Kommentar Ein Pfeiler der Bildung

Die Schule ist ein beliebtes Experimentierfeld. Bietet sie doch der Wissenschaft die Möglichkeit, neue didaktische Methoden in der Praxis zu testen: Freiarbeit, Gruppenarbeit, Stationenlernen, Ganzheitsmethode.

Generationen von Schülern erinnern sich beispielsweise auch mit sehr gemischten Gefühlen an die Mengenlehre. Deren Vermittlung war in den 1970er Jahren modern. Mit Teil-, Schnitt-, Vereinigungs- und leeren Mengen muss sich heute jedoch kein Schüler mehr abmühen, obwohl die Mengenlehre nach wie vor zu den zentralen Fachgebieten der Mathematik gehört.

Zu den Konstanten in den Lehrplänen der deutschen Grundschulen zählt seit jeher die Schreibschrift. Und sie wird es hoffentlich noch lange bleiben - auch wenn heute schnellere und schneller zu übermittelnde Schreibtechniken existieren.

Dem finnischen Beispiel zu folgen, hieße, ohne Not einen wichtigen Pfeiler der Bildung unserer Kinder zu entfernen. Denn durch die Schreibschrift erwerben die Schüler nicht nur die Fähigkeit, sich schnell Notizen zu machen, wenn mal kein Handy oder kein PC zur Hand ist.

Durch die bewusste Niederschrift von Begriffen lernen sie auch leichter, prägen sich Zusammenhänge besser ein. Die Anpassung an die Möglichkeiten moderner Kommunikation sollte nicht darin bestehen, eine grundlegende Kulturtechnik wie die Schreibschrift nicht mehr zu lehren. In modernen Grundschulen sollte beides seinen Platz haben: die Tafel mit den Kreidestiften und die Tastatur eines Computers.

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