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Spargel Ritter: Rechtsstreit um Porsche

Rechtsstreit nach Pleite in Bornheim : Alter Porsche von Ritter sorgt für Streit vor Gericht

Der Prozess um den Verkauf eines Sportwagens gibt Einblicke in die Autogeschäfte eines Bornheimer Landwirtes – auch wenn dieser gar nicht am Verfahren beteiligt ist.

Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den Landwirt Claus Ritter wegen mutmaßlich illegalen „Fahrzeugfinanzierungsgeschäften“. Ob es dabei auch um den folgenden Fall geht, ist unklar. Trotzdem wirft der Zivilprozess, der am Freitag am Landgericht Köln begann, ein Schlaglicht auf Ritters Machenschaften rund um teure Autos. In dem Prozess geht es nicht direkt um Ritter und dessen Bornheimer Erdbeer- und Spargelhof. Dieser steht seit März unter Insolvenzverwaltung.

Vielmehr beansprucht in dem Verfahren ein Unternehmen, das auf Leasing und Finanzierung von Luxusautos spezialisiert ist, das Eigentum an einem Porsche 964.

2016 hatte ein Zahnarzt den Porsche gekauft

Diesen hat ein Zahnarzt aus dem Rheinland 2016 für eine halbe Million Euro von Ritter gekauft. Laut dem Anwalt des Unternehmens, dessen Vorstandschef auch bei der Verhandlung anwesend war, sei Ritter allerdings gar nicht dazu berechtigt gewesen, das Auto zu verkaufen. Denn er sei zwar Besitzer, nicht aber der Eigentümer gewesen.

Der für den Verkauf eigentlich notwendige Fahrzeugbrief soll dementsprechend auch beim Unternehmen verblieben sein. Ritter soll nach GA-Informationen allerdings für den Porsche und weitere Autos neue Papiere beim Bonner Straßenverkehrsamt bekommen haben, indem er die alten als verloren meldete.

Die Stadt Bonn äußert  sich diesbezüglich nicht, verweist auf den Datenschutz. Ritter stritt eine Verwicklung in illegale Oldtimer-Geschäfte gegenüber dem GA zunächst ab. Auf weitere Nachfragen reagiert er nicht mehr.

Ritter soll bis zu 86 Oldtimer besessen haben

Der Fall mit dem Porsche sei so, „als ob der Mieter eine Wohnung verkauft und dann dem Eigentümer sagt: Pech gehabt“, sagte der Anwalt des Finanzdienstleisters vor Gericht. Merkwürdig sei zudem, dass der Zahnarzt das Auto in bar bezahlt habe. Insgesamt werde momentan nach insgesamt einem Dutzend verschwundener Autos gesucht, die Ritter finanziert habe. Deren Wert belaufe sich auf etwa 15 Millionen Euro – „konservativ geschätzt“. „In der Spitze“ sei Rittter Besitzer von 86 Oldtimern gewesen.

Damit der Zahnarzt den Porsche 964 – nach GA-Informationen Baujahr 1993 und damit übrigens noch kein Oldtimer – behalten darf, soll er nun nach dem Willen des Finanzdienstleisters 600 000 Euro zahlen.

Der Wert des Autos soll in den vergangenen Jahren stark gestiegen sein: Wie der Richter mitteilte, lag der Wert des Autos 2011, als die Leasingfirma es kaufte, noch bei 120 000 Euro. Der Zahnarzt, der nicht selbst zur Verhandlung erschien, sei seinem Anwalt zufolge bereit, 150 000 Euro für das Auto zu zahlen.

„Für 150 000 Euro werden wir es nicht machen“, betonte jedoch der Anwalt des Finanzdienstleisters vor Gericht. Der Zahnarzt müsse sich bewegen. Und weiter sagte er: „Es wäre besser, er wäre hier.“ Für einen etwaigen finanziellen Schaden, der dem Zahnarzt entstanden sein könnte, sieht sich die Leasingfirma nicht verantwortlich.

Finanzdienstleister ohne romantischen Gefühle

Man habe ihn nicht dazu gezwungen, Geschäfte mit Ritter zu machen. Sein Mandant, so der Anwalt des Finanzdienstleisters, könne kein Geld verteilen, sondern müsse an seine Aktionäre denken. „Wir sehen das unromantisch. Es muss wirtschaftlich stimmen“, sagte er.

Schließlich räumte der Richter dem Anwalt des Zahnarztes eine Frist bis Ende Juli ein, um die Forderungen mit seinem Mandanten zu besprechen. Der Finanzdienstleister wiederum hat danach zwei Wochen Zeit, um zu reagieren. Einen weiteren Verhandlungstermin setzte der Richter indes für Freitag, 4. September, an. Beginn ist um 9.15 Uhr in Saal 1835. Auch Claus Ritter könnte dann geladen werden.