Im Erdgeschoss des alten Pfarrhauses Archiv der Gemeinde Swisttal stößt an seine Kapazitätsgrenzen

SWISTTAL-LUDENDORF · Aus der Chronik der Familie Brauweiler gehen so kuriose Details hervor, wie zum Beispiel der Umstand, dass die Grenze zwischen Ludendorf und Essig einst genau durch das Anwesen der Familie verlief.

 Einblicke ins Gemeinde-Archiv: Hanna Albers inmitten der Akten.

Einblicke ins Gemeinde-Archiv: Hanna Albers inmitten der Akten.

Foto: Wolfgang Henry

Und die Pläne des Bildhauers Jakobus Linden von 1931 für das Kriegerdenkmal in Buschhoven, wo heute noch Kränze abgelegt werden, sind auch noch erhalten. Wenn Hanna Albers sich in historische Dokumente wie diese vertieft, verbinden sich Interesse und Beruf: Die Archivarin der Gemeinde Swisttal ist die Herrin über eine Fülle von Schriften und Bildern, genauer gesagt über 265 laufende Regalmeter Archivakten.

Und da liegt das Problem: Es bleiben ihr nur noch 85 freie Regalmeter, ehe sie vom unausweichlich nachrückenden Material erdrückt zu werden droht. Das Archiv der Gemeinde, das seit 2000 im Erdgeschoss des alten Pfarrhauses beheimatet ist, platzt aus allen Nähten - so, wie ehedem der Rathauskeller.

Zwar wird nicht jede Akte nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist für archivwürdig befunden, aber doch genügend, um die Kapazitätsgrenzen der von der Katholischen Kirche gemieteten Räumlichkeiten in absehbarer Zeit zu sprengen. "Wir prüfen derzeit hausintern zwei Lösungsmöglichkeiten: entweder die Umgestaltung des Rathaus-Kellers oder einen Anbau", sagt Gemeindesprecher Bernd Kreuer und fügt hinzu: "Wobei der Keller mit 445 laufenden Regalmetern Akten eigentlich schon belegt ist und sich außerdem klimatisch nicht für die langfristige Archivierung von Papier eignet."

Denn im Keller des Rathauses befindet sich bereits das Zwischenarchiv, also jene Akten, auf die die Sachbearbeiter noch Zugriff brauchen und die sich zumeist noch innerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist befinden. "Vieles davon dokumentiert die Geschichte der Gemeinde, wie etwa Sitzungsunterlagen zu Ratsbeschlüssen, sämtliche Bauverwaltungsunterlagen und Personalakten", erklärt Albers - womit impliziert ist, dass das Zwischenarchiv zum Großteil als archivwürdig einzustufen ist und es nicht viel "auszumisten" gibt, um dort Platz für neue Akten zu schaffen.

"Außerdem waren die Kellerräume des Ende der 50er Jahre errichteten Rathauses natürlich ursprünglich nicht für die Archivierung vorgesehen. Es ist dort generell zu feucht - von der Rohrbruchgefahr ganz abgesehen", verdeutlicht Kreuer, warum der Keller erst einmal saniert werden müsste. "Akten brauchen ein konstantes Klima von nicht über 18 Grad und nicht über 55 Prozent Luftfeuchtigkeit", sagt Albers und beschreibt damit die Bedingungen, die das Archiv im alten Pfarrhaus auch bietet.

In einer platzsparenden und leichtgängigen Rollregal-Anlage lagern hier all die wertvollen Dokumente, die auch viele Heimatvereine und Hobbyforscher regelmäßig einsehen: Protokollbücher der Gemeinde, Schul- und Familienchroniken sowie Fotos, etwa von Hühnern auf der noch unbefestigten Dorfstraße in Miel. Ein noch unerforschtes Kuriosum der Gemeinde ist die "Dokumentationslücke" der 30er und 40er Jahre: "In der Besatzungszeit sind viele Akten vernichtet worden. Von wem und warum ist allerdings unklar", sagt die Gemeindearchivarin.

Die Zukunft des Archivierens liege bei Sachbearbeitern, die die Vorgänge direkt in ein Datenmanagementsystem eingeben. "Der nächste Schritt ist erst einmal die Digitalisierung der alten Einwohnermeldedaten von Mikrofiches", so Kreuer. Und die Entscheidung, wo die vielen Originaldokumente künftig aufbewahrt werden sollen: "Unsere Prüfung der Möglichkeiten wird das Frühjahr hindurch andauern. Dann bringen wir unsere Ergebnisse in die Gremien", kündigt der Sprecher an.

Trotz der Platznot freut sich Hanna Albers immer über historische Dokumente. Familienchroniken können auch eingescannt werden. Kontakt: 02255/949881.