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Neue Schulleiterin in Swisttal: „Mit Leib und Seele Lehrerin“

Neue Schulleiterin in Swisttal : „Mit Leib und Seele Lehrerin“

Sybille Prochnow Penedo ist neue Leiterin der Georg-von-Boeselager-Schule. Sie will Eltern überzeugen, ihre Kinder für die Gesamtschule anzumelden.

Die Georg-von-Boeselager-Sekundarschule hat mit Sybille Prochnow Penedo seit dieser Woche wieder eine hauptamtliche Schulleiterin. Als ehemalige Mittelstufenleiterin der Integrierten Gesamtschule Beuel bringt sie viel Erfahrung mit. Gute Voraussetzungen, um ein ehrgeiziges Projekt zu stemmen: die Umwandlung der Sekundarschule zur Gesamtschule. Warum sie in der Gesamtschule das System der Zukunft sieht, warum Eltern ihre Kinder unbedingt dort anmelden sollten und warum Swisttal in mancher Hinsicht besser ist als Bonn, erklärte sie Katharina Weber.

Sie wechseln von Beuel nach Swisttal. Kann die Gemeinde überhaupt mit der Bundesstadt mithalten?

Sybille Prochnow Penedo: Ich habe schon am ersten Tag gemerkt, dass Swisttal mich beeindruckt, durch das gemeinsame Engagement von Eltern, Gemeinde und Kollegium, die alle für diese Schule brennen. Deutschland gibt ja im Verhältnis zur Wirtschaftskraft wenig für Bildung aus, aber nicht so Swisttal. Zunächst hat die Gemeinde in Kitas investiert, jetzt in den Neubau der Gesamtschule. Swisttal kann in diesem Bezug nicht nur mithalten, sondern macht meiner Meinung nach vieles besser als Bonn.

Warum sind Sie gewechselt?

Prochnow Penedo: Weil ich eine überzeugte Anhängerin der Gesamtschule bin. Das sind die Schulen der Zukunft. Die Chance, eine Gesamtschule von Anfang an aufzubauen, hat man als Lehrerin fast nie. Ich freue mich total auf diese Herausforderung.

Was bringen Sie aus Ihrer Zeit in Beuel mit?

Prochnow Penedo: Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin, will mich immer wieder für das einsetzen, was in der Bildung zählt, nämlich mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, sie aufzubauen, sie zu formen. Ich bringe einen riesigen Erfahrungsschatz aus Beuel mit, aus einer großen Schule. Als ehemalige Mittelstufenleiterin weiß ich auch, wie man die perfekte Überleitung in die Oberstufe schafft.

Vor Ihrem Studium waren Sie in Norwegen. Was haben Sie dort über das Schulsystem gelernt?

Prochnow Penedo: In Norwegen ist die Gesamtschule bis zur Klasse neun Pflicht für alle. Sie ist die übliche Form, die meiner Meinung nach das gesellschaftliche Miteinander ganz hervorragend formt. Die Zeit dort hat mein grundlegendes Verständnis von Bildung geprägt, die schulische und vorschulische. Es geht um den Gesamtblick auf Bildung. Jeder junge Mensch, der im Abitur Analysen auf Englisch schreibt und Differenzialrechnungen durchführt, hat schon in der Kita gelernt, den Stift zu führen. Und das wird in Norwegen sehr wertgeschätzt.

Welche Lehren lassen sich daraus für das deutsche System ziehen?

Prochnow Penedo: Norwegen liegt in allen Bildungsstudien vor Deutschland, auch bei der Ausbildung von Fachkräften. Ich bin überzeugt, dass das am Gesamtschulsystem liegt, das Leistungswilligkeit, Wertschätzung und Teamfähigkeit betont. Ich kann kein Haus nur mit Ingenieuren bauen. Wir brauchen uns alle auf allen Ebenen. Das fördert die Gesamtschule jeden Tag und jede Stunde.

Ist das deutsche dreigliedrige System überhaupt noch zeitgemäß?

Prochnow Penedo: Nach meinen Erfahrungen ist es das für Klasse fünf bis zehn nicht. Dafür sehe ich die Spezialisierung in der Klasse elf bis 13 als absolut notwendig und zukunftsfähig an, um den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, aber auch um später die Zahl der Studienwechsler und -abbrecher zu verringern. Ihre Quote liegt in Deutschland bei 30 Prozent. Das kann sich keine Gesellschaft leisten. Wir müssen Abiturientinnen und Abiturienten Entscheidungshilfen liefern, damit sie nicht erst an der Uni merken, „ein Studium ist ja doch nichts für mich“. Ich glaube, dass wir uns da auf den Weg machen müssen. Das dreigliedrige System muss die Gesellschaft weiter zusammenhalten, aber das sehe ich momentan nicht.

