1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Swisttal

Odendorfer Cäcilienchor führt Mozarts Missa brevis auf

Chorkonzert in Odendorf : Benjamin Bosbach ist mit 22 Jahren Chorleiter

Erst erschwerte die Corona-Pandemie das Proben, dann die Flutkatastrophe. Benjamin Bosbach, Leiter des Pfarr-Cäcilien-Chors St. Petrus und Paulus Odendorf, spricht im Interview darüber, wie es ist, endlich wieder live auftreten zu können und warum er sich als junger Mensch so für Kirchenmusik interessiert.

Am Sonntag, 20. November, 10 Uhr, führt der Pfarr-Cäcilien-Chor St. Petrus und Paulus Odendorf in der dortigen Pfarrkirche die Missa brevis in G KV 140 von Wolfgang Amadeus Mozart innerhalb der Sonntagsmesse auf. Unterstützt und begleitet wird der Chor von einem Streichensemble sowie den Solistinnen und Solisten Lorraine Pudelko (Sopran), Silja Bothe (Alt), Felix Läpple (Tenor) und Bastian Röstel (Bass). Die Gesamtleitung hat der 22 Jahre alte Benjamin Bosbach. Mit ihm sprach Gerda Saxler-Schmidt darüber, wie Proben in der Zeit der Pandemie gestaltet werden konnten, wie es ist, jetzt wieder in Präsenz üben und auftreten zu können, und wie er als junger Mensch zur Kirchen- und Chormusik kam.

Erst im August haben Sie mit dem Pfarr-Cäcilien-Chor St. Petrus und Paulus Odendorf die Deutsche Messe von Franz Schubert aufgeführt. Gleich im Anschluss dann begannen schon die Proben für die Missa brevis G von Wolfgang Amadeus Mozart. Wie ist es nach der Corona bedingten Unterbrechung, wieder proben und auftreten zu können?

Benjamin Bosbach: Die Deutsche Messe ist sehr bekannt und unheimlich beliebt. Wenn man in einem Chor singt, arbeitet man immer auf eine Präsentation hin. Das hat natürlich in der Pandemie gefehlt. Jetzt in der finalen Phase der Proben fiebern wir alle auf die Aufführung hin, alle sind euphorisch.

Wie haben Sie in der Pandemie Kontakt zum Chor gehalten?

Bosbach: Die Unterbrechung, in der kaum etwas in Präsenz stattfand, dauerte bis Mitte 2021. In dieser Zeit habe ich verschiedene Video-Formate aufgelegt. In den Videos habe ich die einzelnen Stimmen vorgesungen. Jede Sängerin und jeder Sänger hat dann für sich allein geübt und die eigene Stimme eingesungen und aufgenommen. Zu Pfingsten haben wir alles zu einem Video mit Bildern zusammengeschnitten und auf Youtube vorgestellt. Als es wieder hätte mit Proben in Präsenz losgehen können, wurde Odendorf im Juli 2021 stark von der Flut getroffen. Das hat für einige Sängerinnen und Sänger persönlich große Schwierigkeiten gebracht. Und unser Probenraum wurde für Hilfsgüter genutzt. So konnten wir letztlich erst im Herbst 2021 wieder richtig mit dem Chor starten.

Gibt es auch Sängerinnen und Sänger, die über die lange Zeit die Motivation verloren haben und ausgeschieden sind?

Bosbach: Fast gar nicht. Tatsächlich ist der Chor heute sogar größer als vor der Pandemie.

Also hatten Sie mit Ihrer Werbung um neue Sängerinnen und Sänger für das Projekt Erfolg?

Bosbach: Ja. Es gibt eine Art Stammchor, der jede Woche probt. Aber viele wollen oder können sich nicht dauerhaft an diese Regelmäßigkeit binden. Als ich den Chor 2018 übernommen habe, habe ich immer wieder Projekte initiiert. So sind immer wieder Sängerinnen und Sänger nur für diese Projekte dazu gestoßen, einige aber auch dauerhaft in den Chor eingetreten.

Ihre ausgewählten Projekte sind ja anspruchsvoll. Müssen die neuen Sängerinnen und Sänger zunächst vorsingen?

Bosbach: Nein, es gibt kein Vorsingen. Es kann jede und jeder, die oder der möchte, kommen und mitsingen. Ich habe auch Übungsdateien erstellt. Wer sich unsicher fühlt, kann sie nutzen, um für sich noch einmal privat zu üben.

Auch wenn Proben und Aufführungen in Präsenz wieder möglich sind, ist Corona ja nicht verschwunden. Aerosole sind ja gerade beim Singen ein Thema. Welche Hygienemaßnahmen gilt es da zu beachten?

Bosbach: Grundsätzlich gilt bei uns: Mitsingen darf nur, wer vollständig geimpft ist. Darüber hinaus nehmen wir teil an der Strategie des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland (ACV). Sechs Mitglieder unseres Chores sind durch den ACV zu Corona-Testern ausgebildet worden, per Videoschulung und mit einer kleinen Abschlussprüfung. Sie nehmen von allen Sängerinnen und Sängern vor jeder Probe einen offiziellen Test. Das hat sich inzwischen gut eingespielt, sodass sich der Aufwand in Grenzen hält.

Nicht viele junge Leute in Ihrem Alter begeistern sich wie Sie für Kirchenmusik. Woher kommt Ihre Leidenschaft für diese Musikrichtung?

Bosbach: Das war eine Art schleichender Prozess. Meine frühere Klavierlehrerin spielte Orgel. So hat sich ergeben, dass ich ab 2012 mit zwölf Jahren auch Orgelunterricht genommen habe und so zur Kirchenmusik gekommen bin.

Können Sie auch anderen Musikrichtungen etwas abgewinnen?

Bosbach: Kirchenmusik ist ja unheimlich vielfältig. Sie deckt ein weites Feld ab, über viele Jahrhunderte und über viele verschiedene Stilrichtungen. Es ist ja nicht nur Musik des elften Jahrhunderts oder des Barock. Zur Kirchenmusik gehört auch moderne Pop-Musik. Bei der Kirchenmusik ist es wie in der Musik allgemein: Es gibt gute und schlechte oder nicht passende Musik.

Sie sind ein sehr junger Chorleiter und stehen Sängern gegenüber, die meist wesentlich älter und vielleicht auch erfahrener sind. Ist das möglicherweise problematisch für die Chorleitung?

Bosbach: Nein, die Erfahrung habe ich noch nie gemacht. Und offen gestanden habe ich auch noch nie darüber nachgedacht.

Nach dem Konzert ist ja auch immer vor dem Konzert. Welche nächsten Projekte planen Sie?

Bosbach: Nach der Missa brevis kommt zuerst Weihnachten. Da wollen wir schauen, dass wir schöne Gottesdienste und Feiern gestalten. Und dann wollen wir uns auf unser 125-jähriges Chor-Jubiläum im Jahr 2024 vorbereiten. Da wollen wir etwas wirklich Großes aufführen, was genau, verraten wir später. Voraussichtlich nach den Sommerferien werden wir mit den Proben beginnen.

Und da können auch wieder neuer Sängerinnen und Sänger hinzukommen?

Bosbach: Ja klar. Auch unser Chor-Jubiläum wollen wir wieder als Projekt gestalten, bei dem Sängerinnen und Sänger, die nicht dauerhaft, sondern nur für dieses Projekt mitmachen wollen, willkommen sind.