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Sohn von verurteiltem Autoschieber vor Gericht: Urkundenfälscher aus Swisttal muss für zwei Jahre in Haft

Sohn von verurteiltem Autoschieber vor Gericht : Urkundenfälscher aus Swisttal muss für zwei Jahre in Haft

Ein 21-Jähriger half seinem Vater bei Autoschiebereien. Nun muss der Urkundenfälscher jetzt erst in einen Entzug und dann in Haft.

Ein 21-Jähriger Swisttaler ist am Mittwochmittag wegen Urkundenfälschung beziehungsweise Beihilfe dazu sowie wegen Hehlerei zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der junge Mann wurde von den Richtern der 8. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht für schuldig befunden, seinen Vater im Jahr 2018 bei dessen illegalen Autoschiebereien unterstützt zu haben. In die Strafe einbezogen wurden drei Urteile des Amtsgerichts Euskirchen wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und Drogenbesitzes aus den Jahren 2017 und 2018.

Die aktuellen Taten seien die Folge eines falsch verstandenen Solidaritätsgefühls dem Vater gegenüber, so der Vorsitzende Richter Volker Kunkel in der Urteilsbegründung: Der strenggläubige Baptist und vielfache Familienvater war nämlich nicht nur ein führendes Mitglied seiner Gemeinde, sondern auch einer internationalen Bande von Autoschiebern. Er war bereits im vergangenen Herbst zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er mindestens 26 in ganz Europa gestohlene oder von Mietwagenunternehmen unterschlagene Fahrzeuge unter falscher Identität und mit falschen Papieren in Deutschland und teilweise im österreichischen Salzburg zugelassen hatte.

Damals saßen auch zwei seiner Söhne mit auf der Anklagebank, die Verfahren gegen sie wurden allerdings gegen Geldauflagen eingestellt. Auch der nun Verurteilte war bereits angeklagt, er hatte sich zunächst in die Ukraine abgesetzt und wurde erst später ausgeliefert. Beim überwiegenden Teil der Fahrzeuge handelte es sich um sogenannte Doubletten: Die Wagen wurden nach ihrer illegalen Beschaffung meist in die Ukraine gefahren.

Zulassung in Deutschland war nötig

Dort wurden dann die Fahrzeugidentifikationsnummern von hochspezialisierten Profis ausgetauscht. Die sogenannte FIN findet sich bei modernen Fahrzeugen nicht nur an der Karosserie, sondern ist auch als Datensatz in Schlüssel und Bordrechner hinterlegt. So ließ sich die illegale Herkunft der Fahrzeuge verschleiern und die Wagen konnten problemlos weiterverkauft werden.

Dazu mussten sie allerdings zuvor in Deutschland oder Österreich zugelassen werden, und zwar unter falschem Namen und mit gefälschten Papieren. Hier half der Filius seinem Vater dann in mindestens acht Fällen – zum Teil unterschrieb er nur die gefälschten Dokumente, zum Teil ging er auch unter Angabe einer falschen Identität selber zur Zulassungsstelle. In einem Fall überführte er auch einen Mietwagen aus Barcelona. Das Ziel in Polen oder der Ukraine erreichte er allerdings nicht, weil er bei Frankfurt an der Oder in eine Kontrolle geriet.

Offenbar war den Ermittlern schnell klar, dass mit dem Wagen und seinem Fahrer nicht alles koscher war. Unter anderem besaß der junge Mann nämlich überhaupt keinen gültigen Führerschein und legte den Beamten nur eine gefälschte russische Fahrerlaubnis vor. Weil der Verurteilte zum Tatzeitpunkt gleich unter dreifacher Bewährung stand, muss er die Strafe nun endgültig absitzen. Da Verteidigung und Staatsanwalt auf Rechtsmittel verzichteten, hat der junge Mann die Chance vor der eigentlichen Strafe eine Entziehungskur zu beginnen.