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Zuflucht nach Unwetter: Mielerin half Pferden und Reitern in Not

Zuflucht nach Unwetter : Mielerin half Pferden und Reitern in Not

Die Besitzerin des Margarethenhofs Lydia Schäfer-Bruckschen wurde zum Retter in der Not, als sie nach dem Unwetter Pferde anderer Besitzer aufnahm, deren Ställe unter Wasser standen. Tagelang diente der Dressurstall als Zufluchtsort, obwohl er eigentlich voll belegt war.

Viele Menschen haben nach der Unwetterkatastrophe vor gut zwei Wochen anderen Mitbürgern ohne Zögern geholfen – aber auch Tieren. Zu diesen Helfern in der Not kann man getrost auch Lydia Schäfer-Bruckschen und ihren Mann Jens zählen. Schäfer-Bruckschen betreibt den Margarethenhof, einen Dressurreitstall bei Miel, in dem derzeit 65 Pferde einstehen. Damit ist der Stall eigentlich voll belegt. Trotzdem kamen am Morgen nach der Unwetternacht unverrichteter Dinge noch ein Dutzend weiterer Pferde hinzu: Ihre Besitzer aus der Umgebung wussten angesichts vollgelaufener eigener Ställe und Weiden nicht mehr, wohin mit den Tieren.

Bei Lydia Schäfer-Bruckschen bekamen sie für mehrere Tage eine sichere Ausweichunterkunft. Kost und Logis zum Nulltarif. Gleiches galt für Kunden, die nicht mehr vom Hofwegkamen. Für Schäfer-Bruckschen eine Selbstverständlichkeit in der Not.

Der erste Pferdehalter, der am Morgen nach der Flut vor der Tür stand, war Johann Neudorf. Um 7 Uhr klingelte der Besitzer des benachbarten Spießenhofs Jens Schäfer-Bruckschen aus dem Bett: „Hast Du noch ein paar Boxen frei?“, fragte er mit verzweifelter Miene. Genauer gesagt brauchte er acht Stellplätze. Denn seine gesamte Hofanlage, die er zusammen mit seiner Frau Margarethe bewirtschaftet, stand unter Wasser, teils hüfthoch. Lydia Schäfer-Bruckschen sagte spontan Hilfe zu, obwohl eigentlich kein Platz mehr vorhanden war: „Man hat sofort gemerkt, was die Menschen und Tiere mitgemacht hatten. Irgendwie funktionierte jeder nur noch.“

Familie schüttet in der Nacht Wälle auf

Schäfer-Bruckschen war mit ihrem Anwesen noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Ihre Familie hatte fast die ganze Nacht mit dem Aufschütten von kleinen Sandwällen gegen das Wasser gekämpft, das drohte, in die Stallungen einzudringen. Unterstützung erhielten sie von zehn Kunden, die auf dem von den Fluten eingeschlossenen Hof quasi festsaßen.

Angesichts der weit dramatischeren Situation auf dem Spießenhof lautete die Ansage von Schäfer-Bruckschen: „Erst mal die Pferde bringen, dann schauen wir, wie wir es machen.“ Daraufhin stiefelte Neudorf zurück zum Spießenhof und watete mit seinen Pferden zur neuen Notunterkunft, die weiterhin über öffentliche Straßen nicht zu erreichen war. Dort wurden die Tiere auf Weiden und Paddocks unmittelbar vor dem Margarethenhof verteilt.

Gegen 10 Uhr kam dann ein Auto samt Pferdeanhänger vorgefahren. Am Steuer saß eine junge Frau, Anfang 20, aus Euskirchen, die zitternd und mit bewegter Stimme ebenfalls um eine Notunterkunft für die beiden Pferde in ihrem Anhänger bat: „Die Frau war wirklich fix und fertig, und ich weiß gar nicht, wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hatte.“ Auch dieser jungen Reiterin half Familie Schäfer-Bruckschen und machte die nächste Weide frei. „Wir haben aber noch mehr Pferde“, unternahm die Euskirchnerin einen weiteren Vorstoß. „Fahrt und holt sie“, gab Lydia Schäfer-Bruckschen zurück. So landeten noch zwei weitere Tiere eines anderen Pferdehalters aus Euskirchen auf ihrem Hof.

Doch damit nicht genug: „Auf Facebook und Instagram haben wir einen Post gemacht, dass wir alles aufnehmen“, so die Betreiberin des Margarethenhofes. „Ich konnte mir gut vorstellen, dass auch noch andere Pferdehalter in Not waren.“ Allerdings kamen danach keine weiteren Notgäste mehr.

Starker Zusammenhalt unter den Eingeschlossenen

Mehrere Tage blieben die gestrandeten Kunden und die zwölf Gasttiere auf dem Magarethenhof. Abgeschnitten von der Außenwelt und dem Telekommunikationsnetz war man dort auf sich gestellt, und viel musste improvisiert werden.

Trotzdem schwärmt Lydia Schäfer-Bruckschen noch heute von dem Zusammenhalt: „Alle haben super mit angepackt, wir waren ein Megateam.“ Wichtig sei beispielsweise gewesen, alle Pferde regelmäßig zu bewegen, um Koliken zu vermeiden: „Es wäre ja kein Tierarzt zu uns durchgekommen.“ Auch Johann Neudorf ist immer noch voll des Lobes. „Das war wirklich eine ganz großartige Hilfe in der Not“, sagt er.