Neubau und Lehren aus der Flut Das sind die Pläne für die Feuerwehr in Heimerzheim

Heimerzheim · Noch muss sich die Feuerwehr in Heimerzheim mit einem Provisorium begnügen, doch die Planungen für den Neubau gehen voran. Das ist der Stand.

Kleiner Mann im großen roten Auto: Für den Nachwuchs ist es ein Erlebnis, mal in einem echten Feuerwehr-Einsatzwagen zu sitzen.

Kleiner Mann im großen roten Auto: Für den Nachwuchs ist es ein Erlebnis, mal in einem echten Feuerwehr-Einsatzwagen zu sitzen.

Foto: Stefan Knopp

Das ist eine deutliche Aussage. „Man kriegt schon Gänsehaut, wenn man die Bilder aus dem Saarland sieht“, sagte Jens Koßmann, Löschgruppenleiter der Heimerzheimer Feuerwehr. Da kamen Erinnerungen hoch, hat man doch im Juli 2021 am eigenen Standort ebenfalls das Wasser der Swist in der Wagenhalle und den Sozialräumen gehabt. Die Feuerwache war lange Zeit nicht benutzbar, und noch eine ganze Weile werden die Feuerwehrleute in einem Provisorium arbeiten, das gar nicht wie ein solches wirkt. Davon konnte man sich beim Feuerwehrfest am Pfingstsonntag überzeugen.

Es gab einen logistischen Nachteil

Dort gab es neben Kinderprogramm und Essen auch Informationen zu den Flutschäden – das Wasser stand fast zwei Meter hoch und beschädigte Räume und Ausrüstung – und den Plänen für den Wiederaufbau. Derzeit nutzt die Löscheinheit eine fest installierte Halle, die aber wieder abgebaut wird und anderweitig verwendet werden kann – ob und wie die Gemeinde Swisttal das nutzen wird, konnte auch Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner bei ihrem Besuch nicht sagen.

Wasser Marsch! Der Nachwuchs übt sich beim Heimerzheimer Feuerwehrfest im Zielspritzen.

Wasser Marsch! Der Nachwuchs übt sich beim Heimerzheimer Feuerwehrfest im Zielspritzen.

Foto: Stefan Knopp

Bis die Halle auf dem Vorplatz der Löscheinheit sowie eine Interim-Sozialcontaineranlage installiert waren, fuhren die Feuerwehrleute laut Koßmann gut ein Jahr lang von der Rettungswache des Rhein-Sieg-Kreises am anderen Ende von Heimerzheim aus zu Einsätzen. Logistisch ein Nachteil: „Wir brauchten im Durchschnitt vier Minuten länger als sonst, bis wir ausrücken konnten.“ Hinzu kam, dass viele Dinge zerstört wurden, von Schulungsmaterial bis zur Fritteuse, die die Versicherung der Gemeinde nicht abdeckte – da war die Löscheinheit auf Sach- und Geldspenden angewiesen.

Sehr spendabel war die Rotary Help-Hochwasserhilfe (RHH), die mehrere Rotary Clubs aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis nach der Ahr-Flutkatastrophe eingerichtet hatten. Sie spendete 10.000 Euro an den Förderverein der Löscheinheit. Auf dem Feuerwehrfest übergaben Vertreter der RHH die Spende. Die Freiwillige Feuerwehr in Heimerzheim kann davon unter anderem ein neues Smart Board, einen Hochdruckreiniger, eine Werkbank, einen Gasgrill und eine Powerstation anschaffen.

Der Neubau soll laut Koßmann auch möglichst hochwassersicher sein. Dafür muss das Gefälle auf dem Grundstück beseitigt werden. „Wir wollen das Gelände auf das Niveau der Schützenstraße bringen.“ Die Gebäude sollen so gebaut werden, dass eindringendes Wasser wenig Schaden anrichtet – also zum Beispiel keinen Estrich und die Elektronik oben am Gebäude einbauen statt in den Boden.

Feuerwehr hat dazugelernt

Der Starkregen vor gut zwei Wochen hatte viele wieder nervös gemacht. Die Feuerwehr hat dazugelernt, macht Präventivarbeit, so Koßmann, und patrouillierte in den Nächten in regelmäßigen Abständen. Außerdem nutze man verschiedene Quellen, um solche Situationen einschätzen zu können. Die Heimerzheimer Kameraden haben ihm zufolge die Flutnacht weitgehend gut überstanden. „Es gibt Leute, die kommen seitdem nicht mehr“, erzählte Koßmann. Aber er könne nicht sagen, ob das an traumatischen Erlebnissen liegt. Die offiziellen Hilfsangebote für psychosoziale Unterstützung seien jedenfalls nicht in Anspruch genommen worden. Nach der Flut, konnte er berichten, habe es einen enormen Zulauf gegeben: Vor der Flut habe die Löscheinheit etwa 35 Mitglieder gehabt, jetzt seien es fast 50.

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