Hochwasserschutz CDU Swisttal: „Entscheidung grob fahrlässig“

Swisttal · In der Verbandsversammlung des Wasserversorgungsverbandes Euskirchen-Swisttal zeigten sich zwischen der Kreisstadt und der Rhein-Sieg-Gemeinde unterschiedliche Einstellungen zur Steinbachtalsperre. Auf ein Schreiben des Euskirchener Stadtverordneten Thomas Keßeler dazu meldet sich nun die CDU Swisttal.

Die Zukunft der Steinbachtalsperre ist zwischen Euskirchenern und Swisttalern umstritten.

Die Zukunft der Steinbachtalsperre ist zwischen Euskirchenern und Swisttalern umstritten.

Foto: Petra Reuter

Die Steinbachtalsperre und der Hochwasserschutz: Dazu hatte sich zuletzt der Euskirchener Stadtverordnete Thomas Keßeler (Grüne) geäußert. Er betonte die Priorität des Hochwasserschutzes, wandte sich aber auch gegen seiner Ansicht nach polemische Äußerungen von Swisttaler Mitgliedern der Verbandsversammlung des Wasserversorgungsverbandes Euskirchen-Swisttal (WES). Diese Priorisierung des Hochwasserschutzes begrüßt auch die CDU Swisttal. Allerdings nimmt sie in einer Pressemitteilung differenziert Stellung zu Keßelers Aussagen. Sie hat Fragen zum Abstimmungsverhalten der Euskirchener im WES. Dort fiel zuletzt mit den neun Stimmen der Euskirchener gegen vier Stimmen aus Swisttal der Beschluss für eine Einstauung in der Talsperre auf bis zu drei Vierteln der ursprünglichen Höhe, was 750.000 Kubikmeter Wasser entspricht.

Unbeantwortete Fragen

In der Diskussion geht es um zwei unterschiedliche Werte: Die maximale Betriebsstauhöhe, die angibt, wie viel Wasser im Höchstfall aufgestaut wird und die damit unter anderem grundlegend ist für bauliche und technische Planungen ist, sowie das tatsächliche Einstauvolumen, die Wassermenge, die am Ende nach einem noch zu erstellenden Betriebsplan wirklich gestaut wird. Denn auch wenn die Talsperre für 750.000 Kubikmeter ausgelegt wird, könnten diese Mengen im Betrieb unterschritten werden. Einen entsprechenden Vorschlag, in der Verbandsversammlung direkt ein tatsächliches Einstauvolumen von 550.000 Kubikmeter festzulegen, was den geforderten 500.000 Kubikmeter Retentionsfläche entspräche, lehnten aber die Euskirchener ab.

„Die Frage, warum die Ablehnung erfolgte, blieb schlicht unbeantwortet“, kritisiert nun die CDU Swisttal. „Die jetzige Aussage von Thomas Keßeler, dass diese Entscheidung dann im Rahmen der Erstellung des Betriebskonzeptes in ein oder zwei Jahren getroffen werde und insofern ja alles in bester Ordnung sei, ist mit Blick auf das von ihm abgegebene Hochwasserschutzbekenntnis nicht nachvollziehbar. Die baulichen Hochwasserschutzmaßnahmen der unterhalb der Steinbachtalsperre gelegenen Gemeinden werden auch in ein oder zwei Jahren völlig unverändert sein“, heißt es in der Mitteilung der Swisttaler CDU.

Forderung nach einem kurzfristigen Beschluss

„Allein die Vorstellung, dass zusätzliche 200.000 m³ Wasser ohne Not oberhalb von Swisttal aufgestaut werden können und dass diese Wassermenge unter bewusster Hinnahme von erheblichen Schäden durch die Swisttaler und durch die anderen unterhalb der Talsperre liegenden Orte gespült werden kann, lässt die Entscheidung der Euskirchener Verantwortlichen schlicht grob fahrlässig erscheinen.“ Am Ende der CDU-Mitteilung steht die Forderung nach einem kurzfristigen Beschluss zur maximalen Einstaumenge: „Alles andere ist unglaubwürdig, undifferenziert und nicht mehr als ein einfaches Lippenbekenntnis.“

 Die Steinbachtalsperre liegt in Euskirchen. Wasser von dort fließt aber vor allem durch Swisttal.

Die Steinbachtalsperre liegt in Euskirchen. Wasser von dort fließt aber vor allem durch Swisttal.

Foto: GA Grafik

Zuständig an den Bächen ist der Erftverband

Die Steinbachtalsperre liegt auf Euskirchener Gebiet, der Steinbach fließt danach überwiegend durch Swisttaler Ortschaften. Die Talsperre gehört dem WES, für den Hochwasserschutz entlang des Baches ist der Erftverband zuständig. Hochwasserschutz an der Talsperre könnte ungefähr so funktionieren: Wasser, beispielsweise aus Starkregen, wird in der Talsperre zurückgehalten und nur nach und nach an den Bach abgegeben. Wie viel Wasser aufgehalten werden kann, bestimmt die Größe des Retentionsvolumen. Eine weitere Rolle spielen aber auch der Hochwasserschutz an den unterliegenden Orten und die Wassermengen, die dort maximal durch den Bachlauf passen. Wichtig zur Standsicherheit des Dammes ist dessen Überstromfähigkeit. Die wiederum wird durch die maximale Betriebsstauhöhe beeinflusst.

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