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Fluthilfe Heimerzheim richtet Fest für Bewohner und Helfer aus

Ablenkung vom Alltag : Fluthilfe Heimerzheim richtet Fest für Bewohner und Helfer aus

Das Organisations-Team der Fluthilfe Heimerzheim hat vor dem katholischen Pfarrzentrum ein Fest für Helfer und Bewohner ausgerichtet. Viele Heimerzheimer nehmen die Hilfsangebote etwas zögerlich an.

Einmal nicht Gummistiefel und verschlammte Kleidung tragen. Einmal nicht Keller und Wohnungen entrümpeln, von Wasser und Schlamm befreien. Sondern wieder einmal so etwas wie Normalität erleben. Wie vor der Hochwasser-Flutkatastrophe.

Dazu hatte das Orga-Team der Fluthilfegruppe Heimerzheim um Maike Zeyen, Julia Gebhardt und Udo Ellmer die Helferinnen und Helfer ebenso wie alle Heimerzheimer auf den Vorplatz des katholischen Pfarrzentrums eingeladen. „Die Menschen sollen wieder einmal auf andere Gedanken kommen, sich miteinander austauschen und etwas anderes sehen als nasse Keller“, sagten Zeyen und Gebhardt.

Der Rahmen bot dazu perfekte Gelegenheit: Speisen und Getränke sowie das entsprechende Equipment waren gespendet. Dennoch standen Spendenboxen bereit, in denen Geld für die Heimerzheimer Flutopfer gesammelt wurde, das der Ortsausschuss entsprechend verteilt. Als besondere Attraktion machte der Eiswagen des Rheinbacher Eiswerks beim Helferfest Station. Das Ganze war untermalt von der Live-Musik einer Band verschiedener Heimerzheimer Musiker und Alex Radigk von „Los Rockos“ als Special Guest.

Hausmeister hat Helfern Schlüssel für Turnhalle gegeben 

„Viele Heimerzheimer und Helfer brauchen jetzt ganz besonders viel Liebe“, sagte Gebhardt. Denn viele Häuser seien „komplett ertrunken“ und viele tragische Erlebnisse gelte es zu verarbeiten, schilderten die Organisatorinnen. So sei eine 14-Jährige dringend auf Insulin angewiesen und habe mit dem Helikopter abgeholt werden müssen. In der Quellenstraße hätten Menschen auf den Dächern ihrer Häuser gesessen und hätten mit Booten oder Helikoptern gerettet werden müssen.

 Christina Krieger (r.) und Hermann Menth arbeiten derzeit ehrenamtlich in der Turnhalle am Höhenring.
Christina Krieger (r.) und Hermann Menth arbeiten derzeit ehrenamtlich in der Turnhalle am Höhenring. Foto: Matthias Kehrein

Hermann Menth vom Ortsausschuss und Christina Krieger, ausgebildete Lehrerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität, gehören zu den Helfern in der Dreifachhalle. „Die haben wir in privater Initiative einfach okkupiert“, sagt Menth. „Wir haben niemanden dafür gefragt.“ Die Schlüssel habe der Hausmeister ihnen übergeben. „Ein sehr guter Mann“, ergänzt Menth. Krieger, die in Heimerzheim aufgewachsen ist, hat erst in der Kita geholfen, dann in der Turnhalle. Dafür hat sie fünf Tage Sonderurlaub vom Arbeitgeber bekommen und ihren Resturlaub angehängt, sodass sie insgesamt vier Wochen helfen kann, wie sie sagt.

In der Sporthalle können gespendete Kleidung, Lebensmittel und Spielzeug ebenso abgeholt werden wie Hygieneartikel und Reiniger. Auch Waschmaschinen stehen zur Verfügung. Viele Heimerzheimer nähmen diese Hilfsmöglichkeiten etwas zögerlich an, weil sie sich schämten, so die Erfahrung der Helfer. „Heute war zum Beispiel jemand für seine Nachbarin da, die selbst nicht kommen wollte, weil sie sich geniert hat“, erzählt Krieger.

Öffnungszeiten der Dreifachhalle: Montag bis Freitag: 10-19 Uhr, Samstag und Sonntag: 10-14 Uhr.