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Naturdenkmal in Swisttal: 280 Jahre alter Baum in Heimerzheim verliert seine Krone

Naturdenkmal in Swisttal : 280 Jahre alter Baum in Heimerzheim verliert seine Krone

Nur der Stamm blieb übrig: Nach einem Unwetterschaden musste die Krone der 280 Jahre alten und 22 hohen Stieleiche am Heimerzheimer Blütenweg entfernt werden. Die Aktion an dem Naturdenkmal war nicht ungefährlich.

In 280 Jahren wird die große Stieleiche am Heimerzheim Blütenweg einiges erlebt haben. Sie hat den Anblick rund um ihren Stellplatz geprägt, überragte das Hotel Weidenbrück. Doch beim Unwetter am 12. August brach einer der drei Stämmlinge ab. Damit verlor die Restkrone ihre statische Sicherheit. In einer mehrstündigen Aktion musste jetzt eine Fachfirma die restlichen Kronenäste ebenfalls entfernen. Von dem ehemaligen Naturdenkmal blieb nur der Stamm übrig.

Die Arbeiten waren am Donnerstagvormittag weder zu übersehen noch zu überhören. Die Straße war für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt, Fachleute rückten mit schwerem Gerät an. An dicken Ketten eines Krans befestigte ein Mitarbeiter vom Korb einer Hebebühne aus gewaltige Äste. Jeder für sich könnte ein eigener Baum sein. Teilweise rund zehn Meter lang, zwischen 400 und 800 Kilo schwer schätzte sie Marc Mertens.

Der Inhaber eines Forstbetriebes unterstützte die Firma Arborcare aus Sankt Augustin bei dem Auftrag. Für ihn, der nur wenige Straßen entfernt in Heimerzheim wohnt, eine besondere Aufgabe. „Es ist schade, dass der Baum gekappt werden muss“, sagte er. „Aber auf der anderen Seite geht die Sicherheit vor.“ Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war er bei dem Einsatz dabei, als beim Unwetter der Stämmling abbrach. Dabei gab es zum Glück weder Verletzte noch einen großen Schaden.

Den Baum nun von seiner Krone zu trennen, war nicht ungefährlich. „Das muss man können“, so Mertens. Aber alle seien ein eingespieltes Team, rund fünfmal im Jahr kämen solche Fäll-Aktionen vor. Besonders riskant sei es für den Kollegen im Korb. Nicht umsonst dauere die Ausbildung zum Seilkletterer zwei Jahre. Auch die Kollegen am Boden müssten aufpassen, wenn die schweren Stücke über ihnen hängen. Laub und kleinere Ästchen kamen in einen Schredder, die dicken Holzstücke auf einen Laster. Das Holz, geschätzt 20 Festmeter, gehört dem Grundstückseigentümer. Willi Weidenbrück überlässt es einem Freund. Den emotionalen Wert könne er eh kaum beziffern. Der 70-jährige Weidenbrück erinnert sich daran, wie er als Kind schon unter der Eiche gespielt hat. „Das tut weh“, sagte er zum radikalen Schnitt. Zumal er 1976 mit initiiert hatte, dass der Baum geschützt wird.

Wegen Unwetterschäden musste die Krone eines 280 Jahre alten Baumes in Swisttal entfernt werden. Foto: Axel Vogel

Der Schutzstand des Baumes als Naturdenkmal ist auch der Grund, aus dem Hans-Gerd Steinheuer vom Amt für Umwelt- und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises vor Ort war. Die Entscheidung zur Oberkronen-Kappung sei dort nicht leicht gefallen, erklärt er. Immerhin war der imposante Baum 22 Meter hoch, hatte einen Kronendurchmesser von rund 20 Metern und war mindestens 280 Jahre alt.

Wie viele andere Naturdenkmäler hatte die Heimerzheimer Eiche einen Pilzbefall, der aber allein kein Problem gewesen sei. „Der Baum ist ein lebender Organismus. Der kann mit Pilzbefall jahrzehntelang leben“, so Steinheuer. Wichtig sei nur, dass die Holzzersetzung und die Kompensation durch neues Holzwachstum sich ausglichen. Die 68 Naturdenkmäler kontrolliere man daher mindestens zweimal im Jahr. Dass eines doch entfernt werden müsse, sei eher ein Einzelfall. Trockenheit und Klimanwandel könnten das aber noch ändern, so Steinheuer. Mertens beobachtet ebenfalls mehr Fällungen. Die Bäume seien durch die Trockenheit anfälliger geworden, vermutet er.

Jetzt traf es also die Nummer 53 der Naturdenkmalliste. Auch wenn ein Rest als Habitatbaum übrigbleibt, die Kriterien „besondere Schönheit und Eigenart“ wird er nicht mehr erfüllen. Die Eiche war das einzige Naturdenkmal in Swisttal im Verkehrsraum, andere markante und geschützte Bäume gibt es in den Wäldern.