Kabarett-Tage in Morenhoven Pubertierende Töchter rät dem Vater dringend mal zu chillen

Swisttal-Morenhoven · Die Morenhovener Kabarett-Tage im Kreaforum gehen mit den beiden Kabarettisten Axel Pätz und Nepo Fitz auf die Ziellinie.

 Tastenkabarettist Axel Pätz hat für sein Publikum im Morenhovener Kreaforum eine bestechend einfache Botschaft: „Chill mal“ heißt sein Soloprogramm, das er dort am Wochenende präsentierte.

Tastenkabarettist Axel Pätz hat für sein Publikum im Morenhovener Kreaforum eine bestechend einfache Botschaft: „Chill mal“ heißt sein Soloprogramm, das er dort am Wochenende präsentierte.

Foto: Axel Vogel

Sie gaben 2009 und 2010 ihr Debüt im Kreaforum. Sie kehrten 2013 zu den Kabarett-Tagen zurück und haben nun den Hattrick voll gemacht. Die Rede ist von Nepo Fitz und Axel Pätz, die dem Kleinkunstfestival und dem Publikum – vor der „Schlachtplatte“ am 8. Januar 2017 – am Wochenende ein fulminantes Finale bescherten; ein passendes Geschenk zum zweiten Advent.

Wünsche allerdings kann man das ganze Jahr über haben: Axel Pätz zum Beispiel träumt davon, es seiner Tochter, die mittags um halb eins im Schlafanzug und mit schlechter Laune an ihm vorbeischlurft, einmal mit gleicher Münze heimzuzahlen. Dann wird er mit seiner ehemaligen Hippie-WG in ihrer frisch eingerichteten Wohnung einfallen, das Unterste zuoberst kehren und so richtig die Sau rauslassen. Wenn sie dann heulend, zitternd und mit den Nerven fertig vor ihm steht – dann sagt er ihr das, was er sich zurzeit ständig von ihr anhören muss und zum Titel seines Bühnenprogramms gemacht hat: „Chill mal!“

Ja, nett sieht der Tastenkabarettist aus Hamburg mit schwarzer Hose und Weste, rotem Hemd und dunkler Wuschelfrisur auch bloß aus. In Wahrheit pflegt der Mann eine ausgemachte Schwäche für das lustvoll Boshafte und setzt lauter feine Nadelstiche zielsicher wie ein Meister der Akupunktur. Und irgendwie kann man die Tochter ja auch verstehen: Im Hause Pätz aufzuwachsen, ist ein zweifelhaftes Vergnügen, wenn „Schnuffel“ zum Meeting mit Dad gebeten wird, um ihm „by the way“ ein Update ihrer Performance in der Family zu geben. „Wo siehst du dich in drei Jahren ?“ Die richtige Antwort darauf? Na eben. „Chill mal!“

Mitnichten; zumindest nicht auf der Bühne. Stattdessen zerlegt Pätz beliebte Volkslieder in Silben und Akkorde, sortiert und stapelt, um das dadaistische Wortgemenge anschließend auf die Originalmelodie zu legen – ein kleines Meisterstück, das allein den Eintritt schon gelohnt hätte. Nebenbei zelebriert er den Rabattmarken- und Bonuspunkte-Wahnwitz dieser Tage, der ihm auf abenteuerlichen Umwegen sogar einen neuen Toaster verschafft. Was wiederum kein Ersatz für den Aufsitzrasenmäher sein kann – die letzte Domäne des domestizierten Mannes. Und die Rache der beinahe ausgerotteten Bakterien unter dem Latexhandschuh der Fleischerei-Fachverkäuferin offenbart zu guter Letzt eindrücklich, warum man diesen Mann nicht zum Feind haben möchte. Und warum er in den vergangenen Jahren Preise über Preise eingeheimst und beim Satire-Gipfel, in „Ottis Schlachthof“ und bei den „Mitternachtsspitzen“ – bewiesen hat, dass er sie verdient.

Also, chill mal? Jeder andere, aber nicht Nepo Fitz, der sein Solo nicht umsonst mit dem Attribut „Dringend“ überschrieben hat. Muss es denn wohl auch sein, wenn man schon 35 ist und das mit Sohn zeugen, Baum pflanzen und Haus bauen auf sich warten lässt. Dabei legt der rundum sympathische Buar – Sohn einer Kabarettistin und eines Rockmusikers mit persischen und Südtiroler Wurzeln – ordentlich Tempo vor. Um zwischendurch mal kurz innezuhalten und sich zu fragen: „Woas leb i mir da eigentlich z'samme?“ Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, Negativ-To-do-Listen zu schreiben: „Keinen Rasen mähen? A geh, des hoab'n mer heuer g'schafft.“

Doch ob aus Nepo Fitz jemals ein g'scheiter Grantlhuber wird? Niemand soll ihm nachsagen, er gebe sich keine Mühe: „Mir gefallt's überall gleich guad ned“. So wie in der freien Natur. Ameisen zum Beispiel sind für Fitz die deutschesten Tiere überhaupt: „Seht's den Grashalm? Den tragen wir jetzt da hinten rüber. Warum? Na, Aufräumen halt!“ Da schüttelt Nepo Fitz nur den Kopf. Das ist wirklich nicht seins – „so jung, frisch und unvollständig“. Perfektion wird ohnehin viel zu sehr überbewertet. Für ihn gilt die Devise: „Ich denk's, ich soag's“. Oder singt es, greift in die Tasten und rockt nach Herzenslust ab – das väterliche Erbe meldet sich. Wobei man mit Robbie Williams (Let me entertain you), mit Nina Simone (Feeling good) und Otis Redding (Hard to handle) gar nichts verkehrt machen kann. Chapeau. Des hat g'sessen.

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