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Anwohner berichten: Schaulustige und Plünderer in Swisttal unterwegs

Anwohner berichten : Schaulustige und Plünderer in Swisttal unterwegs

Schaulustige sind am Wochenende nach Heimerzheim gereist, haben Fotos von Betroffenen gemacht und ihre letzte Habe gestohlen. 500 Polizisten sind im Katastrophengebiet im Einsatz gegen Plünderer.

1,70 Meter hoch stand das Wasser in der Erdgeschosswohnung von Ulrika Bierbaum. Seit 30 Jahren wohnt sie in Heimerzheim, etwa 100 Meter vom Swistbach entfernt. 100 Meter, die das sonst so beschauliche Bächlein in der Nacht zu Donnerstag überwand und sich dabei den Weg durch sämtliche umliegende Häuser bahnte. „Ich habe nichts mehr“, resümiert Bierbaum. Als wäre das nicht genug, muss sie sich mit einer weiteren Plage herumschlagen: Katastrophen-Touristen.

Alles, was von ihrem Besitz übriggeblieben ist, liegt in einem Container vor dem Haus. „Es ging ziemlich schnell, dass wir sogar das kaputte Hab und Gut sichern mussten. Die Leute sind hier rumgelaufen, um zu gucken, ob sie noch etwas davon gebrauchen können.“ Einige seien sogar unter dem Vorwand, helfen zu wollen, ins Haus gekommen, doch hätten dann nur nach brauchbaren Dingen Ausschau gehalten. Irgendwann habe die 60-Jährige ihren Schwiegersohn postiert, um die Schaulustigen zu vertreiben. Ein improvisierter Drahtzaun soll sie aus dem Garten fernhalten. 

Viele Uninvolvierte – stets zu erkennen an ihrer sauberen Kleidung – seien besonders am Sonntag vorbeigekommen. „Das waren ganz normale Leute. Familien mit Kindern, Leute, die mit dem Fahrrad einen Ausflug gemacht haben.“ Sie hätten dann Fotos geschossen, gefilmt, wären ungefragt ins Haus gekommen, „manche grinsten einen sogar an“, schildert Bierbaum. „Als wäre man im Zoo“, ergänzt ihre Tochter. „Die Bundespolizei regelt die Sperrungen gut, aber wer will, der findet Wege in den Ort.“

Angesprochen darauf, was sie hier täten, hätten die Schaulustigen nur gesagt: „Ja, warum? Das kann man sich doch angucken.“ „Man ist sowieso sprachlos – und dann so was. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, ins Katastrophengebiet zu fahren. Ich gucke ja auch bei einem Unfall nicht hin, aber manche ergötzen sich anscheinend daran“, sagt Bierbaum fassungslos. Zum Glück habe sie auch freundlicheren Besuch erhalten: Am Sonntag kamen zwei fremde Familien aus Heimerzheim und Bornheim vorbei und halfen beim Aufräumen.

Aggregate fehlen nach Falschmeldung zu Dammbruch

Im Ort kursiert noch eine weitere Geschichte zu Plünderern. Anwohner berichten von zwei Männern in Bundeswehr-Uniformen, die am Wochenende durch die Quellenstraße gezogen sein sollen. Sie sollen von einem angeblichen Bruch der Steinbachtalsperre berichtet und die Anwohner zur Evakuierung aufgefordert haben. Als sich die Nachricht als falsch herausstellte und die Anwohner zurückkehrten, sollen zwei Stromaggregate gefehlt haben.

Polizei nahm sieben Verdächte wegen Plünderns fest

Wegen vermeintlichen Plünderern erreichten die Polizeien in Bonn, Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis zwischen Sonntag und Montag mehrere Notrufe. Wie die Polizei Köln am Montag mitteilte, nahmen Polizisten in Weilerswist und in Stotzheim insgesamt sieben Männer fest. Jedoch konnte sich der Verdacht in keinem der Fälle erhärten, sodass die Verdächtigen wieder freigelassen wurden.

Ein Polizeisprecher erklärt auf Anfrage: Es konnte entweder nicht bewiesen werden, dass etwas entwendet wurde, oder, wie in einem Fall, woher der defekte Rasenmäher im Kofferraum eines Verdächtigen stammte. Auch am Montag waren laut der Polizei wieder mehr als 500 Polizisten im Einsatz, um das Hab und Gut der Betroffenen im Katastrophengebiet zu schützen.

Einen Augenzeugenbericht aus Swisttal-Dünstekoven konnte die Polizei kurzfristig nicht bestätigen. Am Montagabend ist dort nach GA-Informationen ein Mann an der Waldstraße, Ecke L163 festgenommen worden, nachdem er sich dort in mehreren fremden Häusern aufgehalten hatte.

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