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Kinder müssen im Dunkeln radeln: Debatte um Licht an Radweg in Swisttal

Kinder müssen im Dunkeln radeln : Debatte um Licht an Radweg in Swisttal

Der SV Swisttal engagiert sich für mehr Lampen. Der Schutz der Tiere steht den Plänen allerdings entgegen. Denn der Wald neben dem Radweg ist FFH-Schutzgebiet und Licht könnte Tiere stören.

Seit September 2015 haben Buschhoven und Morenhoven eine gemeinsame Multisportanlage, die von den beiden Sportvereinen SV Swisttal und Hertha Buschhoven genutzt wird. Der Radweg, der die Sportanlage in Buschhoven mit Morenhoven verbindet, ist eigentlich vorbildlich: Die Autos sind durch einen Graben sowie eine Bepflanzung getrennt und Radfahrer in beide Richtungen können sich auf dem breiten Weg begegnen.

Doch auf dem Radweg, der nur auf einer Teilstrecke beleuchtet ist und der am Wald entlangführt, sind viele Kinder und Jugendliche unterwegs. Auf der 950 Meter langen Strecke zwischen Morenhoven und der Abzweigung zum Sportplatz wurde keine Beleuchtung installiert. Auf der Zufahrt zur Multisportanlage und nach Buschhoven ist Wegebeleuchtung vorhanden. Auch am Ortseingang Morenhoven/Breslauer Straße sind zwei Straßenlaternen neben der Haltestelle „Siedlung“ ganzjährig in Betrieb.

Insgesamt wohnen rund 150 der Vereinsmitglieder im benachbarten Morenhoven, einer von ihnen ist Martin Ließem, Vorstandsmitglied im SV. „Besonders durch die hohe Bepflanzung sehen die Autos die Radfahrer nicht und fahren weiter mit Fernlicht. Das blendet extrem und ist wirklich gefährlich.“

Bereits vor drei Jahren wandte sich deshalb der SV an die Gemeinde und bat um eine weitere Beleuchtung. Der Weg entlang der Landstraße 493 sollte für rund 50 000 Euro mit weiteren Lampen ausgestattet werden. Die Gelder wurden bereits vor Baubeginn der Sportanlage genehmigt, liegen jedoch bei der Gemeinde und wurden bisher nicht freigegeben. Der Grund dafür ist, dass der Radweg in seinem Kurvenbereich auf einer Länge von 500 Metern an das FFH-Gebiet Waldville grenzt, welches nach dem Landschaftsplan des Rhein-Sieg-Kreises unter Schutz gestellt ist. Weiter liegt auf der anderen Seite ebenfalls ein Wald, der Landschaftsschutzgebiet ist.

Untere Landschaftsbehörde lehnte Vorhaben in erster Instanz ab

„Die Naturschutzrichtlinie kann aufgehoben werden, sofern ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht, das ebenfalls sozialer und wirtschaftlicher Art ist“, teilte die Verwaltung mit Bezug auf das Bundesnaturschutzgesetz dem SV mit. Die Sportvereine SV Hertha Buschhoven und SV Swisttal wurden aufgefordert, Informationen zu alternativen Trainingszeiten und Anbindung an den Nahverkehr darzulegen.

Die Untere Landschaftsbehörde hatte das Vorhaben zwar in erster Instanz abgelehnt, nahm jedoch Stellung zu dem Kompromiss, die Beleuchtung nur während der Dämmerung bis 20 oder 22 Uhr – je nach Jahreszeit – einzuschalten. Das solle die Auswirkungen auf die Fauna in angrenzenden Schutzgebieten minimieren. Als Argument nennt der SV, dass ein Forstwirtschaftsweg mit Zufahrt zur L 493 den Radweg kreuzt. Außerdem hätten die beiden Ortsteile insgesamt rund 5000 Einwohner, die zum Einkaufen und zum Arbeiten die Strecke zum Pendeln nutzen.

Martin Ließem ärgert, dass sich die Korrespondenz seit Jahren zieht und nicht viel kommuniziert wird: „Wir dachten, dass die Beleuchtung weitergeführt wird, irgendwann wurde aber einfach gestoppt“, erzählt er. Auch sein 15-jähriger Sohn spiele im SV und müsse die Strecke regelmäßig zurücklegen. Mit einer Unterschriftenaktion wandte sich der 52-Jährige nun an die Bewohner beider Orte.

Kinder müssen eine Stunde auf den nächsten Bus warten

Innerhalb von zwei Tagen beantworteten 688 Teilnehmer die Frage „Würden Sie den Weg häufiger nutzen, wenn dieser in der Dunkelheit beleuchtet wäre?“ mit Ja. In den zwei Vereinen spielen mehrere Hunderte Jugendliche, die größtenteils in Buschhoven und Morenhoven wohnen. „Selbst wenn die Trainingszeiten mit den Busfahrzeiten übereinstimmen würden – was sie größtenteils nicht tun – der eine Bus hat 17 Plätze und könnte nicht einmal alle Kinder auf einmal transportieren“, so Ließem. Außerdem wäre die Taktung so, dass die Kinder eine Stunde auf den nächsten Bus warten müssten.

„Vielen Eltern ist das zu gefährlich und sie holen ihre Kinder mit dem Auto. Das ist doch nicht sinnvoll, wenn es wirklich um die Umwelt geht“, findet Ließem. Das sieht auch Ralf Gnadt aus Morenhoven so. Er unterzeichnete die Unterschriftensammlung mit den Worten: „Es gibt so viele Kinder und es wird früh dunkel, wir brauchen dringend eine Beleuchtung.“

Die Unterschriften liegen der Gemeinde bereits mit weiteren Informationen der Sportvereine seit Mitte Oktober vor. Diese äußerte sich folgendermaßen: „Die Antwortschreiben der Vereine werden nach Eingang bei der Verwaltung analysiert. Über das Ergebnis der Analyse wird der Bauausschuss in einer seiner Sitzungen informiert.“ Die nächste Sitzung findet am 26. November statt. „Sofern das Interesse überwiegend zugunsten einer Beleuchtung darstellbar ist, wird es dem Rhein-Sieg-Kreis zur Prüfung vorgelegt“ informiert die Pressestelle der Gemeinde. Aktuell behelfen sich zumindest die Fußgänger: „Wenn ich hier mit dem Hund unterwegs bin, nehme ich eine Taschenlampe mit“, berichtet Anwohner Andreas Foitzik.