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Flutkatastrophe in Swisttal - Felder stehen immer noch unter Wasser

Nach der Flutkatastrophe : Felder in Swisttal stehen noch immer unter Wasser

Selbst zwei Monate nach dem Hochwasser laufen die Aufräumarbeiten auf dem Hof von Landwirt Friedrich von Scherenberg noch. Vertreter des Förderkreises Landwirtschaft haben neben den Flutschäden auch über die Rolle der Landwirtschaft diskutiert.

Flutkatastrophe, hohe Ernteverluste, Landwirtschaft im Spannungsfeld von Natur- und Umweltschutz: Bei der 31. Infoveranstaltung des Förderkreiseses Landwirtschaft (FKL) kamen die unterschiedlichsten Themen zur Sprache. Der Zusammenschluss landwirtschaftlicher Institutionen des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn traf sich mit seinen Vertretern sowie Repräsentanten aus Kreis, Landtag und Kommunen auf dem Ackerbaubetrieb Friedrich von Scherenberg in Heimerzheim. Dabei hagelte es auch Kritik an der Politik.

Die Flut habe die Region schwer getroffen, die Schäden seien enorm, sagte der Kreisbauernvorsitzende Johannes Brünker. „Wir sind froh, dass Landtag und Kommunen uns einen Rahmen geben, um mit den Schäden fertigzuwerden. Es ist viel Kritik zu hören, andererseits muss man nach vorne schauen.“

Zu den schwer hochwassergeschädigten Betrieben gehört auch der des Gastgebers. Bei der Vorstellung seines Betriebes berichtete von Scherenberg von den Aufräumarbeiten, die immer noch laufen. Der Großteil seiner kurz vor der Ernte stehenden Kulturen sei verloren gegangen, immer noch werde angeschwemmter Müll entsorgt. Der Betrieb baut auf 50 Hektar etwa Rüben, Weizen, Gerste, Roggen, Mais und Kartoffeln an. Seine Felder am Zusammenfluss von Erft und Swist stünden immer noch unter Wasser. „Wir haben hier schon Überflutungen erlebt, aber nie so extrem“, bilanzierte von Scherenberg.

Landwirt: Landwirtschaft sichert Ernährung

Nach der Flut haben seine Mitarbeiter und er nicht nur auf dem eigenen Hof aufgeräumt, sondern auch auf Betrieben in der Region geholfen. „Das ging nur mit Technik, die mit Diesel läuft. Hätten wir E-Fahrzeuge mit Batterien gehabt, wären die nach einem Tag leer gewesen“, kritisierte der Heimerzheimer Landwirt den Trend zur Elektromobilität. Er betonte immer wieder, dass die regionale Landwirtschaft die Ernährung der Menschen sichert. „Wenn der Weizen knapp wird, weil wir dem Mainstream folgen, und Flächen in den Naturschutz überführen, dann brauchen wir, um das rückgängig zu machen, eineinhalb Jahre“.

Er bezweifelte auch die Richtigkeit des für Ende 2022 von der EU avisierten Glyphosat-Verbots. „Der Mainstream ist gegen uns. Wir sind nur eine kleine Gruppe von Wählern“, so von Scherenbach. Dabei sei der Naturschutz auch für ihn wichtig ist. Er habe etwa Blühflächen für Insekten angelegt. „Das ist politisch gewollt. Wenn wir allerdings Flächen an die Allgemeinheit abgeben sollen, wollen wir Geld dafür haben. Denn wir leben von der Landwirtschaft“, machte von Scherenberg deutlich. Weitere Blühflächen sollen angelegt werden, Spenden dafür wurden eingeworben. So soll eine neue Blühmischung bald sowohl verstärkt Insekten anlocken als auch in der Heimerzheimer Biogansanlage verarbeitet werden.

Landrat Schuster wirbt für Runden Tisch

Dass das Image der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren gelitten hat und dem bisher wenig entgegengesetzt worden sei, weiß auch Landrat Sebastian Schuster. Landwirtschaft und Politik müssten gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um Klimakatastrophen wie der Flut etwas entgegenzusetzen und die Folgen abzumildern, betonte er. Landwirtschaft und Naturschutz stünden in einem Spannungsfeld zueinander. „Die landwirtschaftliche Flächennutzung ist entscheidend dafür, ob es bei starken Niederschlägen zu ungebremsten Abflüssen und Abschwemmungen kommt“, sagte Schuster. Er forderte die Wiederaufnahme des Runden Tisches, um bisher nicht realisierte Projekte wie die Entwicklung von Ackerrandstreifen für Insekten und einen effizienten Grundwassserschutz voranzutreiben.

„Ich bin mir bewusst, dass es so nicht weitergehen kann, wenn wir unsere Ressourcen nicht dauerhaft gefährden wollen. Ich bin mir aber auch bewusst, dass die Landwirtschaft nicht der Sündenbock für alle Fehlentwicklungen ist.“ Dem konnte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner nur zustimmen. Nur im Dialog miteinander ließen sich gemeinsame Lösungsansätze für die gegenwärtigen Herausforderungen zu Fragen der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln und des Umwelt- und Naturschutzes finden.