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"Collide"-Filmdreh in Odendorf: Einschusslöcher sind noch zu sehen

"Collide"-Filmdreh in Odendorf : Einschusslöcher sind noch zu sehen

Der 24 Millionen Euro teure Actionstreifen „Collide“, der ursprünglich „Autobahn“ heißen sollte, läuft ab Donnerstag in den Kinos. Entscheidende Szenen entstanden in einer Tankstelle in Odendorf. Mit dabei: Oscarpreisträger Sir Anthony Hopkins.

Ein wenig suchen müssen Cineasten schon: In einem der Lebensmittelregale von Arwed Presuhns Tankstelle am Odendorfer Gewerbepark ragt eine Patrone, stumme Zeugin eines bleilastigen Schusswechsels für den Kinofilm „Collide“, aus dem Möbelstück heraus. Finden kann dieses Einschussloch nur, wer im obersten Fach für Knabbereien die scharfen Kartoffelchips und die Erdnussflips voneinander trennt, wie Moses die Fluten des Roten Meeres. Das kuriose Überbleibsel der Dreharbeiten hat Schauspieler Joachim Król, der im Hollywoodstreifen einen Jäger namens Wolfgang spielt, eigenhändig signiert. Am Donnerstag, 4. August, läuft der 99-Minuten-Film europaweit in den Kinos an – entscheidende Szenen entstanden in Odendorf.

Vier Tage lang belagert das amerikanisch-britische Filmteam um Hauptdarsteller und Oscarpreisträger Sir Anthony Hopkins die Tankstelle am Odendorfer Ortseingang, die im Film eine Autobahnraststätte darstellt. „Autobahn“ heißt damals im Juli 2014 der 29 Millionen Dollar – rund 24 Millionen Euro – teure, adrenalingeladene Film, der neben Swisttal in Monschau und Köln gedreht wird. Co-Produzent ist Joel Silver, der Filme wie die ersten beiden Stirb-Langsam-Episoden, die Matrix-Trilogie oder die Lethal-Weapon-Reihe das Licht der Welt erblicken ließ. Nicholas Hoult, der kleine Junge aus „About a Boy“, spielt ebenso mit wie Sir Ben Kingsley, der den begehrtesten Filmpreis der Welt für „Gandhi“ erhielt.

Eines schönen Tages habe ein Mitarbeiter der Produktionsfirma, ein „Locationsscout“, bei ihm im Verkaufsraum gestanden, habe sich ausführlich umgeblickt und das Gespräch gesucht, berichtet Presuhn. Elfköpfig war das Team, welches sich vor Drehbeginn noch einmal ausführlicher zwischen Bistrotheke und Kühlregalen umblickte, ehe im Juli 2014 140 Crewmitglieder den Swisttaler Ortsteil ein wenig im Glanz von Hollywood erstrahlen lassen.

„Der Aufwand, den die Filmleute treiben, ist erstaunlich“, berichtet Tankstellenpächter Arwed Presuhn. Da im Drehbuch geschrieben steht, dass während des Drehs eine Menge zu Bruch geht, brauchen die Actionprofis mehrere Lastwagen, um alle Utensilien mitzubringen – Fensterscheiben etwa. „Für eine Szene sind zwei Scheiben zu Bruch gegangen, bevor die Szene im Kasten war – drei Scheiben hatte die Crew“, weiß der 53-Jährige.

Dass Filmleute seine Tankstelle tagelang in Beschlag nehmen, ist für den gebürtigen Hannoveraner, der seit 27 Jahren in Odendorf lebt, fast ein wenig Routine geworden: Für den ersten Teil des Kinderfilms „Rennschwein Rudi Rüssel“ surrten in dem Swisttaler Ortsteil ebenso die Kameras wie für einen ZDF-Krimi mit Anna Loos. „Der war's an einem Tag so heiß, dass sie sich in den begehbaren Kühlschrank gestellt hat, um sich abzukühlen“, sagt Presuhn. Da das Warten zum täglichen Brot eines Schauspielers gehört, bleibt für den Tankstellenpächter des öfteren Zeit, zwischen den Szenen mit Schauspielern ins Gespräch zu kommen: „Hopkins ist ein typisch englischer Gentleman – sehr höflich, nicht affektiert.“ Persönlich habe sich der Waliser, der mit „Das Schweigen der Lämmer“ Weltruhm erlangte, dafür bedankt, dass das Team in seiner Tankstelle drehen und einiges auf den Kopf stellen darf.

Und: Die letzte Klappe ist in Odendorf sicherlich nicht gefallen: „Es gibt Anfragen für neue Projekte“, meint er vielsagend.