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Kampf gegen das Müll-Chaos in der Voreifel

Folgen der Flutkatastrophe : Kampf gegen das Müll-Chaos in der Voreifel

Die Entsorgung der Müllmassen in der Voreifel schreitet voran. Im Einsatz ist auch ein Spezialgerät aus Krefeld. Die RSAG-Entsorgungsanlage in Miel ist wieder offen - allerdings noch nicht für alle Menschen.

Am Wochenende waren wieder unzählige hauptamtliche und freiwillige Helfer unermüdlich im Einsatz, um in der Voreifel die vom Hochwasser verursachten Schäden zu beseitigen. Dazu zählen die Mitarbeiter der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG). Auch Samstag und Sonntag transportierten sie Müllberge aus den Orten ab. Mit 25 Müll- und Containerfahrzeugen war die RSAG am Wochenende schwerpunktmäßig in Rheinbach und Swisttal unterwegs.

Zudem öffnete die zuvor überflutete Müllsortierungsanalage in Swisttal-Miel erstmalig wieder – auch dank der Inbetriebnahme von Notstromaggregaten. Nachdem das Gelände Ende vergangener Woche leergepumpt worden war, konnten am Samstag und Sonntag Menschen wieder Sperrmüll dorthin bringen – allerdings ausschließlich vom Hochwasser Betroffene.

Wenig los am Samstagvormittag

Doch zur Überraschung der RSAG-Mitarbeiter, die sich auf viel „Sperrmüll-Kundschaft eingerichtet hatten“, tat sich bis gegen Samstagmittag wenig: Nur rund ein dutzend Menschen aus der Umgebung brachten ihren Sperrmüll. Viele andere, die Biomüll abgeben wollten, mussten indes unverrichteter Dinge zurückgeschickt werden: Die Lagekapazitäten für Biomüllabfall werden in Miel derzeit zur Zwischenlagerung des Spermülls gebraucht.

 In den durch das Hochwasser stark verwüsteten Orten, wie etwa in Odendorf, fällt Müll in unbeschreiblichen Massen an.
In den durch das Hochwasser stark verwüsteten Orten, wie etwa in Odendorf, fällt Müll in unbeschreiblichen Massen an. Foto: Axel Vogel

Gekommen war etwa Dennis Löwen aus Ollheim, der zusammen mit einem Freund Deckenpanele, einen Heizlüfter und eine Couch zur Entsorgung ablieferte. Eigentlich wollte er alles wie zuvor auf dem Ollheimer Dorfplatz abladen: „Doch dort standen dieses Mal zwei Mitarbeiter der RSAG mit einem Müllwagen, der uns nach Miel geschickt hat.“ Als Begründung bekamen sie zu hören: Die RSAG habe vor Ort viel zu tun. Für die beiden Ollheimer war das auch völlig nachvollziehbar.

Altöl im Boden

Ebenfalls einen Anhänger voll Sperrmüll entlud Johann Neudorf aus Miel vom Pferdehof Spiessenhof. Auf seinem Hof fällt jede Menge Sperrmüll an. „Das Wasser stand auf dem gesamten Grundstück in Brusthöhe“, berichtete Neudorf. Einiges sei bereits beim Ollheimer Betrieb der Firma Hündgen entsorgt worden. Er sei froh, dass die RSAG-Anlage wieder geöffnet sei, da das die bessere Alternative sei, als den Sperrmüll auf den öffentlichen Sammelstellen zu entsorgen. Neudorf hat allerdings noch viel mehr zu tun: Altöl und Benzin seien ins Erdreich gesickert. Dieses versuche er nun abzutragen und nach Miel zu bringen

Die dortige Anlage sei durch die Unwetterkatastrophe selbst erheblich beschädigt worden und derzeit nur in Teilen betriebsfähig, erläuterte RSAG-Sprecher Joachim Schölzel. Er bittet deswegen um Verständnis, dass die Anlage auch diese Woche noch für Flutopfer geöffnet ist. „Angenommen werden dort auch schadstoffhaltige Abfälle wie Farben, Lacke oder Lösungsmittel“, ergänzte er.

