Heimerzheimer Arbeitskreis Heimat Dia-Vortrag "En de Schmerjass"

SWISTTAL-HEIMERZHEIM · Die "Schmergasse" war einmal Alt- Heimerzheim schlechthin. Dort schlug der Puls des Dorfes. Sie war das Zentrum der einfachen Leute und stellte sich von 1800 bis 1945 in einer fast unveränderten Weise dar. Sie ist nun Thema eines Dia-Vortrags, zu dem der Arbeitskreis Heimat für Mittwoch, 20. März, um 19.30 Uhr ins katholische Pfarrheim einlädt. Georg Schmidberger wird referieren.

 Brückenstraße im Winter 1956: Der kürzlich verstorbene Willi Schmidberger.

Brückenstraße im Winter 1956: Der kürzlich verstorbene Willi Schmidberger.

Foto: GA

In der engen Gasse reihten sich rund 25 kleine Fachwerkhäuser aneinander wie Perlen an einer Schnur. Entsprechend viele Anwohner lebten auf engem Raume zusammen. Einfache Kleinbauern mit ein paar Stück Vieh, einem kleinen Garten "on enem Stall voll Pänz" lebten dort, und mit etwas Glück hatten die Männer eine einträgliche Arbeit im "Klüttenwerk" (Kohlenwerk) in Brühl.

Die Straße Zum Belderbusch wurde etwa um 1930 in Brückenstraße umbenannt und war bis 1958 die Durchgangsstraße, die von der Kölner Straße kommend über die Swistbrücke an der Burg in Richtung Bonn führte. Sie war etwas breiter und aufgelockerter bebaut als die Schmergasse, aber die Menschen waren vom selben Schlag. Die Anwohner beider Straßen waren eine fest definierte Nachbarschaft, die sich gegenseitig half, wenn etwas klemmte und die Freud und Leid miteinander teilte. Dieses System der fest umrissenen Nachbarschaft kennt man heute leider nicht mehr.

Nach dem verheerenden Bombenangriff am 3. März 1945 änderte sich das Bild der beiden Straßen von einem Augenblick auf den anderen schlagartig. Keine andere Straße in Heimerzheim hatte mehr Todesopfer zu beklagen, und keine anderen Straßen im Ort hatte im Krieg ihr Gesicht so verändert wie die Schmergasse und die Brückenstraße.

Der Arbeitskreises Heimat Heimerzheim startet erneut den Versuch, die beiden alten Straßen in Wort und Bild zu "rekonstruieren". Den mehr als 120 zum Teil über 80 Jahre alten Fotos werden in einer Diaschau aktuelle Bilder gegenübergestellt.

Mit der Wahl des Vortragstermins erinnert der Arbeitskreis Heimat darüber hinaus an eine alte Heimerzheimer Tradition. Noch in den 1950er Jahren wurde die von der überwiegend katholischen Bevölkerung streng gehandhabte Fastenzeit "halbiert", und mit dem Segen der Kirche durfte die sechswöchige Fastenzeit mit einer öffentlichen Veranstaltung, etwa einem Konzert oder einem Theaterstück, "aufgelockert" werden. Man nannte dies die "Haleve Faas". An diese alte Sitte will der Arbeitskreis Heimat symbolisch erinnern.

Dia-Vortrag "En de Schmerjass", Mittwoch, 20. März, 19.30 Uhr, katholisches Pfarrheim, Heimerzheim.

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