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Berechnungen des Erftverbands reichen nicht : Gemeinderat Swisttal vertagt Entscheidung zum Hochwasserschutz

Berechnungen des Erftverbands reichen nicht : Gemeinderat Swisttal vertagt Entscheidung zum Hochwasserschutz

Der Gemeinderat in Swisttal verweist das Thema Hochwasserschutz für die Swist in Heimerzheim zurück in den Planungsausschuss. Die Politiker fordern eine Klimawandel-Vorsorgestrategie statt mathematische Berechnungen.

Vertagt hat der Rat der Gemeinde alle Punkte rund um die Entwässerung im geplanten neuen Baugebiet Am Burggraben in Heimerzheim. In erster Linie geht es dabei um den Hochwasserschutz an der Swist. Die Thematik soll noch einmal im Planungs- und Verkehrsausschuss beraten werden.

Während diesen Bereich betreffende Anregungen gezielt ausgeklammert wurden, stimmten die Politiker in der Ratssitzung am Dienstagabend über alle anderen der etwa 150 Anregungen ab, die im Zuge der frühzeitigen Beteiligung eingegangen waren, Die Fraktionen teilten die Einschätzung von Monika Goldammer (FDP), die gesagte hatte: „Wir sollten uns von den rein mathematischen Berechnungen des Gutachters des Erftverbandes lösen und eine gezielte Vorsorgestrategie entwickeln.“

Goldammer verwies auf die „Klimawandel-Vorsorgestrategie für die Region Köln/Bonn“ des Vereins Region Köln/Bonn, der als „Praxishilfe mit konkreten Empfehlungen zur Klimavorsorgestrategie“ auch konkrete Vorschläge für Swisttal enthalte. „Wir sollten diese in unsere Überlegungen und Entscheidungen einbeziehen. Wir brauchen dafür nicht den Erftverband, sondern nur unseren politischen Willen, dass wir Vorsorge betreiben wollen.“ Zu Beginn der Sitzung hatten bei der Bürgerfragestunde aus den Reihen der rund 50 Zuhörer, wie schon in der Sitzung des Planungsausschuss größtenteils speziell an dieser Thematik interessierte Heimerzheimer, eine ganze Reihe von Fragen gestellt.

Der Erftverband sieht durch die Ableitung des Niederschlagswassers aus dem geplanten Neubaugebiet in die Swist keine erhöhte Hochwassergefahr für die Ortschaft Heimerzheim. Diese Erkenntnis gewinnt Horst Werner, Leiter des Fachbereichs Hydrologie bei der Erftverband aquatec GmbH, aus seinen Berechnungen, die er im Ausschuss vorgestellt hatte. „Wenn wir also keinen Unterschied haben, brauchen wir auch keine Regenrückhaltung zu bauen. Es gibt weder aus Hochwassergründen noch aus Gewässerschutzgründen eine Veranlassung, eine Rückhaltung zu bauen“, sagte der Diplom-Ingenieur. Weder die direkte Einleitung von Regenwasser, noch eine Rückhaltung mit gedrosselter Einleitung würden den Hochwasserscheitelwert der Swist beeinflussen.

Joachim Euler (SPD) unterstützte Goldammers Vorschlag. „Nach dem Gutachten waren wir alle überzeugt, dass alles stimmig ist. Aber wir sollten noch einmal darstellen, dass sich das Ergebnis nicht nur auf die Einleitungsstelle bezieht, sondern auf ganz Heimerzheim. Und dabei auch die Unterlage des Vereins zur Klimawandel-Vorsorgestrategie einbeziehen“, sagte er. Uschi Muckenheim (BfS) plädierte dafür, „für die Bürger zu entscheiden und ein Regenrückhaltebecken vorzusehen“. Auch Karl-Heinz Peters (Die Swisttaler) ist überzeugt: „Wir brauchen Schutz für die Bürger.“

Werner Hahnenberg (CDU) schlug dagegen ein Regenrückhaltebecken mit Versicherungsbrunnen vor. Sven Kraatz (Grüne) forderte, den Klimaschutzmanager in die weiteren Überlegungen einzubeziehen. Geklärt hatte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner mittlerweile, dass unter dem Aspekt ökologischer Zielsetzung tatsächlich im Bebauungsplan hauseigene Zisternen auf den privaten Grundstücken im Neubaugebiet festgelegt werden können.