Experten nehmen Stellung Großer Andrang beim Dialogforum Windenergie in Swisttal

Swisttal · Es kam gar nicht erst zu den einzelnen Themenecken mit den dafür eingeladenen Experten, die die Gemeinde Swisttal für das erste Dialogforum Windenergie am Donnerstagabend im Dorfhaus Ollheim geplant hatte.

 Blick auf Wesselinger Windräder: Zu den Swisttaler Windkraftplänen gibt es noch viele Fragen.

Blick auf Wesselinger Windräder: Zu den Swisttaler Windkraftplänen gibt es noch viele Fragen.

Foto: Volker Lannert

Die Bürger wollten im Plenum Antworten auf ihre Fragen. So war es für die Anwesenden der Gemeinde und die Experten, die zu den geplanten Windkraftanlagen (WKA) Stellung beziehen wollten, nicht einfach, sich Gehör in der erhitzen Runde zu verschaffen. Mehr als hundert Menschen waren ins Dorfhaus gekommen.

"Natur und Mensch müssen mitgenommen werden, dann klappt die Energiewende", betonte Jürgen Funke, Fachgebietsleiter Gemeindeentwicklung. Rechtsanwalt Felix Pauli informierte über die rechtlichen Aspekte. So erklärte er, dass die Kommunen verpflichtet seien, Umweltmaßnahmen umzusetzen und regenerative Energiequellen voranzutreiben. Zudem machte er deutlich, dass Windenergie im Außenbereich grundsätzlich zulässig sei.

Er sprach außerdem eine von Bürgern im Vorfeld eingeschickte Frage an, in der der geplante Abstand von 900 Metern zur Stadtgrenze hinterfragt wurde: "Die Gemeinde kann keine Einzelplatzentscheidung treffen. Die Abstände sind flächendeckend umzusetzen", so Pauli. Zudem habe sich die Stadt bereits für die sogenannte weiche Tabuzone entschieden, die einen Abstand von 900 Metern vorsehe.

Detlef Naumann vom Planungsbüro sgp architekten in Meckenheim legte im Anschluss seine Planungsabsichten dar. "Ich bin gezwungen, bestimmte Dinge so abzuarbeiten, dass sie den gesetzlichen Kriterien und der Bevölkerungssituation entsprechen", sagte er. Zudem dürfe der Flughafenverkehr des Fliegerhorsts Nörvenich nicht gestört werden.

Daher gehe man davon aus, dass eine Höhe von 273 Meter über Normalnull (NN) nicht überschritten werden dürfe. Wie hoch die Windräder dann konkret wären, stehe noch nicht fest. "Wir sind in einem Planungsprozess, der noch nicht fertig ist", sagte Naumann, betonte aber: "Wir bekommen keine Monsterräder. Es sind 900 Meter Abstand zu Wohngebieten, 500 Meter zu Einzelhofanlagen und 300 Meter zur A 61 und zu dem ebenfalls im Einzugsgebiet ansässigen Modellflughafen geplant", erläuterte er.

Michael Ginster aus dem Planungsbüro für Landschaftsplanung und Artenschutz stellte die Tabuzonen vor, die zum Schutz von Menschen und Tieren dienen. Dazu zählen unter anderem Naturschutzgebiete, die Kiesgrube Dünstekoven und der Wald am Schloss Miel. Manfred Heppekausen, Sachverständiger für Lärmschutz, erläuterte, mit welchen Lärmbelastungen die Bewohner zu rechnen hätten.

Bei einem Abstand von mehr als 250 Metern sei eine Gefährdung der Einwohner durch Infraschall ausgeschlossen. Darunter versteht man den Schall, dessen Frequenz unterhalb von 16 Hertz liegt und der für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbar ist. Nach diesem Vortrag unterbrach das Publikum den Redner mit drängenden Fragen.

Neben gesundheitlichen Bedenken ging es auch um die Sorge eines Werteverlustes für nahe gelegene Häuser. Auch wurde der Wunsch vieler deutlich, die Anlagen grundsätzlich weiter weg von den Wohngebieten zu planen. Die Themenecken, in denen die Experten den Bürgern jeweils Frage und Antwort stehen sollten, wurden kritisiert. "Die Fragen sollen in der Runde diskutiert werden und nicht in Ecken. Es sollte offen gesprochen werden", meldete sich Günter Aulenbach, Vorstand der Bürgerinitiative "Lebenswertes Swisttal" zu Wort. Auch wenn die Organisatoren der Meinung waren, dass Spezialfälle in den Themenecken besser aufgehoben wären, beugten sie sich der Mehrheit.

Rechtsanwalt Pauli erläuterte noch einmal, warum die Gemeinde eine Steuerung über die Platzierung der Windkraftanlagen vornehme: "Die Gemeinde muss keine Steuerung vornehmen, aber dann erfolgt eine Privilegierung", sagte er. Dies würde bedeuten, dass jeder Grundstücksbesitzer einen Antrag auf die Aufstellung einer Windkraftanlage stellen könne. Die Gemeinde hingegen sehe nur einen Bereich von 77 von 6823 Hektar vor, in dem Anlagen aufgestellt werden könnten.

Da die Flut der Fragen zu groß war, einigte man sich darauf, alle eingesandten Fragen zu sichten und die Antworten ins Internet zu stellen. Dann folgte der hintangestellte Vortrag von Kathrin Gehles von der Energieagentur NRW, die mögliche finanzielle Beteiligungsvarianten vorstellte. So könnten die Bürger entweder mitproduzieren und dadurch jährlich eine Bonuszahlung erhalten oder aber die Windkraftanlagen mitfinanzieren und eine Rendite erzielen. Dies könne für die Bürger ein Mittel zur Akzeptanzsteigerung sein. "Akzeptanz lässt sich zwar erhöhen, aber nicht kaufen", gab Gehles aber zu bedenken.

Die von den Bürgern eingesandten Fragen sind auf der Internetseite der Gemeinde, www.swisttal.de, veröffentlicht. Dort sollen sie in den nächsten 14 Tagen auch beantwortet werden. Die Vorträge der Experten sind ebenfalls auf der Seite unter den Menüpunkten Aktuelles/Dialog-Windenergie/Expertenvorträge einzusehen. Das nächste Dialogforum findet am Donnerstag, 19. September, von 18 bis etwa 21 Uhr im Dorfhaus Ollheim, Kanalstraße 1, statt.

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