Staatsanwaltschaft erhebt Anklage Bei Überfällen auf Tankstellen 240.000 Euro erbeutet

Region · Die drei Tankstelleneinbrecher wurden nach abenteuerlicher Verfolgungsjagd im Juni 2023 auf der Ahrtalbrücke der A 61 gestellt. Jetzt erwartet sie der Prozess vor dem Bonner Landgericht.

 Bei ihrem Versuch, in die Shell-Tankstelle in Heimerzheim einzubrechen, wurden die Täter im Juni 2023 von der Polizei überrascht.

Bei ihrem Versuch, in die Shell-Tankstelle in Heimerzheim einzubrechen, wurden die Täter im Juni 2023 von der Polizei überrascht.

Foto: Hans-Peter Fuß

Es war nur ein Zufall, dass in der Nacht zum 10. Juni 2023 eine Polizeistreife routinemäßig an der Shell-Tankstelle in Heimerzheim vorbeikam – und ein optisches, also lautloses rotes Signal entdeckte. Durch den aus ihrer Sicht unliebsamen Besuch wurden vier maskierte Männer bei ihrer Einbruchsarbeit empfindlich gestört: Mit zwei getunten Audis suchten sie das Weite. Die Autos war so hochmotorisiert, dass die Polizeibeamten Mühe hatten, den Fluchtfahrzeugen zu folgen.

Auf dem Weg in Richtung Koblenz (Rheinland-Pfalz) jedoch kam es bald schon zur ländergrenzübergreifenden Fahndung. Über die A 61 zum Kreuz Koblenz, von dort auf die A 48 Richtung Frankfurt, dann auf die B 9 und wieder zurück auf die A 61 Richtung Norden jagten die Polizeifahrzeuge fast eine Stunde lang den Fluchtautos hinterher: Schließlich konnten sie auf der A 61 im Bereich der Ahrtalbrücke gestoppt werden. Drei Männer wurden festgenommen, einem vierten gelang es - bis heute erfolgreich - zu Fuß zu flüchten.

Sechs Einbrüche werden den Männern vorgeworfen

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat - wie Behördensprecher Sebastian Buß am Dienstag auf Anfrage bestätigte - die drei mutmaßlichen Blitzeinbrecher im Alter von 24, 30 und 35 Jahren wegen bandenmäßigen Einbruchsdiebstahls in sechs Fällen angeklagt. Demnach waren die drei Angeklagten zwischen Mitte Mai bis zur Festnahme am 10. Juni 2023 bundesweit unterwegs gewesen, hatten Tankstellen-Safes aus der Verankerung gelöst, sie mit Rollwagen abtransportiert und sie schließlich in aller Ruhe in einem abgelegenen Wald geknackt. Die Beute betrug nach fünf erfolgreichen Einbrüchen insgesamt 240 000 Euro.

Laut Anklage erbeuteten sie bei den Blitzeinbrüchen in einer Aral-Tankstelle in Sprockhövel 81.000 Euro Bargeld, in Erkrath 32.000 Euro, in Niederkassel 67.000 Euro, in Rostock 26.000 Euro und schließlich in der Aral-Tanke an der Dürener Straße in Köln 34.000 Euro, bis sie in der Tankstelle in Heimerzheim erst am gut gesicherten Verkaufsraum und schließlich am überraschenden Polizeibesuch scheiterten - und mit rasantem Aufwand verfolgt wurden. Wie das Polizeipräsidium Koblenz später mitteilte, musste nach den Festnahmen gegen 1.50 Uhr die A 61 in beiden Richtungen gesperrt werden, „um den gefahrlosen Abtransport der Täter sowie die Bergung der Tatfahrzeuge gewährleisten zu können“. Die Sperrung konnte gegen 4.15 Uhr aufgehoben werden.

In den Fluchtautos fanden die Ermittler Beweismaterial genug: Sie sicherten zahlreiche Tatwerkzeuge, auch den Rollwagen und Zigarettenstangen im Wert von 600 Euro. Die drei Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungshaft, sie sollen teilweise geständig sein. Über die Identität des vierten Mannes jedoch schweigen sie sich aus.

Der Prozess vor der 10. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts soll Ende Mai starten.

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