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Die ehemalige Schulleiterin Roswitha Weber über Georg von Boeselager

Ehemalige Swisttaler Schulleiterin : Georg von Boeselager als „Vorbild für Schüler“

Der Widerstandskämpfer Georg von Boeselager ist auch heute noch ein Vorbild für junge Menschen. Das sagt die frühere Heimerzheimer Schulleiterin und Historikerin Roswitha Weber. Die Gemeinde hatte sich gegen die Benennung der neuen Gesamtschule nach dem Widerständler entschieden.

Bei der Gründung der Gesamtschule im Sommer diesen Jahres hatte die Gemeinde Swisttal auf eine Benennung nach dem Widerstandskämpfer Georg von Boeselager verzichtet. Sie hatte damit den gesetzlichen Mindestanforderungen genügt, stieß aber bei der Familie auf Unverständnis (der GA berichtete).

Die zuvor an diesem Ort bestehende Hauptschule war im Rahmen eines Festaktes am 8. Mai 1993 nach Georg von Boeselager benannt worden. Für diese Namensgebung setzte sich die damalige Schulleiterin Roswitha Weber ein. Im Gepräch mit dem GA erläutert die heute 77-jährige Pädagogin und Historikerin, warum sie dies tat.

Einstimmiger Beschluss des Rates

„Die Idee kam aus dem Kollegium“, erinnert sie sich, „meine Aufgabe war es, Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Dies gelang. Denn auf Vorschlag der Schulkonferenz bestehend aus Lehrern, Eltern und Schülern beschloss der Gemeinderat einstimmig die Benennung nach Georg von Boeselager.

„Wir haben damals im Kollegium durchaus kontrovers diskutiert“, berichtet Weber. Er sei einerseits als Offizier Teil des Systems gewesen, konservativ und militärisch geprägt. „Gleichzeitig machte ihn eine tiefe Religiosität aus. Das muss ihn in tiefe Konflikte gestürzt haben. Er diente einem unmenschlichen System, sah seine Fehler und Fehlhaltungen ein und entschloss sich zum Widerstand, den eigenen Tod einkalkulierend. Er muss lange mit sich gerungen haben, um sich vom Eid auf Hitler zu befreien.“

Entschlossen zum Handeln

Einen solch „innerlich zerrissenen Menschen“, verwurzelt in Heimerzheim, habe man „als Filterfigur für menschliches Versagen, für dessen Reflektion und für den Entschluss zum Handeln in einer Diktatur“ betrachtet. Widersprüche und Ambivalenzen auszuhalten, dies habe man in der Schule „als Vorbild für unsere Schülerinnen und Schüler“ als wichtig erachtet.

Es sei nicht darum gegangen, den jungen Menschen „einen Helden“ zu präsentieren, sondern „einen jungen Menschen, militärisch geprägt, vom Nazi-System benutzt, aufrecht und couragiert Fehler eingestehend und Widerstand leistend“. Weber weiter: „Diese gebrochene Figur wollten wir zum Namensgeber unserer Schule machen.“ Im Gegensatz zu vielen Mitläufern habe Georg von Boeselager gehandelt und sich seiner Verantwortung gestellt.

Mut und Zivilcourage

Die ehemalige Schulleiterin ist überzeugt: „Der Mensch ist nicht nur gut oder böse. Zeitgeist und Lebensumstände prägen die Persönlichkeit. Mit dem Wissen von heute steht uns eine moralische Verurteilung nicht zu.“

Die Eigenschaften, die Georg von Boeselager ausgezeichnet hätten, Mut und Zivilcourage, Rechtsbewusstsein und Tapferkeit, seien damals und heute notwendig, um Rassismus, Nazismus und Fremdenfeindlichkeit zu begegnen. Nicht umsonst, so Weber weiter, habe man mit der Familie die Georg-von-Boeselager-Medaille an Schüler verliehen, die sich mutig gegen Diskriminierung eingesetzt hätten.

Nicht angemessen findet es Weber, dass der Gemeinderat nicht mit der Namensgebung der Gesamtschule befasst wurde: „Die Namensgebung einer öffentlichen Schule ist ein öffentlicher Akt. Deshalb sollte auch der Rat darüber entscheiden.“