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Oldtimer: Familien fahren mit Treckern von Swisttal nach Ostfriesland

Oldtimer : Familien fahren mit Treckern von Swisttal nach Ostfriesland

Die Familien Cramer und Macherey aus Odendorf machen Urlaub in Ostfriesland. Sie fahren aber nicht mit dem Auto – sondern mit ihren Oldtimer-Traktoren, die ihre Wohnwagen ziehen.

Urlaub ist für viele Menschen in diesem Sommer alles andere anders als sonst üblich. Eine ausgefallene Idee hatten die Familien Cramer und Macherey aus Odendorf. Mit drei rund 50 Jahren alten Treckern und angehängten Wohnwagen fuhren Hans-Günter und Thea Cramer mit Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln nach  Ostfriesland. Ein Campingplatz in Carolinensiel war das Ziel, und das hieß: 436 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde hin – und ebenso zurück. Drei Tage lang war der Treck pro Strecke unterwegs. Ein Abenteuer für die sechs Erwachsenen und drei Kinder.

Touren sind die Traktor-Fans allerdings gewohnt. Als Vorstandsmitglieder der Oldtimer-Freunde Swisttal-Odendorf legen sie im Jahr bis zu 500 Kilometer mit ihren alten Schätzchen zurück, wenn sie unterschiedliche Treffen besuchen. Allerdings finden die im Umkreis von maximal 100 Kilometern statt. Die lange Reise nach Norddeutschland war mithin eine Premiere.

„Das war schon extrem“, schildert Hans-Günter Cramer, Vorsitzender der Oldtimer-Freunde, rückblickend. Weder der Eicher Tiger II von 1968, noch der ICH 383 von 1974 oder der Eicher Königstiger von 1966 sind als Reisefahrzeuge gedacht. „Unsere heutigen Hintern sind nicht für damalige Sitze gemacht“, formuliert es Cramer mit Humor.

 Besonders wenn die Straßen schlechter wurden, habe man den Mangel an Dämpfung  deutlich gemerkt. 19 Stunden verbrachten sie insgesamt auf den Fahrersitzen. Immerhin war das Wetter angenehm, denn vor Regen (und Sonne) schützt auf den Traktoren nur ein einfaches Dach. Dafür zog die Landschaft entlang der Strecke quasi im Zeitlupen- und nicht im Eiltempo an den Reisenden vorbei. Man habe alles besonders gut beobachten können, berichten die Mitfahrer übereinstimmend. Auch die Fahrerinnen der Begleitwagens schwärmten von blühender Heide und emsländer Bauernhäusern.

„Man ist halt immer der Stauanfang“

Passanten hätten die Gespanne oft bestaunt. Nur andere Verkehrsteilnehmer waren nicht immer begeistert. „Man ist halt immer der Stauanfang“, sagt Tina Macherey. Ludwig Profittlich-Cramer, im Verein Technikbeauftragter, nennt es ein „entschleunigtes Fahren“. Notwendig war für diesen Urlaub aber eine umfassende Vorbereitung. Die Straßen mussten für die langsamen, aber breiten Gespanne befahrbar sein, und die Gruppe brauchte zwei Übernachtungen bei jeder Tour. Zur Freude der Kinder und passend zu den Traktoren ging es dabei meist auf Ferienhöfe. Falls coronabedingt eine Einkehr nicht möglich gewesen wäre, war ein Stromaggregat mit von der Partie. Dessen Strom hätte auch unterschiedliche Werkzeuge antreiben können.

Wie die Oldtimer diese Tour verkraften würden, war vorher nicht sicher. Ein guter Teil des Gepäcks waren Werkzeug und Ersatzteile, vom Wagenheber bis zum Keilriemen. Die Familien entschieden sich zudem für kleinere Traktoren aus ihrer Sammlung. Die hätte man nach einer Panne auf einen Tieflader laden können, erklärt Kirsten Cramer. Doch die Reise verlief pannenfrei. Selbst Tankstopps musste man nicht allzu oft einlegen, auf jeder Strecke gerade einmal. „Die sind sparsam“, erklärt Profittlich-Cramer. Gerade einmal 2,6 Liter pro Stunde verbrauche sein Traktor, erklärt Sascha Macherey. Ein Grund dafür sei der geringe Hubraum.

Auf dem Campingplatz und den Orten an der ostfriesischen Küste war das Interesse an den alten Treckern groß. „Die Erfahrung muss man gemacht haben. Das war ein Erlebnis, wo man lange was von mitnehmen kann“,  resümiert Hans-Günter Cramer die Tour. Ob es eine Wiederholung gibt, steht indes in den Sternen.