Welchen Mehrwert bietet die Gesamtschule Swisttal Eltern und Kindern im Vergleich zu den umliegenden Schulen?

Prochnow Penedo: Die umliegenden Schulen sind auch hervorragend. Unsere Pluspunkte sind ein hervorragendes Konzept und ein hoch engagiertes Kollegium. Dann folgt der Neubau, mit dem wir das pädagogische Konzept des flexiblen Lernens auf die Architektur anwenden und zur modernsten Schule in ganz NRW werden. Die Digitalisierung wird im Neubau noch stärker ausgebaut sein als jetzt. Die Spezialisierung in der Oberstufe werden wir festlegen, ob im Sportprofil, in der Gesundheit oder in den Mint-Fächern. Und: Wir sind von allen Ecken und Enden gut und schnell erreichbar.

Was würden Sie Eltern sagen, die zweifeln, ob Sie ihr Kind an der Gesamtschule anmelden sollen?

Prochnow Penedo: Eltern, die zweifeln, sind häufig Eltern, die Kinder mit einer gymnasialen Empfehlung haben. Sie zweifeln oft daran, dass ihre Kinder an der Gesamtschule genug gefordert werden. Diesen Eltern kann ich ganz deutlich sagen: Ihre Ängste sind unbegründet, vertrauen Sie uns. Für die Gesamtschule gilt – zum Glück – auch das Zentralabitur. Damit sind unsere Leistungen objektiv vergleichbar. Gerade die Gesamtschulen im Bonner Raum können im Zentralabitur tatsächlich bis zur zweiten Stelle nach dem Komma mit den Gymnasien mithalten.

Was sollte im neuen Schulgebäude Ihrer Meinung nach unbedingt vorhanden sein?

Prochnow Penedo: Meine Schülerinnen und Schüler (lacht). Unter Corona sind sie das, was fehlt. Was unser Gebäude auch braucht, ist viel Licht, flexible Räume für alle Lernformen, Platz für Gesundheit und Bewegung. Sitzen ist das neue Rauchen. Und selbstverständlich die digitale Infrastruktur.

Sitzen ist das neue Rauchen?

Prochnow Penedo: Meine Oberstufenschüler in Beuel waren zum Teil zwei Meter groß, aber mussten sich an kleine Tische quetschen. Unser Gesundheitssystem ist ein zentraler Faktor für eine gute Gesellschaft. Da spielen auch Gebäudemanagement und Architektur eine Rolle. Höhenverstellbare Tische, an denen man im Stehen arbeiten kann, bringen einen Riesenmehrwert für die Körperwahrnehmung, Atmung und Erdung, auch für Schüler.

Könnten die Umstellung des Systems und der Neubau Probleme für die vorhandenen Schüler bereiten?

Prochnow Penedo: Nein, davon bin ich überzeugt. Die Planungen der Gemeinde sind beeindruckend. Es wird einen problemlosen, fließenden Übergang geben, sowohl bei der pädagogischen Umstrukturierung als auch räumlich. Sonst hätte die Gemeinde das nicht angestoßen.

Was passiert, sollte die nötige Zahl der Anmeldungen nicht erreicht werden?

Prochnow Penedo: Es sieht aktuell gut aus. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Ziel erreichen, gerade aufgrund der zahlreichen Gespräche, die ich unter der Woche mit den Eltern geführt habe.

Was unterrichteten Sie an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg?

Prochnow Penedo: Meine Schwerpunkte waren Inklusion und Sozialisation im Jugendalter. Ich habe mich mit der Bedeutung von Peer Groups für junge Menschen befasst, also Gruppen, zu denen sie sich bekennen und die beim Erwachsenwerden eine große Hilfe sind. Das ist auch für die schulische Arbeit hilfreich.

Wie ist die Uni-Arbeit im Vergleich zur Arbeit als Schulleiterin?

Prochnow Penedo: Der einzige Unterschied ist das Alter der Menschen, die ich unterrichte. Es geht immer um Lern- und Bildungsprozesse, Auseinandersetzung, Neuentdeckung, lebenslanges Lernen, darum, was uns wichtig ist. Natürlich gibt es angepasste Prozesse, man verwendet andere Methoden.

Stichwort lebenslanges Lernen: Was haben Sie in Ihrer ersten Woche in Swisttal gelernt?

Prochnow Penedo: Wenn man sich nicht traut, Veränderungen einzugehen, merkt man gar nicht, was man an Ressourcen hat. Ansonsten: die Gemeindestruktur von Odendorf bis Morenhoven. Beim nächsten Stadt-Land-Fluss-Spiel gewinne ich (lacht).

Anmeldungen bis 19. Februar, auch am Samstag, 6. Februar, 9 bis 12 Uhr.