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Krimi aus Ludendorf: Eine Mauer des Schweigens

Krimi aus Ludendorf : Eine Mauer des Schweigens

Der neue Krimi des Rheinbacher Autors Bernd Schumacher spielt in Ludendorf. Ein Polizist klärt 20 Jahre alten Mordfall auf.

April 1959. Aus der Jauchegrube eines Bauernhofs in Ludendorf wird eine Leiche geborgen. Es ist die 30-jährige Hedwig Schisalewski, die bei einigen Männern im Dorf sehr beliebt war, bei den Frauen eher weniger. Das ist der Ausgangspunkt des neuen Krimis „Die Akte Ludendorf“ von Bernd Schumacher. Der Rheinbacher, früher Lehrer an der Glasfachschule, hat den Lockdown im Frühjahr dazu genutzt, sich an den Schreibtisch zu setzen. Die Handlung spielt diesmal nicht in Rheinbach, sondern im beschaulichen Ludendorf, wo der heute 68-Jährige in seiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren die Ferien verbrachte: bei seiner Oma Katharina Michels.

Im Haus der Oma startet Polizist Scherer seine Recherchen

Im Haus der Oma an der Ecke Ringstraße/Wiesenweg beginnen auch die Recherchen seines Protagonisten, des Rheinbacher Polizisten Gerhard Scherer, der im Jahr 1979 den 20 Jahre zurückliegenden Mord aufklären will. Scherer hatte einige Wochen zuvor in Bonn einen Mann erschossen, der in ein Juweliergeschäft eingebrochen war. Dieser Einbrecher war Hans Schisalewski, ein früherer Spielkamerad aus Ludendorf und Sohn der Ermordeten. Mit seinen letzten Worten teilt der Sterbende dem Polizisten mit, dass damals ein Unschuldiger, nämlich Ohm Mättes, zur Rechenschaft gezogen worden sei. Der wahre Täter lebe also noch im Dorf.

Diese Information weckt Scherers kriminalistischen Ehrgeiz. Er spricht mit alten Freunden, besucht Familien, bei denen die Ermordete gearbeitet hatte, kontaktiert den damaligen Pfarrer und sucht den früheren Dorfpolizisten auf. Die meisten Gesprächspartner wollen „die alte Sache“ auf sich beruhen lassen. Scherer trifft auf eine Mauer des Schweigens. Amtshilfe leistet ihm sein Freund, Kommissar Walter Seibold aus Rheinbach, der bei der Bonner Kripo Verbrechern das Handwerk legt. Weil dessen Vorgesetzter den alten Fall nicht mehr neu aufrollen will, ermittelt Scherer auf eigene Faust. Dabei kommt er hin und wieder vom Dienstweg ab. Kapitalverbrechen fallen eigentlich nicht ins Ressort des Verkehrspolizisten. Ein Reiz der überzeugend konstruierten und spannend geschriebenen Geschichte ist die lokale Verortung in Ludendorf. Autor Schumacher beeindruckt mit Detailtreue, wenn er einzelne Häuser, Gehöfte oder die Kirche beschreibt. Doch nicht nur Ludendorfer werden ihre Freude an dem Krimi haben. Denn der Ort ist in der Geschichte auch eine Blaupause für das Moral- und Sittenverständnis, für die arg konservativen Wertvorstellungen im ländlichen Raum während der Adenauer-Jahre.

Schumacher schreibt ohne Schnörkel, vermeidet verschwurbelte Satzungeheuer, treibt die Handlung konsequent voran. Obwohl es um Mord und Totschlag geht, kommt der für Schumacher typische trockene Humor nicht zu kurz, wenn er zum Beispiel die Trinkgewohnheiten des Pfarrers beschreibt.

Die Idee zum Ludendorf-Krimi entstand nach einer Radtour

Der Impuls, einen Ludendorf-Krimi zu schreiben, entstand nach einer Radtour in den Ort seiner unbeschwerten Ferienzeiten. Es ging Schumacher auch darum, eigene Kindheitserinnerungen in die Geschichte einzubetten. Seine Tante Leni Schäfer und Dirk Lüssem aus Ludendorf halfen ihm mit vielen Informationen. Schumacher legt Wert auf die Feststellung, dass Handlung und Figuren frei erfunden sind. Dennoch: Eine tatsächliche Begebenheit aus den 50er Jahren brachte ihn auf die Idee für den Plot der Geschichte: „In der Nachkriegszeit lebte eine Familie in Ludendorf, die im Ort ein Außenseiterdasein fristete. Besonders Mutter und Sohn litten darunter. Die Mutter wurde bei der Feldarbeit vergewaltigt, der Täter nie ermittelt.“

Bernd Schumacher: „Die Akte Ludendorf“, CMZ-Verlag, ist ab sofort für zehn Euro im Buchhandel erhältlich.