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Kabarett-Tage in Morenhoven: Robert Griess überzeugt mit ausverkauftem Kabarett

Kabarett-Tage in Morenhoven : Robert Griess überzeugt mit ausverkauftem Kabarett

Kabarettist Robert Griess lässt es im ausverkauften Morenhovener Kreaforum programmgemäß knallen. Der Titel seines Soloprogamms: "Hauptsache es knallt!"

Würden die Morenhovener Kabarett-Tage als Fußballturnier ausgetragen – und mit Blick auf die bisherigen 30 Jahre kommt da selbstredend nur die Champions League infrage –, so wäre Robert Griess den Königlichen aus Madrid zuzurechnen. Mit seinem Solo „Hauptsache es knallt!“ und mit der am Dreikönigstag 2019 zu servierenden Schlachtplatte kommt er an der Spitze auf stolze 13 Gastspiele. Und siehe da – ebenso viele Meisterschaften kann Real für sich verbuchen.

Nun sind derlei Zufälligkeiten und Rechenspiele eine, aber die Abgründe bundesdeutscher Politik noch mal eine ganz andere Sache. Das muss beileibe nicht jedem gefallen. Aber Griess' Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, ist das Zuhören ebenso wert wie der unverstellte Blick eines Mannes, von dem man einen untrüglichen Sinn für Richtig und Falsch am wenigsten erwarten würde. Stapper – bekennender Asi-Adel aus Köln – kann man nur der AfD-Klientel zuordnen, wenn man noch nicht das Vergnügen hatte, ihn näher kennenzulernen. Ja ihn, der seinen US-amerikanischen Geländewagen – „Hartz IV ist noch lange kein Grund, ein schlechtes Auto zu fahren“ – damit finanziert, dass er den Immobilienmarkt aufmischt und in die Taschen derer langt, die sie schon mal vorsorglich ein Stück öffnen, um den einen oder anderen Schein des guten Willens zu demonstrieren. Robin Hood 4.0? Das wäre dann noch zu diskutieren.

Aber sein Credo „Da bin ich für die Revolte“ setzt der Mann um. Konsequent. Dies würde sich sein Alter Ego namens Griess auch von der Kanzlerin wünschen, die offenbar ebenso viel Angst vor einer Zukunft ohne Mutti zu haben scheint wie andere vor der Wirtschaftspolitik von Vati. Andererseits könnte Friedrich Merz auch in der SPD Karriere machen. Selbst wenn Andrea Nahles' Kommentar zum Rentenbericht der Bundesregierung bis heute seinesgleichen sucht: „Besonders Geringverdiener müssen intensiv in die private Altersvorsorge investieren. Da ansonsten vor allem diese Einkommensgruppe im Alter verstärkt von Armut bedroht ist.“ Ja, die SPD und das Soziale: Das kommt Griess so vor, „als würde Dieter Bohlen am Grab Ludwig van Beethovens einen Kranz niederlegen. Mit der Aufschrift: Vom Meister für den Schüler.“

Wie man der bajuwarischen „Mir san Mir“ ebenso den Wind aus den Segeln nimmt wie der Furcht vor einer Islamisierung Dresdens, demonstriert Griess in Kaftan gewandet und mit Fes auf dem Kopf. Bevor er zu guter Letzt das Ein-Personen-Gegenwartsdrama des Jahres „eines zu Recht unbekannten Autors“ mit einem revolutionären Ruf beschließt, der auch Stapper zusagen sollte: „Banken in die Schranken. Das Leben ist kein Boni-Hof“.