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Für mehr Biodiversität: Swisttal will Streuobstwiesen-Verein gründen

Für mehr Biodiversität : Swisttal will Streuobstwiesen-Verein gründen

Swisttaler Bürger und Politiker wollen mit einem Verein Streuobstwiesen pflegen und anlegen. Damit soll die Biodiversität in der Gemeinde gefördert werden. Doch solch ein Verein ist kein Selbstläufer, wissen die Kollegen vom Streuobstwiesen-Verein Wachtberg.

Die Gründung eines „Bunten Streuobstwiesenvereins“ hat sich die Gemeinde Swisttal auf die Fahne geschrieben. Bürger und Verwaltung sollen in diesem Verein ihren Einsatz für Natur- und Klimaschutz bündeln. Ziel ist es, die Gemeinde natur- und klimafreundlicher zu gestalten. „Streuobstwiesen sind eine besonders wertvolle Form des ökologischen Ausgleichs, weil sie die Biodiversität nach vorne bringen. Wir möchten mehr Bürger daran teilhaben lassen und eventuell mehr Streuobstwiesen anlegen“, betonten Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und die zuständige Sachbearbeiterin Anna Lena Müller.

Rund 20 Interessierte waren zur ersten Informations-Veranstaltung auf die Streuobstwiese am Wäldchen am Morenhovener Bischofsweiher gekommen. Mit dabei waren im Umwelt und Naturschutz engagierte Kommunalpolitiker ebenso wie engagierte Bürger. Darüber hinaus beteiligten sich Aktive des Vereins „Genussmeile Miel“, der schon eine Streuobstwiese der Gemeinde mit vier Bäumen pflegt. Und auch Mitglieder des Ortsausschusses Morenhoven, der im Zusammenhang mit dem „klimaneutralen Karnevalszug“ acht Bäume als Streuobstwiese gepflanzt hat, waren gekommen.

Auch ein Imker, dessen Bienenstöcke am Rand der Streuobstwiese am Bischofsweiher stehen, hörte den Ausführungen von Müller interessiert zu. Die Agraringenieurin wies in ihrem Vortrag über die Historie von Streuobstwiesen unter anderem auf den Rückgang der Sorten und den Verlust für die Artenvielfalt in Fauna und Flora hin.

Expertise aus Wachtberg

Stefan Thomas, Umweltgeologe und Vorsitzender des Vereins zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen in Wachtberg, berichtete als Experte aus seiner 25-jährigen ehrenamtlichen Streuobstwiesen-Arbeit. Er machte deutlich, dass das Anlegen einer Streuobstwiese keine romantisierende Erinnerung aus der Kindheit an das „Obst-Stibitzen“ von den Obstbäumen ist, sondern harte und ganzjährige Arbeit vieler Hände. In Wachtberg betreue der Verein 500 bis 600 Obstbäume.

Der Verein habe zwar mehr als 100 Mitglieder, aber der „harte Kern“ bestehe aus nur zehn Prozent. Das reiche kaum, um die über Jahr anfallenden vielfältigen und aufwendigen Arbeiten zu schaffen. Los geht es mit dem Winterschnitt, zu dem sich die Aktiven ab Ende Januar jeden Samstag treffen. Dann müssen die Baumscheiben von Gras freigehalten werden. So werde die „Wasserkonkurrenz“ zwischen Gras und Obstbäumen vermieden. Auch werde Wühlmäusen die Deckung genommen. Damit hätten Greifvögel die Chance, die Mäuse zu fangen.

Im Frühling folgten die Mahd der Wiese, im Sommer der Sommerschnitt, im Herbst die Ernte des Obstes. „Auf einmal mutiert man zum ,Saftladen‘ und rutscht ins Lebensmittelrecht und die Verpackungsverordnung“, so Thomas. „Da muss man ganz genau überlegen, wie man damit umgeht.“

Wichtig seien für einen Streuobstwiesenverein die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dass man die Bürger mitnehme. „Mit Vorträgen und einem Kaffeetrinken schafft ein solcher Verein eine soziale Klammer, das ist ganz wichtig“, sagte Thomas. Einigkeit bestand darin, dass die Schulen – vor allem die weiterführende Georg-von-Boeselager-Schule sowie die Offenen Ganztagsschulen – in das Streuobstwiesen-Projekt einbezogen werden sollten. Im Oktober soll es eine weitere Veranstaltung zur geplanten Vereinsgründung geben.