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Flutkarte von 1793 in Morenhoven und Miel vorgestellt

Lokalgeschichte : Historische Rarität zeigt Güter bei Miel und Morenhoven im Jahr 1793

Bei Abbrucharbeiten tauchte 2010 in Remagen eine Karte der Gemarkungen Miel und Morenhoven aus dem Jahr 1793 auf. Jetzt sind die detaillierten Reproduktionen öffentlich zugänglich.

99 Zentimeter hoch und 1,63 Meter breit, im Original auf Leinen geklebt, im Maßstab etwa 1:3.300, das ist sie, eine bislang unbekannte Karte aus dem Jahr 1793.  Darauf festgehalten sind die damals zehntpflichtigen – also abgabenpflichtigen – Güter in den Gemarkungen Miel und Morenhoven. Wer sich für Lokalgeschichte interessiert, kann sie ab sofort eingehend studieren. Ein mit moderner Technik gefertigtes und aufbereitetes Duplikat befindet sich am Morenhovener Dorfplatz, befestigt an der dem Platz zugewandten Außenwand der Gaststätte Alt Morenhoven. Ein weiteres Exemplar wird an prominenter Stelle in Miel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wie Ortsvorsteher Hans-Arthur Müller ankündigte, sowie ein drittes am Rathaus, so Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner. Denn: „Die Karte hat nicht nur Wert für Morenhoven, sondern auch für Miel und die Gemeinde“, so Morenhovens Ortsvorsteher und Ortsausschuss-Vorsitzender Norbert Sauren bei der Präsentation am Bürgerhaus Morenhoven.

Die historische Karte fand sich bei einem Hausabbruch in Remagen

Die historische Karte hält die Grenzen der damaligen Zehntbezirke und die Lage der jeweiligen zehntpflichtigen Ländereien fest. Gefunden wurde das Original in einer Kartenrolle aus Metall bereits im Frühjahr 2010 beim Abbruch eines Remagener. Wie die Flurkarte dorthin kam, ist bis heute unbekannt. Aber dem aufmerksamen Bauunternehmer ist es zu verdanken, dass diese „historische Rarität unserer Heimatgeschichte“, so Sauren, nicht verloren gegangen ist. Auf dieser Flurkarte ist das Damenstift St. Maria im Kapitol in Köln als Auftraggeber und Zehntherr genannt. Deshalb wurde das historische Zeitdokument zunächst dem Morenhovener Kirchenvorstand angeboten. Nachdem dieser keine Verwendung hatte, machte Rainer Zavelberg als Mitglied dieses Gremiums aber den Ortsausschuss auf das Angebot aufmerksam. „Wir sahen im Erwerb die Chance, für Morenhoven ein Stück Heimatgeschichte zu sichern“, blickte Sauren zurück. Für 300 Euro kaufte der Ortsausschuss die Karte.

Das Landesarchiv übernahm die Restaurationskosten

Welchen historischen Wert sie aber tatsächlich hatte, wurde erst deutlich, als Sauren sie seinem Kollegen in der Rheinbacher Stadtverwaltung, Stadtarchivar Dietmar Pertz, zur Einschätzung gab. „Ein Vierteljahr später hatte er etwas zu Papier gebracht und in den Heimatblättern des Rhein-Sieg-Kreises veröffentlicht“, sagte Sauren. Peter Gilles von den damaligen Neuen Pfaden des Georgsrings fertigte zahlreiche Detailbilder der Karte. Das Landesarchiv NRW übernahm die hohen Kosten für die Restaurierung und erhielt als Gegenleistung das Original als Schenkung, während der Ortsausschuss einen hochwertigen Scan für die Reproduktion erhielt. Aus Mitteln des Förderprogramms „Heimat-Scheck“ des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung wurden die aufwendigen Reproduktionen sowie 2.000 Broschüren mit den historischen Ausarbeitungen von Pertz finanziert.