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Swisttal: 19 weitere Corona-Fälle bei Fruchthof Hensen

Fruchthof Hensen in Swisttal : Obstbauer fürchtet nach Corona-Fällen um seine Ernte

Nach dem Coronafall auf dem Fruchthof Hensen in Swisttal sind 19 weitere Personen positiv auf das Virus getestet worden. Sei Samstag ruhen die Arbeiten auf dem Hof. Wie es weitergehen kann, wissen Ralf und Irmgard Hansen nicht.

Die Saison der Freiland-Erdbeeren dürfte für den Fruchthof von Ralf und Irmgard Hensen zwischen Swisttal-Ollheim und Dom-Esch für dieses Jahr vorbei sein. Das befürchtet jedenfalls der Obstbauer selbst. Seit Samstag ruhen die Arbeiten auf dem Hof, nachdem bekannt wurde, dass eine der Erntehelferinnen mit dem Coronavirus infiziert ist.

Seit Montagmorgen stehen die Testergebnisse der übrigen 323 Mitarbeiter fest: 19 sind positiv. Das teilte der Leiter des Kreisgesundheitsamts, Rainer Meilicke, mit. „Vor Ort werden jetzt alle Maßnahmen getroffen, um die Infizierten von den Nicht-Infizierten zu trennen“, sagte Kreisdirektorin Svenja Udelhoven.

Unter Quarantäne stehen indes alle Mitarbeiter, weil die Behörden davon ausgehen, dass sie praktisch alle Kontaktpersonen sind. „Während der Ernte und an den Packbändern steht man dann doch sehr eng beieinander“, erklärte Meilicke. Er betonte, dass das Ergebnis der am Samstag gemachten Abstriche nur eine Momentaufnahme darstelle. „Das bedeutet, dass wir nicht wissen, ob es darunter beispielsweise Genesene gibt, die schon früher infiziert waren. Zudem müssen wir jetzt das Ergebnis der zweiten Testung abwarten, ob das Virus unter Umständen noch weitergegeben worden ist.“

Am Donnerstag zweiter Massentest auf dem Fruchthof

Diese Tests soll an diesem Donnerstag vom mobilen Abstrichteam aus Rheinbach vorgenommen werden. Frühestens am Samstag stehe dann das Ergebnis fest, auf das insbesondere jene warten, die schon am vergangenen Wochenende wieder abreisen wollten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen handelt es sich um Erntehelfer aus Rumänien, bestätigte Meilicke. „Die Bedingungen auf dem Hof waren im Grunde vorbildlich“, sagte er. Auf Hygienebedingungen sei gut geachtet worden. In den Unterkünften seien jeweils zwei Erntehelfer in einem Zimmer in den Containeranlagen untergebracht gewesen. Diese seien erneut desinfiziert worden.

Wie also ist das Virus eingeschleppt worden? Meilicke und sein Team haben eine Vermutung. Der größte Teil der Aushilfsarbeiterinnen und -arbeiter kam schon vor rund sieben Wochen. Damals seien alle vor Abreise in ihrer Heimat getestet worden. Nur wer einen negativen Befund hatte, durfte per Flugzeug nach Deutschland kommen. Dann aber seien weitere Helfer nachgefordert worden. Und diese kamen mit dem Privatauto. Meilicke: „Auf einer solch langen Autofahrt kann man sich das Virus schon irgendwo einfangen.“

Die Quarantäneverfügung beziehe sich auf alle Erntehelfer und den gesamten Hof, 16 Helfer sind außerhalb untergebracht. Für sie wurden Einzelverfügungen erstellt. „Niemand darf den Hof verlassen, niemand darf ihn betreten“, so Meilicke. Zurzeit suche man nach Lösungen, wie man dem Wunsch der Rückreisewilligen nachkommen könne. Dazu müsste auch die zweite Testreihe negativ sein.

Laut Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner werde auch überlegt, was mit den reifen Erdbeeren auf den Feldern geschehe. Denn mit Ernte, Verarbeitung und Auslieferung der Früchte könne erst wieder begonnen werden, wenn alle weiteren Tests negativ blieben und die Erkrankten genesen seien. Symptome zeige unter den 20 Betroffenen nur einer, hieß es. „Vielleicht gibt es Freiwillige aus der Bevölkerung, die bei der Ernte helfen könnten“, sagte sie.

Mit Bekanntwerden des Infektionsfalls waren alle Arbeiten sofort eingestellt worden. Auch die schon abgepackte Ware durfte den Hof nicht mehr verlassen, obwohl laut Meilicke „die Erdbeere als Überträgerin des Virus nicht bekannt ist“. Wie berichtet, war der Coronavirusfall erst bekannt geworden, nachdem eine Saison­arbeiterin des Fruchthofes wegen eines Schlaganfalls ins Marien-Hospital nach Euskirchen eingeliefert worden war. Die Frau aus Rumänien, die seit dem 5. Juni in Swisttal ist, wurde in der Klinik positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Sie hatte keine Symptome. Am Donnerstagabend meldeten die Hensens den Fall umgehend ans Kreisgesundheitsamt. Seit Freitag stehen alle unter Quarantäne.

„Wir wissen zurzeit nicht, wie es weitergehen kann“, sagte Rudolf Hensen, der wie seine Frau negativ getestet worden ist. Wenn die Früchte anfingen zu faulen, dann steckten sie die anderen an. „Wir haben uns an alle Spielregeln gehalten, und dann hat uns das Virus doch gekriegt“, sagte er. Normalerweise dauert die Freilandsaison bis Anfang Oktober, doch wenn die Pflanzen jetzt faulen, könne er sie nur noch unterpflügen. Für Kalkbrenner stellt der Betrieb einen der wichtigsten in ihrer Gemeinde dar. Daher sei jede Hilfe vonnöten.

(GA)