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Evangelische Gemeinde Swisttal: Pfarrer Ernst Edelmann geht nach 37 Jahren in den Ruhestand

Evangelische Gemeinde Swisttal : Pfarrer Ernst Edelmann geht nach 37 Jahren in den Ruhestand

Pfarrer Ernst Edelmann war seit den Anfängen der evangelischen Gemeinde in Swisttal 1983 dabei, als Gottesdienste noch in der Raiffeisenbank in Buschoven gefeiert wurden. Am Samstag geht er in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin steht schon fest.

Am Samstag hat Ernst Edelmann, Pfarrer im Swisttaler Bezirk Buschhoven/Odendorf, seinen letzten Arbeitstag. „Ich bin seit dem 1. Oktober 1983 hier. Jetzt ist einfach die Zeit gekommen, die Arbeit anderen zu übergeben“, sagt er. Seine Nachfolgerin verkündete der Evangelische Krichenkreis Bad Godesberg-Voreifel, zu dem die Gemeinde zählt, am Dienstag: Anke Kreutz aus Rheinbach wird das Amt ab dem 1. Mai für zwei Jahre im sogenannten pastoralen Dienst im Übergang (PDÜ) übernehmen. In dem Zeitraum soll entschieden werden, ob die Stelle in Vollzeit neu besetzt wird.

37 Jahre lang war Edelmann Pfarrer der Swisttaler Gemeinde und baute sie mit auf. Zum Studium der evangelischen Theologie hatte er sich nach dem eigenen Konfirmandenunterricht entschlossen. „Entweder man wendet der Kirche dann den Rücken oder man wird aktiv. Ich fühlte mich dahin gezogen, die Frohe Botschaft zu vermitteln. Eine Berufung muss man schon haben, damit man den Beruf so ausüben kann“, sagt der 1955 im Odenwald geborene Vater von fünf Kindern und Großvater von neun Enkelkindern.

Das Wichtigste war für den Pfarrer immer, „den Menschen nahe zu sein“, erzählt er, und die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben. „Und da zu sein für die Menschen, die nicht zum Kern der Gemeinde gehören, sie seelsorgerisch zu begleiten und damit auch für die Menschen da zu sein, die oft keine ausgeprägte Lobby haben“, sagt Edelmann.

Gottesdienst neben dem Tresorraum

Am Anfang reizte den jungen Pfarrer auch die Pionierarbeit. Denn die Kirchengemeinde Swisttal war erst zum Anfang des Jahres 1983 gegründet worden, bevor Edelmann im Herbst des selben Jahres seinen Dienst antrat. „Das Schöne war, dass man hier alles aufbauen konnte“, sagt er. Es habe damals weder Abendmahlsgeräte wie Weinkanne und Kelch noch Taufschalen gegeben, und erst recht keine eigenen kirchlichen Gebäude. Das Gemeindeleben fand in angemieteten Räumen in Buschhoven, Morenhoven und Odendorf statt. Edelmann muss schmunzeln, wenn er sich an die ersten Gottesdienste erinnert, die im Untergeschoss der Raiffeisenbank in Buschhoven gefeiert wurden – direkt neben dem Tresorraum.

Manchmal feierte die Gemeinde auch Gottesdienste in der Odendorfer Grundschul-Aula oder sogar im Freien. „Die Menschen waren einfach froh, dass sie einen Pfarrer hatten“, sagt Edelmann, der im September 1985 als Pfarrer des zweiten Pfarrbezirks eingeführt wurde, gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Dorp für den ersten Pfarrbezirk.

Das Gemeindeleben entwickelte sich schnell weiter. Es entstanden Frauenkreise, Seniorenkreise, Kirchenchöre, Kirchbauvereine, Bibelkreise und ein ökumenischer Gesprächskreis. „Innerhalb von vier Jahren konnten wir alles aufbauen“, sagt Edelmann. Die Kirchengemeinde erwarb in Buschhoven das Melanchthonhaus und die ehemalige katholische Versöhnungskirche. In Odendorf wurde außerdem das Dietrich-Bonhoeffer-Haus gebaut.

Bei allem sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Engagierten ein ganz wichtiges Element gewesen, betont der Pfarrer getreu seinem Leitsatz: nicht so viel bevormunden und kontrollieren, sondern motivieren und wertschätzen. Auch der Humor sei bei all den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen als Pfarrer nicht zu kurz gekommen, sagt Edelmann, schließlich sei das Evangelium ja die frohe Botschaft. „Ich finde es gut, wenn es in der Kirche kurzweilig zugeht und auch mal geschmunzelt und gelacht wird.“

Die Ökumene, die Einigung der christlichen Konfessionen, lag Edelmann besonders am Herzen: „Das begann schon, als wir die ehemals katholische Versöhnungskirche übernommen hatten. Wir haben ja alle die gleiche Basis, die gleiche Bibel und das gleiche Glaubensbekenntnis. Jede Konfession hat ihre eigenen Stärken, da können wir viel voneinander lernen.“ So überreichte Pfarrer Edelmann dem katholischen Kaplan Pater Gregor zum Beispiel symbolisch einen Weinstock, der ebenso gute Früchte bringen möge wie die Ökumene in Swisttal. Im Ruhestand will Edelmann mehr wandern und sich der Gartenarbeit sowie etlichen Sammler-Hobbys widmen.

Nachfolgerin soll Zukunft der Gemeinde planen

Der Auftrag von Edelmanns Nachfolgerin Anke Kreutz ist klar: Die 58-Jährige soll gute Perspektiven für die Zukunft der Kirchengemeiden entwickeln. Das heißt: Prioritäten setzen und mehr mit den Nachbargemeinden der Region zusammenarbeiten. Im Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, zu dem Swisttal gehört, werden nämlich in Zukunft weniger Pfarrstellen als bisher besetzt werden können.

 Anke Kreutz löst Edelmann ab.
Anke Kreutz löst Edelmann ab. Foto: Evangelischer Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

„Gemeinsam werden wir herausfinden, welche Strukturen und Aufgaben für die Evangelische Kirchengemeinde Swisttal förderlich sind, um spätestens in zwei Jahren die Pfarrstelle im zweiten Bezirk mit verändertem Profil neu besetzten zu können“, sagt Kreutz. Außerdem wird die Pfarrerin in der Übergangszeit natürlich Gottesdienste feiern, taufen und beerdigen, mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden arbeiten und den Gemeindealltag mitgestalten.

Kreutz ist mit dem Rheinbacher Pfarrer Diethard Römheld verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. In ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn lagen die Schwerpunkte der Rheinbacherin auf Bildungsarbeit, Supervision und Organisationsentwicklung. Sie arbeitete bisher in Oberhausen und Xanten als Vikarin und Gemeindepfarrerin, als Inspektorin am Predigerseminar in Essen, in der Evangelischen Frauenhilfe in Bonn als leitende Pfarrerin und an der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen als Direktorin. Kreuz freut sich darauf, ihre Fähigkeiten bei der neuen Aufgabe in Swisttal einbringen zu können.

Die feierliche Verabschiedung von Edelmann hat die Gemeinde wegen der Corona-Pandemie vom Sonntag, 2. Mai, auf Sonntag, 4. Juli, um 15 Uhr verschoben. Sie wird in der katholischen Pfarrkirche St. Katharina in Buschhoven stattfinden.