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Girls' Day im Rhein-Sieg-Kreis: Die Mädels packen an

Girls' Day im Rhein-Sieg-Kreis : Die Mädels packen an

"Cool und spannend", so beschreibt Rana ihre Eindrücke. Die zierliche 15-Jährige hat gerade einem gestandenen Polizeianwärter Handfesseln angelegt - noch recht zaghaft und vorsichtig. Angeleitet wurde die Realschülerin aus Heinsberg dabei von Ausbilderin Sabine Klein, die mit den angehenden Polizisten "auf der Matte" trainiert hat und die Gäste des Bundespolizeiausbildungszentrums in Heimerzheim am Girls' Day bereitwillig mitmachen lässt. Sechs Mädchen und zwei Jungen nahmen gestern die Gelegenheit wahr, in der Heimerzheimer Polizeischule den Polizeiberuf kennenzulernen.

Neben Rana trainiert Gymnasiastin Alena (16) aus Palmersheim die Festnahme und erfährt, dass das "polizeiliche Gegenüber" in die Durchsuchungsposition "gesprochen" werden sollte. Kommunikation sei die wichtigste Waffe der Polizei, erläutert Polizeihauptmeister Harald Windolph. Beide Mädchen tragen sich mit dem Gedanken, Polizistin zu werden.

Sie erhielten auch Einblicke in die Schießausbildung und begaben sich auf die Fährte ihrer eigenen Fingerabdrücke. Abschließend berichteten zwei Polizeianwärterinnen den Besuchern von ihren eigenen Erfahrungen. Nur etwa zwölf Prozent der Absolventen der Bundespolizeischule sind Frauen - nach Meinung von Polizeihauptmeister Guido Coßmann "deutlich zu wenig".

Auch beim Studium der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind weibliche Studierende unterrepräsentiert. Daher öffnete auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg unter der Regie der Gleichstellungsstelle gestern ihre Türen und bot allein am Campus Rheinbach für 97 Mädchen aus der Region der Klassen 9 bis 12 vor allem im Fachbereich "Angewandte Naturwissenschaften" Workshops an. Ihre schulischen Leistungen seien oft sogar besser als die ihrer Mitschüler, versuchte Professor Klaus Deimel den Schülerinnen bei der Begrüßung Mut zu machen.

Um Berührungspunkte zu schaffen, hatten sie sich um "peppige Projekt-Titel" bemüht, sagte Monika Sarrazin-Comans von der Gleichstellungsstelle. "Wieso brennt mein Pulli, meine Jeans aber nicht?", durften die Teilnehmerinnen des Projekts von Esther van Dorp herausfinden. Sie beschäftigten sich mit Werkstofftechnik und prüften Eigenschaften wie Dichte und Entzündlichkeit unterschiedlicher Kunststoffe.

Den Weg vom Sämling zum 15 Jahre alten Baum durch die Stationen der Meckenheimer Baumschule Ley lernten Kim (16), Regina (16), Elena (13) und Joy (11) kennen. Dabei standen auch praktische Übungen an, wie das Anbinden der Bäume an einen Stab mittels eines speziellen Knotens, der sich auch bei Wind und Wetter nicht löst.

Eindrucksvoll sei es gewesen, zu sehen, wie die Bäume mit Hilfe von Maschinen mitsamt Ballen ausgemacht und für den Transport zum Kunden verladen werden, fanden die Mädchen. Obgleich die früher schwere körperliche Arbeit heute durch moderne Technik wie elektrische Scheren, hydraulische Kräne und Rodemaschinen, erleichtert werde, seien nur fünf Frauen unter den 105 Produktionsmitarbeitern der Baumschule, sagte Christoph Dirksen von der Geschäftsleitung.

Auch die vier Besucherinnen werden wohl nicht den Beruf des Baumschulers ergreifen. Sie habe bereits eine Ausbildungsstelle in ihrem Traumberuf als Friseurin, verriet Kim. Regina denkt an einen Beruf im medizinischen Bereich. Sie könne sich aber vorstellen, einen kaufmännischen Beruf in der Baumschule zu erlernen, erklärte Joy.

Der Aktionstag:

Seit 2001 findet der Girls' Day - Mädchen-Zukunftstag (www.girls-day.de) jährlich im April statt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Initiative D 21 starteten die bundesweite Aktion, die das Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie koordiniert. Schülerinnen erhalten Einblick in Berufe, die Mädchen selten in Betracht ziehen. Parallel finden auch Veranstaltungen für Jungen statt.