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Gesamtschule in Swisttal: 100 Anmeldungen erreicht - Schulstart möglich

Über 100 Anmeldungen erreicht : Der Start der Gesamtschule in Swisttal ist gesichert

Am Freitagmittag stand es fest: Mit 102 Anmeldungen kann der Betrieb der Gesamtschule in Swisttal zum nächsten Schuljahr starten.

Die E-Mail, die am Freitag um 7.43 Uhr in ihrem Rechner aufploppte, wird Petra Kalkbrenner lange in Erinnerung behalten. Darin teilte die Bezirksregierung Köln der Swisttaler Bürgermeisterin mit, die erforderliche Anzahl von 100 Anmeldungen für die Gründung einer Gesamtschule sei erreicht. „Die Schule gilt als erfolgreich errichtet“, hieß es in der Mail aus Köln.

Und auf diesen Erfolg war Kalkbrenner eine gute Stunde später bei der offiziellen Verkündung der guten Nachricht in der Aula der Sekundarschule Heimerzheim (ja, so heißt sie noch) sichtlich stolz. Bis Freitagmittag wurden insgesamt 102 Anmeldungen gezählt, Anmeldungen per Mail sind noch bis Mitternacht möglich. 73 Anmeldungen kommen aus der Gemeinde Swisttal, drei aus Euskirchen, neun aus Alfter, acht aus Bornheim und neun aus Rheinbach. Hinzu kommen die zehn Kinder aus Weilerswist, die im Anmeldeverfahren nicht zählten, weil der Weilerswister Rat eine Beschulungsvereinbarung mit Swisttal aus Sorge um den Bestand der eigenen Gesamtschule ablehnte. Diese Schülerinnen und Schüler können nun, da die Gesamtschule in Heimerzheim zustande kommen, dort aufgenommen werden.

Umzug in den Neubau erst 2024

Der Startschuss für die neue Gesamtschule fällt am 18. August dieses Jahres mit der Einschulung. Aus diesem Jahrgang werden dann zahlreiche Schülerinnen und Schüler im Jahr 2030 ihr Abitur machen. „Das erste Swisttal-Abi“, freute sich Kalkbrenner. Die Gesamtschule läuft im Gebäude der jetzigen Georg-von-Boeselager-Sekundarschule an. Im Jahr 2024, so das Ziel von Kalkbrenner, soll der Umzug in den Neubau auf dem benachbarten Gelände an der Viehtrift über die Bühne gehen. Etwa 30 Millionen Euro wird der für 800 Schüler konzipierte Bau kosten.

Die Bürgermeisterin betonte immer wieder, dass die jetzt feststehende Einrichtung der Gesamtschule ein Erfolg sei, zu dem viele Menschen beigetragen hätten: „Eine Höchstleistung.“ Sie erwähnte die Sekundarschule selbst als „Motor der Projekts“, in das sie „enorm viel Energie und Kreativität“ gesteckt habe. Trotz der Corona-Pandemie habe man mit den Agenturen Dederichs und Rheinland Relations erfolgreich für die Gesamtschule geworben. Kalkbrenner nannte auch die Swisttaler Politik, die das Projekt in großer Einigkeit beschlossen und unterstützt habe. „Mit dem Neubau haben wir dann noch mehr Möglichkeiten, diese Zukunftsaufgabe für die Gemeinde, die Kinder, die Eltern und die Lehrer zu bewältigen“, sagte Kalkbrenner. Die Gemeinde werde die Bevölkerung und die Anwohner bei diesem Projekt „mitnehmen“.

Ausbau der Schwerpunkte in den MINT-Fächer und im Sport geplant

Auch Schulleiterin Sybille Prochnow Penedo, seit Anfang Februar im Amt, war froh und erleichtert, „obwohl ich die letzten drei Wochen kaum geschlafen habe“, wie sie sagte. Ein Drittel des Einschulungsjahrgangs werde in Heimerzheim Abitur machen, wagte sie eine Prognose, nachdem sie sich die Grundschulzeugnisse ihrer künftigen Schützlinge angesehen hatte. „Jedes Kind ist hier herzlich willkommen“, sagte sie. Es werde entsprechend seiner Talente gefördert. Es könne nicht sein, dass ein neunjähriges Kind wegen einer schlechten Note in Mathe oder Deutsch keine schulische Perspektive habe.

Prochnow Penedo will den Schwerpunkt der Sekundarschule in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und Sport auch innerhalb der Gesamtschule weiter ausbauen. Im Sport werden beispielsweise Arbeitsgemeinschaften zum Segeln, Taekwondo, Golf, Badminton, Tennis und Athletik angeboten. Und die Schulleiterin möchte internationale Austausche anbieten, langfristig auch mit einer Schule in England. Auch mit der Gesamtschule Weilerswist werde man selbstverständlich kooperieren. Das Nein des dortigen Rates zu einem Vertrag mit Swisttal habe damit nichts zu tun.

CDU kritisiert aktuellen „Schultourismus“

Konrektorin Barbara Ulbrich hatte als kommissarische Schulleiterin das Konzept für eine bereits Gesamtschule auf den Weg gebracht. Sie dankte für die gute Kooperation mit Politik, Verwaltung und Eltern. Zu den ersten Gratulanten der neuen Schule in der Aula gehörte der Vorsitzende des Swisttaler Schulausschusses, Stephan Faber (Grüne). Der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß (CDU) sagte, die neue Gesamtschule in Swisttal sei eine Bereicherung der linksrheinischen Schullandschaft.

Unterdessen kritisiert die Rheinbacher CDU-Fraktion den „Schultourismus“ zwischen Rheinbach und Swisttal. Denn zahlreiche Swisttaler Eltern hätten ihre Kinder an der Rheinbacher Gesamtschule angemeldet. Dies habe dazu geführt, dass die Rheinbacher Gesamtschule aufgrund des streng geregelten Anmeldeverfahrens auch in diesem Jahr wieder vielen Rheinbachern eine Absage habe erteilen müssen. Diese abgelehnten Rheinbacher Kinder müssten nun die Gesamtschule in Swisttal besuchen. „Hier liegt eindeutig ein Fehler im System vor“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Schneider, der auch Vorsitzender des Rheinbacher Schulausschusses ist. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Gesetzgeber solch einen Schultourismus zulässt.“