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Prozess gegen Swisttaler Satteldiebe: Diebe haben es auf Pferdesättel abgesehen

Prozess gegen Swisttaler Satteldiebe : Diebe haben es auf Pferdesättel abgesehen

31-Jähriger schlug in zwei Reitanlagen in Swisttal zu und richtete einen Schaden von 45.000 Euro an. Das Bonner Amtsgericht schickt ihn dafür 17 Monate in Haft. Eine bundesweit agierende Bande, die auch in Wachtberg einbrach, ist angeklagt.

Auf Reitsättel hatten es Einbrecher abgesehen, die im Sommer vergangenen Jahres zwei Reitanlagen in Swisttal heimsuchten. Einer der Diebe musste sich nun vor dem Bonner Amtsgericht verantworten und wurde am Ende wegen schweren gewerbsmäßigen Diebstahls für 17 Monate hinter Gitter geschickt.

Im Prozess legte der 31-jährige Pole, der aufgrund seiner DNA-Spuren an den Tatorten identifiziert, im Februar gefasst wurde und seitdem in U-Haft sitzt, ein umfassendes Geständnis ab. Danach hat er zusammen mit einem Mittäter aus Litauen am 4. Juni nachts eine zuvor ausgekundschaftete Reitanlage in Swisttal aufgesucht. Dort knackten sie das Torschloss, hebelten 23 Sattelschränke auf und wurden in 15 Schränken fündig. Ihre Beute: elf Sättel, darunter auch teure Maßanfertigungen, zwei Paar teure Reitstiefel und anderes Zubehör. Außerdem brachen sie noch den Kaffeeautomaten auf und ließen 400 Euro Bargeld mitgehen.

Am 16. August schlugen der Angeklagte und sein Mittäter erneut in Swisttal zu, diesmal in einer anderen Reitanlage. Wieder kamen sie nachts, und nachdem sie die Alarmanlage und den Bewegungsmelder zerstört hatten, brachen sie die Sattelkammer und die 16 Sattelschränke auf.

Diesmal erbeuteten sie 16 Sättel und die Tageseinnahmen der Reitschule von 550 Euro. Mit ihren beiden Einbrüchen richteten die Täter einen Schaden von 45 000 Euro an.

Wer sein Mittäter war, verriet der 31-Jährige allerdings nicht – aus Angst um seine Familie in der Heimat, wie er erklärte. Er habe sich aus finanzieller Not mit Kriminellen aus Litauen eingelassen, für die er schon früher Zigaretten geschmuggelt habe, gab der Arbeitslose an, der auch keine Schulausbildung hat. Der 31-Jährige ist bereits mehrfach strafrechtlich auch in Deutschland in Erscheinung getreten und einige Male verurteilt worden. Vor dem Schöffengericht entschuldigte er sich nun bei fünf der Opfer, die als Zeuginnen gehört wurden. Eine 36-jährige Reitlehrerin und Sporttherapeutin ist auf 6000 Euro Schaden sitzengeblieben, weil ihre Versicherung ihr nur 4000 Euro ihres Gesamtschadens von 10 000 Euro erstattet hat.

Das Gericht hielt dem Angeklagten zwar sein umfassendes Geständnis und auch seine Reue zugute, aber Bewährung kam angesichts der Taten und vor allem der Vorstrafen nicht mehr in Betracht. Wie Ermittlungen ergaben, sind gestohlene Reitsättel in Polen eine gern gehandelte Ware.

Das soll sich auch eine Viererbande aus Polen zunutze gemacht haben und von Ende 2014 bis Ende August 2015 bundesweit in Reitanlagen eingebrochen sein.

Weil sie unter anderem in zwei Reiterhöfe in Wachtberg-Adendorf und Wachtberg-Berkum tätig wurden, übernahm den Fall die Bonner Staatsanwaltschaft, die nun die vier Männer im Alter zwischen 24 und 45 Jahren angeklagt hat und ihnen banden- und gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahl vorwirft.

Das Quartett soll in wechselnder Besetzung Einbrüche in Serie begangen und einen Gesamtschaden von 200 000 Euro angerichtet haben. Allein in den beiden Reitanlagen in Wachtberg sollen sie 43 Sättel für insgesamt 35 000 Euro gestohlen haben. Das Quartett muss sich demnächst vor dem Bonner Landgericht verantworten.