Politik uneins Debatte um Hochwasserschutz an der Steinbachtalsperre

Euskirchen/Swisttal · Wenn es um die Möglichkeiten von Hochwasserschutz und Naherholung an der Steinbachtalsperre geht, haben Vertreter von Euskirchen und Swisttal unterschiedliche Positionen. Thomas Keßeler, Grüner Stadtverordnete aus Euskirchen, meint: Ein höheres Stauvolumen ist ein Muss für mehr Hochwasserschutz.

 Die Folgen der Überströmung an der Steinbachtalsperre waren tiefe Rillen im Damm. So weit soll es nie wieder kommen.

Die Folgen der Überströmung an der Steinbachtalsperre waren tiefe Rillen im Damm. So weit soll es nie wieder kommen.

Foto: dpa/David Young

Zur Frage, wie es mit der Steinbachtalsperre weitergeht, gab es in der Abstimmung des zuständigen Wasserversorgungsverbandes Euskirchen-Swisttal (WES) zwischen Euskirchener und Swisttaler Mitgliedern der Verbandsversammlung unterschiedliche Vorstellungen. Dazu hat sich nun Thomas Keßeler, Stadtverordneter für Bündnis 90/Die Grünen in der Stadt Euskirchen sowie Mitglied der Verbandsversammlung des WES, gemeldet. „Ich selber halte den Hochwasserschutz für absolut prioritär und ich erlebe bei allen Verantwortlichen der Stadt Euskirchen immer wieder, dass dies bei diesen ebenso der Fall ist“, schrieb er dem GA. Allerdings ist er der Ansicht, dass in der betreffenden WES-Sitzung nicht über die zukünftige Soll-Stauhöhe des Gewässers entschieden oder diskutiert worden sei. Diese Entscheidung stehe frühesten in einem oder zwei Jahren im Rahmen eines Betriebskonzeptes an.

Bedeutung der Überstromfähigkeit

Viel mehr Bedeutung misst Keßeler der Überstromfähigkeit des Dammes bei. Diese Fähigkeit, die beschreibt, wie sicher ein Damm ist, auch wenn Wasser in einer bestimmten Menge darüber strömt, sei laut Keßeler bei einem Bauwerk mit höherem technischen Stauvolumen besser. Sein Fazit: „Ein höheres technisches Stauvolumen ist für einen maximalen Hochwasserschutz ein absolutes Muss.“

Mit Blick auf Aussagen Swisttaler Politiker, über die der GA berichtet hatte, wurde Keßeler deutlich: „Ausdrücklich zurückweisen muss ich darüber hinaus Aussagen, wie jene, dass für die Euskirchener Vertreter*Innen die Pferdehalter aus Schweinheim wichtiger gewesen seien als praktischer Hochwasserschutz. Eine solche Aussage ist polemisch und dient nicht der Sache.“

Keßeler widersprach zudem der Aussage des Swisttaler Werner Hahnenberg (CDU), der ebenfalls Mitglied in der WES-Verbandsversammlung ist. Hahnenberg wurde zitiert mit: „Durch unseren Vorschlag wäre ein Überlauf des Damms ausgeschlossen gewesen.“ Dazu erinnerte Keßeler daran, dass in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen worden sei, dass die Wassermengen in der Flutnacht das Stauvolumen der Talsperre deutlich überschritten hatten. Zur Einordnung: Das wäre, so hieß es bereits an anderen Stellen, auch der Fall bei einer vollständig entleerten Talsperre gewesen.

Sondersitzung zum Hochwasserschutzraum

Der WES hatte sich in einer Sondersitzung am 17. April mit der Steinbachtalsperre befasst. Dabei ging es laut Sitzungsvorlage um eine Beschlussfassung zum Volumen eines dauerhaft vorzuhaltenden Hochwasserschutzraumes. Sprich: Wie viel Platz freigehalten werden soll, um bei Starkregen oder Hochwasser Wasser in der Steinbachtalsperre zurückzuhalten. Die Entscheidung fiel für einen von Euskirchener Vertretern favorisierten Beschluss. Demnach sollen maximal 750.000 Kubikmeter Wasser angestaut werden – die höchstmögliche diskutierte Menge und demnach der kleinstmögliche Hochwasserschutzraum. Allerdings wurde ebenfalls beschlossen, dass die tatsächliche Einstauhöhe (also der am Ende im See zu sehende Wasserstand) über ein noch zu erstellendes Betriebskonzept geregelt werden soll. Auch über dieses Betriebskonzept entscheidet die Verbandsversammlung, in der die Euskirchener mit neun Stimmen die Mehrheit gegenüber Swisttal (vier Stimmen) haben.

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