Interview mit Designerin Anja Clemens Künstlerin schafft Werke, die auch Guns‘n‘Roses-Gitarrist trägt

Interview | Swisttal-Buschhoven · Wenn Guns‘n‘Roses-Gitarrist Slash auf den Bühnen dieser Welt steht, jubeln ihm Tausende zu. Bei einem seiner Auftritte trug er nun ein ganz besonderes T-Shirt, designet von der Swisttaler Künstlerin Anja Clemens. Wie es dazu kam.

 Anja Clemens mit dem Original Klecksbild von Sebastian Krüger. Daraus gestaltete sie ein T-Shirt, das Guns´n´roses Gitarrist Slash auf die internationalen Bühnen brachte.

Anja Clemens mit dem Original Klecksbild von Sebastian Krüger. Daraus gestaltete sie ein T-Shirt, das Guns´n´roses Gitarrist Slash auf die internationalen Bühnen brachte.

Foto: Stephan Faber

Von der Swist auf die großen Bühnen der Welt: Zumindest die Arbeiten der Künstlerin Anja Clemens haben das geschafft. Die in Heimerzheim aufgewachsene Grafikdesignerin lebt und arbeitet in Buschhoven. In ihrem Atelier hier entwirft sie unter anderem T-Shirt Motive. Zuletzt trug der Guns-N‘-Roses Gitarrist Slash bei seinem Konzert in Luxemburg Anfang Mai solches Shirt ein Werk der Illustratorin. Wie das Motiv entstand und welcher Künstler sie inspiriert, darüber sprach GA-Autor Stephan Faber mit der 56-Jährigen

Frau Clemens, wie ist Ihr Motiv auf die große Bühne gekommen?

Anja Clemens: Das Bild stammt aus meinem ersten Workshop mit Sebastian Krüger. Krüger hat immer ein Blatt, an dem er seinen Pinsel abstreift. Ich wollte das damals als Erinnerung mitnehmen. Er hat es mir dann noch mit einem Totenkopf aufgepimpt und signiert. Seitdem hängt es bei mir im Atelier. Ich habe für die Workshopteilnehmer im Oktober ein T-Shirt kreieren sollen und habe dieses „Skull-Bild“ von damals freigestellt und digital nachbearbeitet. Sebastian hat dann beim Konzert in München Ende April diesen Jahres Slash ein Exemplar geschenkt. Zusammen mit Krügers Ehefrau Andrea wird jetzt aktuell eine internationale Vermarktung des Bildes ausgearbeitet.

Sie nehmen seit Jahren regelmäßig an der Masterclass von Sebastian Krüger in Barsinghausen teil. Was ist das Besondere daran?

Clemens: Man ist wie eine Familie. Wir sind immer eine Woche zusammen in dem Hotel mit circa 30 Leuten aus der ganzen Welt. Dazu dann auch ab und zu prominente Gäste, wie die Tochter von Keith Richards Theordora. Das ist wie unter einer Glocke. Meistens hoffen wir, dass schlechtes Wetter ist, weil man sowieso nicht rausgeht. Man braucht eigentlich noch nicht mal eine Jacke mitzunehmen. Man schläft, isst, malt, isst, malt, isst, trinkt, schläft. Und das eine Woche lang. Inzwischen ist sogar mein Sohn Finn begeisterter Teilnehmer und im Herbst als Illustrator das fünfte Mal dabei.

Wie sind Sie auf die Kunst von Sebastian Krüger gestoßen?

Clemens: Ich habe irgendwo mal einen Kalender mit Karikaturen von ihm entdeckt. Die Blätter hängen noch heute in meinem Atelier. Die Motive waren seine Titelblätter für ein Musikmagazin mit Leuten wie Hape Kerkeling, Michael Jackson und den Rolling Stones. Das waren immer Vorlagen für meine ersten Versuche, weil mir der Stil unheimlich gefiel. 1995 war ich dann auf einer Ausstellung von Krüger in Frankfurt-Westheim. Danach habe ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren. Als dann mein Sohn Finn bei Ehapa ein Praktikum gemacht hat, hing dort ein Plakat von Sebastian Krüger und ich erfuhr, dass er mittlerweile Workshops in Deutschland anbot. Bei meiner ersten Anmeldung war ich eigentlich schon zu spät, hatte dann aber doch noch Glück und durfte teilnehmen.

Wenn Sie jetzt seit acht Jahren regelmäßig an der Masterclass teilnehmen, was ist dann noch der neue Input, der vom Künstler kommt?

Clemens: Zum Ersten ist das Krüger selbst und ihm beim Malen auf seinen großformatigen Leinwänden zuzuschauen. Der macht da ja nicht so einen VHS-Kurs, in dem er vorne steht und sagt: So und so wird’s gemacht. Ab und zu, wenn man sieht, der hat jetzt etwas Zeit, reinigt seine Pinsel gerade, dann tippt man ihn an und fragt, ob er mal bei einem drüber schauen und Tipps geben kann. Viel Inspiration kommt auch von den anderen sehr talentierten Teilnehmern. Daraus sind tolle berufliche Kontakte und Freundschaften entstanden. Und so habe ich mich über die Jahre hinweg immer weiterentwickelt. Mittlerweile hat mich sogar Andrea, die Frau von Sebastian Krüger, in ihr Management mit aufgenommen und so meine erste Ausstellung „Alles muss raus“ in Bad Rehburg am Steinhuder Meer organisiert. Die läuft noch bis zum 23. Juni. Dort stelle ich mein Lebenswerk aus, von Portraits über Cartoonkunst, Produktdesign bis hin zu Skulpturen.

Gab es neben Sebastian Krüger noch weitere Vorbilder für ihre eigene Kunst?

Clemens: Klar. Das waren am Anfang ganz viele Comics, von Hergé mit Tim und Struppi, über Rötger Feldmann mit Werner und Walter Moers mit dem kleinen Arschloch bis hin zu den Klassikern von Uderzo Asterix und Obelix oder Morris mit Lucky Luke. Ich war aber immer mehr an den Zeichnungen interessiert als an der Geschichte. Aber ich bin auch nicht so ein Typ, der in Kunstmuseen rennt und jeden Künstler studiert.

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