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Verkehrsminister Andreas Scheuer besucht Baustellen auf der A 61

Verkehrsminister Andreas Scheuer in Swisttal : Lokaler Verkehr auf der A61 soll bald wieder fließen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat sich auf der A61 zwischen Ollheim und Dünstekoven ein Bild davon gemacht, wie weit die Flutschäden bereits behoben sind. In den nächsten Tagen kann zumindest der lokale Verkehr in Richtung Norden auf der A61 wieder fließen.

Der Verkehr in Richtung Süden rollt bereits wieder. Ein ungeduldiger Lkw-Fahrer hupt einen nach seinem Geschmack etwas zu langsam fahrenden Pkw vor sich an. Der ganz normale Alltag ist also bereits wieder eingekehrt auf der A61. Die Fahrbahn in Richtung Norden ist frisch gewalzt und noch nicht für den Verkehr freigegeben, denn letzte Markierungen fehlen noch.

Dennoch stoppen am Donnerstagmittag an der Stelle, wo der kleine Schießbach die Autobahn unweit der Brücke der Kreisstraße zwischen Dünstekoven und Ollheim unterspülte und die Fahrbahn einstürzen ließ, drei Autos. Aus einem steigt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der sich vor Ort über den Stand der Renovierungsarbeiten nach der Flut informiert, bevor er nach Erftstadt und an die Ahr weiterreist.

Freigabe für den lokalen Verkehr

Thomas Ganz von der Autobahn GmbH teilt ihm zunächst mit, dass die A61 in den nächsten Tagen auch in Richtung Norden wieder freigegeben wird. Allerdings nur für den lokalen Verkehr zwischen der Anschlussstelle Rheinbach und dem Kreuz Bliesheim. So kann etwa der Rheinbacher bis Swisttal oder Weilerswist fahren. Die Strecke wäre zwar auch durchgängig ab dem Kreuz Meckenheim befahrbar, doch dann würde sich der Fernverkehr ab dem Kreuz Bliesheim seinen Weg in Richtung Venlo durch enge Dörfer suchen. Und das ist natürlich nicht gewollt.

Bereits ab Koblenz wird dem Fernverkehr in Richtung Norden der Umweg in Richtung Dreieck Dernbach auf die A3 dringend empfohlen. Die Sperrung der Fahrbahn in Richtung Norden zwischen dem Kreuz Bliesheim und dem Kreuz Kerpen wird noch bis zum Jahresende andauern. Denn die Schäden am Dreieck Erfttal sind erheblich. Dort müssen alle Asphaltschichten sowie eine eingestürzte Schallschutzwand erneuert werden. Außerdem wird dort eine provisorische Verbindung zur A61 hergestellt.

Minister lobt schnelle Arbeit

Scheuer verteilte großes Lob an die Autobahn GmbH des Bundes und alle anderen in der Lenkungsgruppe beteiligten Behörden und Verbände. „Rekordverdächtig“ sei die Zeitspanne, in der die Renovierungsarbeiten bisher erledigt worden seien. „Und das bei dieser Vielzahl an schweren Schäden.“ Er wisse, dass zum Teil Tag und Nacht gearbeitet worden sei. Der Minister verglich die Wiederherstellung des empfindlich gestörten Autobahnnetzes mit „einer Operation am offenen Herzen“.

Scheuer hatte sich die Schäden bereits einige Tage nach der Flut vor Ort angeschaut. „Wir können in Deutschland schnell bauen“, sagte er. Voraussetzung seien die von der Bundesregierung beschlossenen Gesetze zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung gewesen, die vereinfachte Vergabeverfahren ermöglichten. Und man habe die Chance genutzt, die Ersatzbauten besser zu machen. Am Geld solle der Wiederaufbau der Infrastruktur im Flutgebiet jedenfalls nicht scheitern. Laut Scheuer stellt der Bund dafür 2,3 Milliarden Euro (Straßen) und 1,3 Milliarden Euro (Schiene) zur Verfügung.

Jede Menge Schlamm

Ganz hatte ihm zuvor geschildert, wie die Umgebung am Tag nach der Flut ausgesehen hatte: westlich der Autobahn ein See, die Fahrbahn auf einer Länge von 25 Metern eingekracht, östlich der Autobahn jede Menge Schlamm. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Der Schießbach führt kein Wasser, der Mais neben der Autobahn steht hoch. Der Bach wird derzeit durch vier Rohre unter der Autobahn durchgeführt.

Dies ist allerdings nur eine provisorische Lösung, weil die Fahrbahn schnell wiederhergestellt werden musste. Im nächsten Jahr sollen die Rohre entfernt und durch eine Brücke mit größerem Durchlass ersetzt werden. Dies nicht nur deshalb, damit im Falle von Hochwasser mehr Wasser abfließen kann. Der Durchlass ist auch wichtig für den Wechsel von Tieren auf die jeweils andere Seite der Autobahn. Für diese erneute Baumaßnahme soll die Autobahn aber nicht gesperrt werden. Eventuell werde der Verkehr zeitweise einspurig geleitet, sagte Ganz.

Für Motorradfahrer lebensgefährlich

Wie Christoph Dröge, Geschäftsbereichsleiter Bau und Erhaltung bei der Autobahn GmbH, erläuterte, habe die Bodenbeschaffenheit im Einzugsgebiet der Erft die Schäden an den Straßen begünstigt. „Der Lößboden verliert durch das eindringende Wasser an Stabilität“, erklärte er. So hätten sich im Fahrbahndamm der Autobahn viele mit Wasser gefüllte Blasen gebildet. Durch die Entwässerung entstünden Hohlräume. Diese ließen dann die Fahrbahn absacken. Dadurch seien an vielen Stellen auf der Fahrbahn Dellen entstanden. „Lebensgefährlich für Motorradfahrer“, so Dröge.

Den Hohlräumen im Fahrbahndamm und an Brücken spüren die Experten der Autobahn GmbH per Georadar nach. Diese Technik sei mit der Ultraschallmethode vergleichbar, sagte Ganz. Immer noch würden kleinere Schäden etwa an Entwässerungsleitungen entdeckt.