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Helfer versorgen Heimerzheimer Flutopfer mit frischem Essen

Hochwasser in Heimerzheim : Fluthelfer kochen jeden Tag 100 warme Mahlzeiten

In Heimerzheim versorgen Freiwillige die Flutopfer täglich mit warmen Mahlzeiten. Die Hilfe wird dankbar angenommen.

Es ist 12.15 Uhr am Pfarrzentrum der katholischen Kirchengemeind in Heimerzheim: Die Biertischgarnituren sind schon aufgebaut. Auf den Ausgabetischen stehen schon die Rechauds. „Da kommt die Bolognesauce“, sagt Iris Grosdidier. Die mit der frischen Fleischsauce gefüllten Thermoforen werden aus dem Kofferraum eines Privatautos geladen. „Heute gibt es wahlweise Spinatsauce oder Bolognesesauce mit Spaghetti“, sagt Grosdidier. Sie ist eine von rund 20 Helferinnen und Helfern, die täglich zwischen 12.30 und 14.30 Uhr frisches Mittagessen am Pfarrzentrum ausgeben.

 Der Chor „Die Römer“ mit Sängern aus Rösberg, Merten und Heimerzheim sang vor dem katholischen Pfarrheim in Heimerzheim.
Der Chor „Die Römer“ mit Sängern aus Rösberg, Merten und Heimerzheim sang vor dem katholischen Pfarrheim in Heimerzheim. Foto: Saxler-Schmidt

Der Speiseplan ist abwechslungsreich: mal Spinat mit Kartoffeln und Eiern, mal Curry-Wurst-Pfanne oder ein anderes Mal frische Reibekuchen. „Für 100 Personen“, sagt Iris Grosdidier. Da heißt es, viele Kartoffeln schälen und reiben. Gut, dass eine Gruppe von Auszubildenden des Bundespolizeistandorts Heimerzheim die Helfenden täglich von Montag bis Donnerstag unterstützt.

Helfer versorgen Heimerzheimer Flutopfer mit frischem Essen
Foto: Saxler-Schmidt

Beginn mit Dosensuppe

Die Idee der dauerhaften Einrichtung der Mittagessensausgabe am Pfarrzentrum sei nach den Sommerferien entstanden, sagt Elisabeth Wilhelmi-Dietrich, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Damals sei deutlich bemerkbar gewesen, dass sich die Helfenden langsam zurückzogen, weil zum Beispiel ihr Urlaub zu Ende war und sie wieder arbeiten. „Wir haben dann zuerst auf zwei Herdplatten begonnen, Dosensuppen heiß zu machen und auszugeben“, erinnert sie sich.

Zunächst seien nur acht oder neun Personen gekommen. Inzwischen sind es bis zu 100 täglich, Helfende ebenso wie Bedürftige. Manche auch nicht wegen des Essens allein. „Eine ältere Dame sagte neulich zu mir, sie komme gar nicht mehr wegen des Essens, sondern wegen der Gespräche, die sie hier führen könne“, erzählt die Organisatorin.

20 Leute bilden den harten Kern

Zum „harten Kern“ des Teams zählt sie etwa 20 Leute, viele von der katholischen Frauengemeinschaft (kfd), aber auch Männer und Frauen, die einfach dazugestoßen sind, aus Heimerzheim ebenso wie aus Walberberg oder Brenig. „Es ist eine wahnsinnige Gemeinschaft entstanden“, beschreibt Wilhelmi-Dietrich.

Inzwischen hat sich auch ein Kreis von Unterstützern und Spendern zusammengefunden. Sei es Gemüse Rothkopf, Schwarz Gemüse- und Erdbeeranbau, Bäckerei Voigt, die Firma Buss mit Dosen-Fertiggerichten, Rotary, Bundespolizei, DRK, die Tafel und viele andere. „Auch zum Beispiel ein ganzer Trupp Helfer aus dem Erzgebirge, die viele Spenden mitgebracht haben“, so Wilhelmi-Dietrich.

Hotel Weidenbrück hilft

Wenn irgendetwas an Gastro-Ausstattung gebraucht wird, stellt es Familie Weidenbrück vom örtlichen Hotel-Restaurant zur Verfügung, ergänzt Grosdidier. Aus den zwei Herdplatten ist inzwischen eine professionelle Ausstattung geworden mit gespendeten Kühlschränken, einer Profi-Spülmaschine und einem Tiefkühlschrank, in dem auch selbst geschnibbeltes Gemüse für die nächste Mahlzeit aufbewahrt wird.

Die Stromversorgung läuft provisorisch über Baustrom, der von einem Elektrikertrupp entsprechend nach innen verlegt wurde. Denn das Pfarrzentrum war auch der Flut betroffen und wurde im Arbeitseinsatz geschrubbt. Ob es saniert oder neu gebaut wird, sei noch zu klären, sagt die PGR-Vorsitzende. Derzeit stehen dort palettenweise Hilfsgüter und Spenden, die an Bedürftige ausgegeben werden.

„Die Römer“ singen

Am Samstag gab es neben dem warmen Essen auch ein Dankeschön-Live-Konzert: Unter der Leitung von Hagen Fritsche brachten 20 Sänger des Chors „Die Römer“ aus Rösberg und Merten mit den „letzten Versprengten“ des MGV Heimerzheim, so Hermann Menth, ein wenig Normalität zurück. Beim Medley mit Hits von Udo Jürgens etwa von „Merci, Cherie“ bis „Aber bitte mit Sahne“ wurde mitgesungen, bevor sich Publikum und Männerchor bei „Rock my Soul“ zum großen Spontanchor zusammenfanden.