Bei Hündgen kostet es wieder Geld

Mit separaten Fahrzeugen sammelte die RSAG am Wochenende außerdem durch das Unwetter zerstörte Elektrogroßgeräte ab. „Der gesammelte Abfall wird in RSAG-Zwischenlager transportiert und dort für den Weitertransport in die Müllverwertungsanlage vorbereitet“, erklärte Schölzel. Im Gegensatz zum Sperrmüll landen Elektrogeräte nicht in der Müllverbrennungsanlage, sondern auf den Wertstoffhöfen, etwa dem in Troisdorf.

Während der RSAG-Hof in Miel überflutet war, hatte die Firma Hündgen Entsorgung ihre Anlage in Ollheim zur Verfügung gestellt. Noch bis Samstag konnten Hochwasseropfer dort ihren Müll kostenlos anliefern. Das ändere sich ab Montag, sagte Christian Hündgen auf Anfrage: „Das Problem ist: Wir haben den Verdacht, dass so langsam Trittbrettfahrer aufspringen.“

Viele Anlieferungen hätten zuletzt eher ausgesehen, als hätten Menschen ganz einfach entrümpelt. „Wir werden niemanden wegschicken“, betonte Hündgen, „aber ab sofort ist die Anlieferung deswegen wieder kostenpflichtig.“ Wenn Betroffene im Hochwassergebiet Container bestellen wollen, sei das aber nach wie vor kostenlos.

Hündgen blickte auf eine herausfordernde Woche zurück. Bei ihm habe permanent das Handy geklingelt – wegen Hilferufen von Betroffenen oder Anfragen von Kommunen und Unternehmen. Schätzungsweise 100 seiner Mitarbeiter seien durchgehend im Einsatz gewesen, im Rhein-Sieg-Kreis, aber auch in den Kreisen Ahrweiler und Euskirchen. „Viele haben privat zurückgesteckt, um zu helfen“, sagte er.

Hilfe aus Bonn, Köln und Krefeld

Nachdem sich der Hof in Ollheim am Anfang der Woche bedrohlich schnell gefüllt hatte, habe sich im Laufe der Woche ein geregelter Zu- und Abfluss des Mülls eingestellt. In enger Kooperation mit Partnerunternehmen und Kommunen sei es nebenbei auch noch gelungen, das Tagesgeschäft zu bewältigen. Eine Erleichterung sei es gewesen, als das Internet endlich wieder verfügbar war. Das Festnetz hingegen sei immer noch tot, so Hündgen.

Beim Müllabtransport erhält die RSAG unter anderem von Bonn­orange und den Abfallwirtschaftsbetrieben Köln (AWB) Unterstützung. Auch das Unternehmen IK Umwelt Gruppe aus Krefeld ist seit Tagen im Rhein-Sieg-Kreis im Einsatz. Rund 300 Lkw in ganz NRW verwaltet das Unternehmen, berichtete Geschäftsführer Mirco Illian. 200 davon habe das Unternehmen den betroffenen Gebieten angeboten. 40 Lkw und 55 Mitarbeiter seien die ganze Woche in Rheinbach im Einsatz gewesen. Seit einigen Tagen helfe das Unternehmen auch Swisttal; Gespräche mit der Gemeinde Alten­ahr liefen bereits.

„Unser Unternehmen ist auf die Abfuhr und Entsorgung großer Materialaufkommen spezialisiert. Unsere Lkw sind aufgrund ihrer Größe nicht geeignet, das Material aus den Straßen zu den Sammelplätzen zu transportieren“, erklärte Illian. Stattdessen fahren die Mitarbeiter das Material von den Sammelstellen zu Sortieranlagen mit freien Kapazitäten und zur Müllverbrennungsanlage in Bonn.

„Für die Verladung der Materialien haben wir derzeit zehn Großgeräte, also Bagger und Radlader mit 20 bis 30 Tonnen Einsatzgewicht, im Umkreis von Rheinbach im Einsatz“, so Illian. Wie viele Lkw eingesetzt werden können, hänge auch immer davon ab, wie die Kapazitäten der Sammel- und der Annahmestellen aussähen.