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Marienfigur wurde im Flutmüll gefunden

Marienfigur in der Flut : Flutmadonna verliert ihr Lächeln nicht

Fast wäre sie mit dem Müll entsorgt worden. Jetzt hat die Flutmadonna von Heimerzheim ihren Platz in der Kirche gefunden.

Eher zierlich ist die Madonnen-Statue, kaum 30 Zentimeter groß. Das Jesus-Kind auf ihrem Arm hat keinen Kopf, keine Hände, keine Füße und nur einen Arm. An etlichen Stellen ist die Gips-Statue beschädigt und verschmutzt. Aber genau das ist es, was ihren ideellen Wert ausmacht: Es sind die Spuren der Flutkatastrophe, die auch bei den Menschen Wunden hinterlassen hat. Die „Flutmadonna von Heimerzheim“ hat jetzt in einem Gedenkgottesdienst an die Flutkatastrophe ihre neue Heimat in der Pfarrkirche St. Kunibert gefunden.

Marienfigur wurde im Flutmüll gefunden
Foto: Gerda Saxler-Schmidt

Pater Marek Madej segnet die Figur

In dem Abendgottesdienst, den der Seelsorgebereich Swisttal zusammen mit dem Kreisdekanat der Katholischen Frauengemeinschaft vorbereitet hatte, wurde sie mit dem Segen von Pater Marek Madej neben dem rechten Seitenaltar aufgestellt. Gläubige können dort ihre Kerzen aufstellen, beten und ihre Gedanken und Bitten in einem eigenen Buch eintragen.

Eine der ersten Kerzen entzündete die frühere Besitzerin Heike Röseling. Es sei ein sehr emotionaler Moment, sagte sie sichtlich bewegt. Ihre Oma habe die Madonna immer zur Heimerzheimer Fronleichnamsprozession aufgestellt. Beim Ausräumen ihres Kellers im „alten Klösterchen“ an der Kirchstraße nach der Flut sei die Madonna „auf die andere Straßenseite in den Müll gelangt“.

Die Finderin schreibt ein Gedicht

Dort wurde sie entdeckt von Ute Trimpert, Gemeindereferentin im Sendungsraum Alfter/Bornheim. „Am Straßenrand stand in einem Berg der verlorenen Erinnerungen eine wunderschöne, mit Schlamm bedeckte Madonna. Ich habe sie spontan Flutmadonna genannt“, erinnerte sie sich. „Sie hat mich angelächelt.“ Mit Erlaubnis der Besitzerin durfte sie die Figur mitnehmen und trocknen.

Aber der Schlamm wurde ganz bewusst nicht abgewaschen, wie Diana Schreiber, Gemeindereferentin im Seelsorgebereich Swisttal, betonte. Ute Trimpert hat der Figur ein Gedicht gewidmet: „Die Trauer der Menschen/Tröstend/In ihren Armen/Geflutet/Mit Tränenschlamm bedeckt/Steht sie da/Schenkt Hoffnung/Und verliert ihr Lächeln nicht.“ sax