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Helmut Kalenborn aus Swisttal ist der Bergkönig von Mallorca

Helmut Kalenborn aus Swisttal : Der andere König von Mallorca

Jürgen Drews ist der selbsternannte König von Mallorca. Aber es gibt noch einen weiteren deutschen Monarchen auf der Insel: Der aus Swisttal-Straßfeld stammende Rennfahrer Helmut Kalenborn ist der Bergkönig von Mallorca.

Rennsportfans in der Region werden es wissen: Es gibt nur einen König von Mallorca. Und der heißt nicht Jürgen Drews, sondern Helmut Kalenborn (82). Dem aus Swisttal-Straßfeld stammenden Rennfahrer haben Thomas Födisch und Rainer Rossbach nun ein akribisch recherchiertes und aufwendig gestaltetes Buch gewidmet. Es wird am Freitag, 23. September, ab 19 Uhr im Straßfelder Dorfhaus in Anwesenheit Kalenborns, der bereits lange auf Mallorca lebt, vorgestellt.

1976 fuhr Kalenborn sein erstes Rennen auf Mallorca. Zuvor hatte der gelernte Kfz-Meister mit eigener Werkstatt in Euskirchen bereits einen Großteil seiner Ersparnisse in Rennwagen investiert. Mit ihnen nahm er an nationalen und internationalen Rundstrecken- und Bergrennen in Deutschland, Luxemburg, Belgien, in den Niederlanden sowie der damaligen Tschechoslowakei teil.

Mit einem NSU-Brixner-Rennwagen belegte Kalenborn beim 500-Kilometer-Eifelpokal am 3. September 1972 auf dem Nürburgring sensationell den zweiten Platz. Bis 1975 startete Kalenborn auf dem Nürburgring, in Hockenheim, auf dem Flugplatz-Kurs in Mainz-Finthen und in Diepholz. Als er ab Mitte der 1970er Jahre auch zahlreiche Formel-Super-Vau-Rennen bestritt, zählte auch der spätere Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg zu seinen Gegnern.

Erster Deutscher bei den Bergrennen

Die Karnevalstage 1976 verbrachte Kalenborn auf Mallorca. Auf einem Ausflug nach Sóller wurde er schlagartig hellhörig, als der Busbegleiter von einer Straße erzählte, die von dem kleinen Orangen-Dorf Sóller auf den höchsten Berg der Insel, den Puig Major führte - und auf der jedes Jahr im September das Finalrennen der regionalen Bergrennmeisterschaften stattfand. Sein Interesse war geweckt.

Nach seiner Rückkehr berichtete Kalenborn seinem Bekannten im Reisebüro in Euskirchen von der Möglichkeit, im kommenden Herbst an einem Autorennen auf der Insel teilzunehmen. Der wiederum bat seinen Geschäftspartner auf Mallorca, Martin Cardona, um Unterstützung. Cardona war neben seiner Tätigkeit als Reisekaufmann auch begeisterter Bergrennfahrer. Und darüber hinaus erfreut, dass Kalenborn als erster Deutscher an mallorquinischen „Pujadas" (Bergrennen) teilnehmen wollte.

„Martin war der Schlüssel für meinen Start auf der Insel. Er sprach perfekt Deutsch, machte mich bei Freunden bekannt und beherbergte mich später in seinem Haus", sagt Kalenborn. Der Deutsche kam anfangs nur im September für das Saison-Abschlussrennen am Puig Major mit eigenem Rennwagen auf die Insel. Und sorgte dort im zweiten Jahr für Aufsehen: „Ich hatte von einem luxemburgischen Fahrer-Kollegen den Ex-Hans-Joachim Stuck Formel-II-March BMW gekauft. So einen Wagen hatte man auf Mallorca zuvor noch nie gesehen. Die Leute gerieten beim Anblick schlichtweg aus dem Häuschen", erinnert sich Kalenborn.

Auf der Piste: Helmut Kalenborn im Jahr 1997 bei einem Bergrennen auf Mallorca.
Auf der Piste: Helmut Kalenborn im Jahr 1997 bei einem Bergrennen auf Mallorca. Foto: Tolo Martorell

Den Kollegen Ersatzteile beschafft

Neid oder gar Missgunst erntete er aber nicht. „Helmut war niemals ein Aufschneider oder Prahlhans", erzählt beispielsweise Rafael Abraham, Präsident des Balearischen Motorsport-Verbandes. „Im Gegenteil - obwohl er sich anfangs oft nur durch Gesten oder einzelne aufgeschnappte spanische Wörter ausdrücken konnte, bot er jedem Piloten seine Hilfe an. Und das waren nie leere Versprechen." Etliche Ersatz- und Zubehörteile für die oftmals zu Rennwagen aufgemotzten Kleinwagen, aber auch seltene oder hochwertige Rennsport-Ausrüstung, die damals schwer zu beschaffen waren, gelangten dank Kalenborn nach Mallorca. Ab Mitte der Saison 1982 nahm er ständig an den Meisterschaftsläufen auf Mallorca teil. 1983 fuhr er die komplette Balearen-Bergmeisterschaft und gewann sie. Auch im Folgejahr holte sich Kalenborn beim Abschlussrennen am Puig Major den Gesamtsieg. Und damit machte er auch Insel ansässige Unternehmen auf sich aufmerksam. „Die Preisgelder für die drei Erstplatzierten bei der Balearischen Bergmeisterschaft lagen nur zwischen 200 und 300 Mark. Das reichte oft gerade für das gemeinsame Abendessen nach der Preisverleihung", erklärt Kalenborn.

Seit 1999 lebt Kalenborn auf Mallorca

Die Kosten für die Teilnahme dagegen waren erheblich. Neben dem Kaufpreis des Rennwagens, der je nach Wertungsklasse und Kategorie bereits ein kleines Vermögen verschlang, fielen im Laufe einer Saison auch erhebliche Kosten für Reifen- und Teile-Verschleiß, Reparaturen sowie die Startgebühren an. Ein Werbe-Sponsoring am Fahrzeug war die einzige Möglichkeit, diesen finanziellen Aderlass zu mildern. Als einer der ersten deutschen Rennsport-Mäzene auf Mallorca ließ der ehemalige „Mietwagenkönig" Hasso Schützendorf sein Firmenlogo auf Kalenborns Rennwagen anbringen. Auch für die ehemalige Fluggesellschaft LTU war Kalenborn Werbeträger.

1999 verkaufte Kalenborn Haus und Unternehmen in Straßfeld und Euskirchen und zog ganz auf die Insel. 2002 wurde er zum letzten Mal balearischer Bergmeister - im stolzen Alter von 62 Jahren. Drei Jahre später ging er am Puig Major zum letzten Mal an den Start: mit einem Radical V 8. Dort erinnert seit 2014 eine vom Balearischen Motorsportverband aufgestellte, in Stein gemeißelte Gedenktafel an die sportlichen Erfolge des Deutschen, der aktuell im Ruhestand auf Mallorca lebt.

Thomas Födisch/Rainer Rossbach: „Helmut Kalenborn: Der Bergkönig von Mallorca“. Vorstellung am Freitag, 23. September, ab 19 Uhr im Dorfhaus in Straßfeld. 112 Seiten, Abbildungen. 24,90 Euro.