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Essiger Flohmarkt: Ein ganzes Dorf im Trödelrausch

Essiger Flohmarkt : Ein ganzes Dorf im Trödelrausch

Was im Keller des einen vor sich hin rostet, kann anderswo noch den Wintergarten zieren. Beim Dorftrödel in Essig ließen am Sonntag Tausende ihrer Jagd- und Sammelleidenschaft freien Lauf.

Das halbhohe schmiedeeiserne Bücherregal hätte Wolfgang Meier binnen zehn Minuten drei Mal verkaufen können. Er hatte es aber bereits der ersten Interessentin für zwölf Euro überlassen, die es später abholen wollte.

Der Pressewart des Bürgervereins Essig folgte vor seiner Garage meist seinem Bauchgefühl, wenn er nach Preisen gefragt wurde. "Man muss, glaube ich, ein wenig kompromissfähig sein", beschrieb er seine Strategie. Andere unter den 60 Anbietern quer durchs Dorf hatten Preisschilder gemalt, handeln konnte man aber bei fast allen.

Für eine wuchtige Hand-Registrierkasse, die seit Tante Emmas Zeiten auf dem Spitzboden verstaubte, verlangte Barbara Hause zum Beispiel zehn Euro. Als Gast bot bei ihr Heike Klein aus Ludendorf ein Charlie-Chaplin-Porträt mit dem typischen Bowlerhut, Spazierstöckchen und viel zu großen Schuhen von etwa einem Meter Höhe für 65 Euro an.

Ein Stück weiter wartete bei Familie F. eine große Metaxa-Flasche auf einem Bistrotisch, dazu das Schild "Selbstbedienung" und kleine Plastik-Schnaps-Becherchen. Den griechischen Kognak boten sie kostenlos an. Die Flasche möchten sie als Spardose nutzen. Dazu aber müsste sie leer sein.

Für Liebhaber von Modellautos hatte ein Anbieter die passende Offerte: er hatte aus seiner Sammlung von 600 Modellautos vorwiegend klassische Opel-Miniaturen dabei. Die ältesten Modelle, etwa ein Patent-Motorwagen System Lutzmann, kosteten um die fünf Euro; jüngere Kapitäne und Kadetten gingen für zwei Euro weg. Ein pensionierter Polizist erstand bei ihm einen Polizeiwagen und ein Polizeikrad für zwei Euro.

An den Ständen fand sich so ziemlich alles vom Gebrauchsgegenstand bis zu Sportgeräten. Inline-Skates, Schlittschuhe, Hockeyschläger, Satelliten-Schüsseln, Plattenspieler nebst Schallplatten aller Musikepochen, Kicker-Tische, Fahrräder, Geschirr, Klamotten für Groß und Klein, Kristall-Spiegel, Esszimmer-Stühle neben wertvollen Antiquitäten.

Es war laut Pressewart Meier der sechste Dorftrödel in Essig. Dabei machten mehr Verkäufer mit als im vergangenen Jahr. Die Standgebühr kostete Einheimische fünf, Ortsfremde zehn Euro. Nach Meiers Schätzung flanierten etwas mehr als 3000 Besucher durch den Ort.

Der Bürgerverein hatte rund ums Josef-Bienentreu-Haus ein großes Buffet mit selbst gebackenem Kuchen, eine Cocktailbar und einen Grillstand aufgebaut, wo Johanna Bienentreu, Gertrud Kitz, Werner Dahmen und viele andere Helfer die Gäste bewirteten.

Eifrig wurde über Preise und Angebot diskutiert. Eine Käuferin fragte nach einem Bild, das die Hände Gottes und Adams aus Michelangelos berühmtem Fresco von der Schöpfungsgeschichte zeigte. Darauf hingewiesen sagte sie: "Das interessiert mich doch gar nicht, ich will nur den Rahmen."