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Fruchthof Hensen in Swisttal: 124 Erntehelfer verlassen Hof trotz Verbots

Verstoß gegen Quarantäne-Auflagen : Erntehelfer verlassen Fruchthof Hensen in Swisttal trotz Verbots

Mehr als 120 rumänische Saisonarbeiter haben sich auf dem Fruchthof Hensen in Swisttal unerlaubt der Quarantäne entzogen. Mit dem Auto sind sie Richtung Heimat gefahren - und sollen teils an Landesgrenzen gestoppt worden sein.

Eine große Gruppe rumänischer Saisonarbeiter hat den unter Quarantäne stehenden Fruchthof Hensen im Swisttaler Weiler Mömerzheim unerlaubt verlassen. Das teilten Vertreter von Gemeinde und Rhein-Sieg-Kreis am Donnerstag bei einer telefonischen Pressekonferenz mit. 19 Erntehelfer waren auf dem Hof positiv auf das Coronavirus getestet und von den übrigen gut 300 Helfern getrennt worden.

Namen und Autokennzeichen werden der Polizei übermittelt

124 Arbeiter mit zum Teil ausgelaufenen Verträgen, laut erstem Test alle nicht mit Corona infiziert, sind nach Angaben der Behördenvertreter mit dem Auto abgereist, obwohl für das Wochenende schon ein Rückflug für sie organisiert wurde. Dieser hätte eine sichere Heimkehr ermöglichen sollen. Die abgereisten Erntehelfer verstoßen sowohl gegen die Coronaschutzverordnung als auch gegen das Infektionsschutzgesetz.  „Das ist eine Straftat“, machte Rainer Meilicke, Chef des Kreisgesundheitsamts, mit Blick auf das Verhalten der Rumänen deutlich. Namenslisten und Autokennzeichen würden daher an die Polizei weitergegeben.

Wie Swisttals Erster Beigeordneter Hans-Dieter-Wirtz erläuterte, hätten viele der Erntehelfer Angst davor gehabt, ihre Privatwagen zurücklassen zu müssen und deshalb den Flug in die Heimat abgelehnt. Eine Heimreise  mit dem Auto widerspreche aber den Qurantäne-Regeln. Nun habe man Wirtz zufolge Hinweise darauf erhalten, dass abgereiste Rumänen es nicht in ihre Heimat geschafft haben, sondern an Landesgrenzen gestrandet sind.

Laut Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner hätten die Quarantäne-Brecher damit rechnen müssen. Denn Voraussetzung für die Einreise nach Rumänien, so sei es mit der dortigen Regierung abgesprochen worden, sei ein zweiter negativer Corona-Test. Um die Regelungen zu erläutern, sei schon am Montag eigens der rumänische Generalkonsul auf den Hof der Familie Hensen gekommen. Den zweiten Corona-Test gab es für die verbliebenen Erntehelfer nun am Donnerstag. Mit den Ergebnissen rechnen die Behörden diesen Samstag.

Landrat kritisiert die Abgereisten scharf

Landrat Sebastian Schuster kritisierte die abgereisten Erntehelfer scharf. Durch ihre „Undiszipliniertheit“ sei die sicher Lösung einer Rückreise per Flugzeug nicht zum Tragen gekommen.  Die Lage auf dem Hof habe – wegen des Unmuts der Abreise-Willigen –   zwischenzeitlich zu eskalieren gedroht. An Rückkehrer aus Risikogebieten appellierte er: „Wenn Sie merken, es ist etwas im Anflug, sofort melden!“ Es gebe im Rhein-Sieg-Kreis ausreichende Testkapazitäten. Menschen sollten sich „lieber zu viel“ testen lassen, um zu verhindern, dass es zu neuen Infektionen kommt. Die Erdbeerernte, bei der Fruchthof-Chef Ralf Hensen mit einem Millionen-Verlust rechnet, soll mit einem strengem Hygienekonzept von den rund 160 verbliebenen arbeitsfähigen Erntehelfern fortgeführt werden.

Wie Meilicke ausführte, müssen die Arbeiter im Bus auf dem Weg zu den Feldern nun Mund und Nase bedeckende Masken mit dem Schutzstandard  FFP2 tragen. Auch an den Erdbeer-Sammelstellen seien die Masken Pflicht. Die Bereitschaft, die Masken zu tragen, sei bei den verbliebenen Arbeitern gegeben – anders als bei ihren abgereisten Kollegen.