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Bürgerdialog nach der Flut in Odendorf

Bürgerdialog nach der Flut in Odendorf : „Die Kommunikation war eindeutig schlecht“

In der nächsten Episode des Bürgerdialogs nach der Hochwasser-Katastrophe muss sich Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner kritischen Fragen der Anwohner stellen. Vieles dreht sich erneut um den Hochwasserschutz.

Enorm groß war das Interesse der Odendorfer an ihrem ersten Bürgerdialog. Eingeladen in das Dietrich-Bonhoeffer-Haus hatte die Gemeinde speziell Anwohner der Straßen Orbachstraße, Frankenstraße, Odinstraße, In der Freiheit, Flamersheimer Straße, Essiger Straße, Robert Koch Straße und Dreeser Weg. Erklärtes Ziel der Gemeinde: Lösungen für die gemeinsame Gestaltung des Wiederaufbaus entwickeln.

“Swisttal ist verwundet. Auch die Menschen sind es”, sagte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner. Aber es keime Hoffnung. Vor allem in Anbetracht der 30 Milliarden Euro Aufbauhilfe, von denen in diesem Jahr noch 16 Milliarden ausgegeben werden sollen. Das Antragsverfahren sei zwar noch nicht ausgearbeitet, aber die NRW-Heimatministerin, Ina Scharrenbach, habe ein unkompliziertes Verfahren versprochen.

Kommunikationsprobleme und Falschmeldungen

So weit waren viele Anwohner allerdings noch nicht. Die meisten stecken noch in der akuten Bewältigung der Katastrophenfolgen. Manche haben ihre Wohnung verloren, andere wissen noch nicht, ob ihr Haus noch bewohnbar ist. Wiederum andere zweifeln, ob sie dort überhaupt wieder wohnen wollen, wo sie so Schreckliches erlebt haben und die Wiederholungsgefahr nicht gebannt ist.

Wie in der Einwohnerfragestunde der Ratssitzung und den Bürgerdialogen in Heimerzheim wollten viele ihrem Unverständnis über fehlende Kommunikation, die Abläufe in der Meldekette oder Zuständigkeiten für die Entsendung und Koordinierung von Einsatzkräften Luft machen. „Die Kommunikation war eindeutig schlecht, auch an den Tagen danach“, beklagte ein Anwohner der Flamersheimer Straße. Zudem habe es zusätzlich auch noch Falschmeldungen von offizieller Seite der Polizei gegeben, dass der Damm der Steinbachtalsperre gebrochen sei. Auch hätten viele Bürger von der Evakuierung nichts gewusst.

Anwohner thematisieren Warnungen

Das Auslösen der Warnsirene um 18.48 Uhr für Katastrophenalarm betrachteten einige Anwohner als „schlechten Witz“. Denn viele hätten zu diesem Zeitpunkt die Bedeutung nicht gekannt und nicht gewusst, wie sie sich verhalten sollten. Für andere war der Zeitpunkt der Warnung bereits zu spät. Wie eine Anwohnerin schilderte, sei schon um 18.30 Uhr in der Orbachstraße versucht worden, Menschenleben zu retten, was leider nicht gelungen sei, sie selbst sei durch Dritte aus dem Keller gerettet worden.

Aus Sicht einiger Bürger sei die Gemeinde „unsichtbar“ sowohl während als auch nach der Katastrophe gewesen. „Nach wie vor sind nur Private im Einsatz. Was hat der Stab der Gemeinde gemacht?“, wollten sie wissen. „Warum hat die Gemeinde nicht organisiert?“

Die Bürgermeisterin erläuterte, dass am Mittwochabend der Flut das Rathaus in Ludendorf wegen Stromausfalls habe aufgegeben werden müssen, der Stab dann zunächst nach Miel und schließlich zur Bundespolizei nach Heimerzheim ausgewichen sei. Mit Beamten der Bundespolizei sei sie dann nach Odendorf gekommen und habe unter anderem die Öffnung der Grundschule veranlasst. Auch sei sie selbst persönlich am Montag und Dienstag nach der Flut auf dem Zehnthofplatz gewesen. Die Straßen- und Kanalsituation sei durch Mitarbeiter der Gemeinde bereits am Tag nach der Flut überprüft worden.

Hochwasserschutz im Mittelpunkt

Bei der Wiederherstellung der Infrastruktur ging es vielen Bürgern um die Gasanschlüsse. Wie e-regio-Abteilungsleiter Daniel Ludwig erklärte, werde jeder, der in Odendorf einen Gasanschluss bestelle, auch einen bekommen. Dafür habe die e-regio schon Kontakt mit Unternehmen aus anderen Regionen aufgenommen. „Allerdings müssen wir ehrlich so sein, dass wir nicht den Zeitpunkt nennen können“, so Ludwig. Wenn Häuser nicht bewohnt seien und kein Gas verbraucht werde, ruhen die Abschlagszahlungen, wie er erläuterte. Die Bewohner sollten entsprechende Meldungen abgeben.

Ein brisantes Thema war erneut der Hochwasserschutz nahe dem Orbach und der Steinbachtalsperre. Dass die Talsperre künftig eine wichtige Rolle beim Hochwasserschutz erhalten müsse, betonte die Bürgermeisterin einmal mehr. Für den Orbach sei sie inzwischen „ein Fan“ des Vorschlags des Odendorfers Raimund Bayer, der einen Bypass ab Lappermühle vorgeschlagen hatte (GA berichtete). Etliche Bürger wiesen auf Engstellen im Bachlauf  oder „verschwundenes“ Bachbett hin. Diese Stellen sollen mit dem Erftverband analysiert werden. Auch das Thema Orbachauen-Konzept, das bereits aus 2009 stammt, soll angepackt werden.

In einem „Gesamtpaket“ wollen Gemeindeverwaltung und Politik ermitteln, wie alternative Bauflächen in Odendorf ausgewiesen werden können. Die Frage der Deckung der Kosten für den Abriss eines Hauses aus dem Wiederaufbaufonds im Falle eines wirtschaftlichen Totalschadens will die Gemeinde prüfen. Gemeinsam mit den Baulastträgern unter die Lupe genommen werden sollen auch die Wiederherstellung von Straßen, die Verkehrssicherheit und die Schulwegsicherheit.