1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Swisttal

Vor der Kommunalwahl: Das sind die Herausforderungen in Swisttal

Vor der Kommunalwahl : Das sind die Herausforderungen in Swisttal

Die Gemeinde Swisttal will mehr sein als Schlafstadt für Bonn. Dazu stehen in den kommenden Jahren Bauprojekte und Sanierungen an. Wie geht es weiter mit der Kommune?

Ihr Image als „Schlafkommune“ für Bundesbeamte will Swisttal abstreifen. Stattdessen will die ländliche Flächengemeinde mit ihren zehn Ortschaften und einigen Wohnweilern sich als attraktiver  Standort für Wohnen und Arbeiten positionieren. Mit letzterem Aspekt tut sich die Gemeinde schwerer. Aber das Wohnen in den Ortschaften ist attraktiv, wie die schnell „volllaufenden“ Neubaugebiete sowohl in den drei großen Orten Heimerzheim (6615 Einwohner), Odendorf (4173) und Buschhoven (3344) ebenso zeigen wie die in den kleineren Orten, etwa Morenhoven (1795 Einwohner). In der Kommunalpolitik ist die Ausweisung von Neubaugebieten nicht immer konsensfähig. Es wird kritisiert, dass sie über den Bedarf an Wohnraum hinausgehen und nicht genügend bezahlbarer Wohnraum in Mehrfamilienhäusern berücksichtigt wird.

Ist der Zuzug junger Familien und neuer Einwohner für die Gemeinde auch wertvoll, ergeben sich daraus zugleich Notwendigkeiten von Investitionen in die Infrastruktur, angefangen bei Erhöhung des Angebots an Kita-Plätzen über die Erweiterung und Modernisierung von Grundschulen und weiterführender Schule bis hin zur Nahversorgung, um Kaufkraft in der Gemeinde selbst zu binden. Durch neue Baugebiete, mehr Einwohner und verbesserte Nahversorgung entsteht aber auch eine höhere Verkehrsbelastung als weiterer Effekt. Gerade in dieser Hinsicht haben Kommunalpolitik und Verwaltung noch einige Aufgaben vor der Brust.

Am Ziel des Haushaltsausgleichs im Jahr 2023 halten indes alle Beteiligten fest. Und werden kreativ: Fördertöpfe werden wo immer möglich angezapft, um Projekte zu realisieren. Auch werden Ziele in vielen Fällen in gemeinsamen Arbeitskreisen unter Beteiligung aller Fraktionen vorbereitet, siehe Radwegekonzept und Spielplatzkonzept. Denn seit den letzten Kommunalwahlen verfügt keine Fraktion über die absolute Mehrheit.

Kitas: Im Juli 2019 war die Kita-Situation in Swisttal noch dramatisch, es fehlten rechnerisch rund 160 Kindergartenplätze für das Kindergartenjahr 2019/2020, 40 Eltern hatten mit einer Bedarfsanzeige einen Anspruch angemeldet. Zwischenzeitlich hat sich die Situation entspannt durch die Schaffung neuer Kita-Gruppen und Großtagespflegen. Ziel ist auch immer noch ein Waldkindergarten möglichst zum Kindergartenjahr 2021/2022. In Frage kämen Standorte in Dünstekoven, Heimerzheim oder Buschhoven.

Schulen, Sportstättenhallen und Dorfhäuser: Mehr Kinder bedeuten auch, dass Erweiterung und Modernisierung der Grundschulen in Buschhoven, Heimerzheim und Odendorf notwendig werden. Auf der Agenda steht auch der Aus- und Umbau der Georg-von-Boeselager-Schule in Heimerzheim im Zuge der Umwandlung von einer Sekundarschule in eine Gesamtschule bis zum Abitur zum Schuljahr 2021/22. Sanierungsbedarf haben Sportstätten wie die Dreifachhalle und das Schwimmbad in Heimerzheim. Für das in die Jahre gekommene Dorfhaus Odendorf ist ein Multifunktionsgebäude geplant für Grundschule und Dorfhaus.

ÖPNV und Individualverkehr: Das Umfeld des Bahnhofs am einzigen Bahnhaltepunkt Swisttals in Odendorf wurde und wird mit Fördermitteln modernisiert und umgestaltet. Als Erfolgsmodell hat sich der „Swisttaler Landhüpfer“ etabliert, der mit Kleinbussen die zehn Ortsteile miteinander verbindet. In Sachen Individualverkehr gibt es noch einiges zu tun. Insbesondere beklagt wird die Verkehrsbelastung in Heimerzheim, die sich durch die Neubaugebiete Am Burggraben und Nord-West weiter verschärfen könnte. Während das Gebiet Burggraben im Süden Heimerzheims liegt, befinden sich  die Märkte der Nahversorgung am entgegengesetzten Ende im Norden. Beklagt werden in Heimerzheim auch fehlende Parkmöglichkeiten.

Nahversorgung: Der Nahversorgungsstandort mit den Märkten am Metternicher Weg in Heimerzheim wird erweitert. Für Odendorf ist die Umsiedlung und Erweiterung des Edeka-Marktes ins Gewerbegebiet zu den Discountern vorgesehen. In Buschhoven gibt es einen Discount-Markt am Ortsrand, aber auch im Ortszentrum soll mit dem Umbau des gemeindeeigenen Dietkirchenhofs unter anderem eine Nahversorgung geschaffen werden.

Freizeit und Kultur: Starkes bürgerschaftliches Engagement prägt die Angebote Freizeit-, Sport- und Kulturvereine. Leuchtturm sind die renommierten Morenhovener Kabarett-Tage mit ihrem Kleinkunstpreis „Morenhovener Lupe“, der seit 30 Jahren vergeben wird. Ehrenamtlich angestoßen und initiiert, haben sich die Open-Air-Picknick-Konzerte in Kooperation mit der Gemeinde fest etabliert. Ein Netz aus Wirtschaftswegen entlang der Swist und durch die Felder oder Waldwege im Kottenforst sind attraktive Gelegenheiten zu Spaziergängen, Wanderungen, Radtouren oder Reitausflügen.