieb der aktiven Wehrleute. „Leider mussten auch wieder Präsenzunterrichte sowie Kinder- und Jugendgruppenstunden abgesagt werden“, so Kreuser. Zudem Brauchtumsveranstaltungen wie die von der Feuerwehr organisierten Martinszüge. Selbst die groß geplante Verabschiedung von Bürgermeister Stefan Raetz, mit dem die Feuerwehr ein über die Jahre gewachsenes, fast schon freundschaftliches Verhältnis verbindet, musste wegen der Pandemie entfallen.

Was für die Leistungsfähigkeit und Motivation der insgesamt 330 aktiven Wehrleute spricht: Trotz aller der Pandemie geschuldeten Widrigkeiten erledigte die Rheinbacher Wehr auch in dem Corona-Jahr ihr Alltagsgeschäft geräuschlos. Und dabei war die Zahl der Einsätze nochmals gestiegen: auf 353 im Jahr 2020, 23 mehr als noch ein Jahr zuvor. Was auffiel: Den Löwenanteil, nämlich 73, machten im vergangenen Jahr Unwettereinsätze aus – der Klimawandel lässt grüßen. Aber nach 2020 hat Rheinbachs Wehrleiter nun Gewissheit, „dass wir auch kritische Situationen gemeinsam meistern können“. Die Betonung legte er dabei auf „gemeinsam“.